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"Die Sonne kann man nicht mit dem Finger verdecken"

Magic meets Air Jordan: Das "Dream Team" wird geboren

26.07.2018 19:27
Eine Auswahl an Spielern, die bis heute ihresgleichen sucht: das Dream Team
© imago sportfotodienst
Eine Auswahl an Spielern, die bis heute ihresgleichen sucht: das Dream Team

Auf den Tag genau 26 Jahre ist es her, dass in Barcelona das Basketball-Turnier der Olympischen Sommerspiele startete. Es war die Geburtsstunde des "Dream Teams", einem der größten Sportkollektive aller Zeiten.

Der Grundstein zu einer der nachhaltigsten Episoden der Sportgeschichte wurde sechs Jahre vor dem ersten Olympia-Auftritt der legendärsten Basketball-Mannschaft aller Zeiten gelegt: Im Jahr 1986 erlaubte das IOC in manchen Disziplinen erstmals die Teilnahme von professionellen Athleten an den Spielen. Drei Jahre später weitete es diese Regelung auf den Basketball aus.

Die Verantwortlichen in Amerika dürften sich freudetrunken in die Arme gefallen sein. Endlich konnte man die Bronze-Medaillen-Schmach von 1988 wett machen. Endlich konnte man die NBA und deren Stars in Europa, ja sogar weltweit präsentieren. Endlich konnte man den Sport aus seinem globalen Nischendasein befördern.

Also machte sich US-Coach Chuck Daly an die Zusammenstellung einer Mannschaft. Zunächst konnte der damals 61-Jährige Earvin "Magic" Johnson und Larry Bird für die Spiele begeistern. Nach anfänglichem Zögern ließ sich schließlich auch Michael Jordan überreden. Daraufhin war die Rekrutierung weiterer NBA-Superstars kein Problem mehr.

Pool und Poker statt Training

Die finale Liste der Spieler liest sich wie die Crème de la Crème zum Quadrat: Michael Jordan, Larry Bird, Earvin Johnson, Scottie Pippen, Patrick Ewing, David Robinson, Karl Malone, John Stockton, Clyde Drexler, Charles Barkley und Chris Mullin. Alle wurden nach ihrem Karriereende in die Hall of Fame aufgenommen. Ergänzt wurde das Team von Christian Laettner - dem einzigen College-Spieler im Roster.

Als Vorbereitungsort auf die Spiele wählte die US-Delegation Monaco aus. Das Hauptaugenmerk der Mannschaft lag dabei keineswegs auf sportlicher Betätigung. Nach einer Niederlage gegen eine US-College-Auswahl waren die Stars zwar vorgewarnt. Dennoch vertrieben sich Jordan und Co. ihre Zeit am liebsten mit stundenlangen Partien Golf oder Kartenspielen. "Ich werde so viel Zeit im Pool verbringen, dass die nachher denken, ich gehöre eigentlich zum Schwimmteam", ließ "Sir Charles" Barkley im Vorfeld verlauten.

Ein Problem beschäftigte das Team dann aber doch. Ein Problem, das sich nicht bei einer Runde Poker klären ließ: Es hatte sich herauskristallisiert, dass Jordan und Magic nur dann harmonierten, wenn einer der klare Anführer war. Dalys Idee: Die Rolle des Alpha-Tiers in einem Spiel klären lassen.

"Angola steckt in der Scheiße"

Und so kam es am 23.07.92 zu einem legendären Trainingsspiel. Einem Spiel, das Jordan rückblickend als "das großartigste Spiel, an dem ich je beteiligt war" bezeichnete. Aufgrund von Verletzungen fielen Drexler und Stockton aus. Sich gegenüber standen also Team Jordan (Jordan, Pippen, Bird, Malone, Ewing) und Team Magic (Johnson, Barkley, Robinson, Mullin, Laettner). Es ging schlicht um die Vorherrschaft innerhalb des "Dream Teams".

Trotz eines zwischenzeitlichen Rückstands von neun Punkten gewann Jordans Auswahl mit 40:36. Mit 17 Zählern erzielte MJ dabei fast die Hälfte der Punkte seines Teams im Alleingang. Die Frage nach dem Anführer war also geklärt.

Drei Tage später war es dann soweit: Der Auftakt der Spiele gegen Angola. "Ich weiß nichts über Angola, aber Angola steckt in Schwierigkeiten", schickte Barkley eine klare Ansage an die Basketball-Welt und den kommenden Gegner, dem ersten Pflichtspiel-Gegner in der Geschichte der besten Mannschaft aller Zeiten.

Es kam, wie es kommen musste. Die zwölf Goliaths der Stars and Stripes ließen Angola schon vor dem Spiel in Ehrfurcht erstarren. Die Afrikaner schlichen mehr auf den Court, als dass sie gingen. Mickrige 16 Punkte konnten die Davids Angolas bis zur Halbzeit erzielen. Durchgang zwei zeichnete kein schöneres Bild.

Die Sonne nicht mit dem Finger verdecken

40 Minuten nach dem Tip-Off war klar: Der Sheriff in Barcelona heißt Amerika. 116:48 für die USA. 68 Punkte Unterschied. Zwischenzeitlich setzten die Amerikaner zu einem 46:1-Run an. Den einzigen Punkt für Angola erzielte Herlander Coimbra via Freiwurf. Den Auftakt als Paukenschlag zu beschreiben, es wäre wohl eine Untertreibung.

Es war mehr als nur ein Fingerzeig an die Konkurrenz, es war ein Vorgeschmack auf das, was in den Spielen danach folgen sollte. Mit durchschnittlich 43,8 Punkten Differenz fertigte das US-Ensemble seine Gegner ab. Im Verlauf des gesamten Turniers nahm Coach Daly nicht eine einzige Auszeit. Das Finalduell mit den Kroaten um Toni Kukoč wurde noch am knappsten. "Nur" 32 Punkte betrug der Unterschied letztlich. Eine Chance hatte kein einziger Gegner.

Cubas Trainer Miguel Calderón Gómez formulierte es ob der extremen Überlegenheit der US-Basketballer wohl noch am treffendsten und sagte über den Vergleich des "Dream Teams" mit der Konkurrenz: "Die Sonne kann man nicht mit dem Finger verdecken."

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