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Histourie: Triumph und Fall des Luis Ocana

22.07.2017 08:06
Luis Ocana gewann die Tour de France von 1973
Luis Ocana gewann die Tour de France von 1973

23 Tage, 23 Geschichten: Der Blick in die Archive der Tour de France offenbart zahlreiche spannende Momente aus 114 Jahren Frankreich-Rundfahrt. Diesmal: Es schlägt die Stunde des Luis Ocana.

22. Juli 1973: Nein, leicht gemacht haben sie Luis Ocana den Weg auf den Tour-Thron nicht. Viermal in Folge von 1969 bis 1973 hatte sich der Spanier am Belgier Eddy Merckx die Zähne ausgebissen, der keinem Konkurrenten auch nur den winzigsten Erfolg gönnte. 1971 war Ocana nah dran am "Kannibalen", fuhr auf der elften Etappe ins Gelbe Trikot, stürzte dann aber schwer - die Tour endete für den Mann aus La Mancha in tiefer Bewusstlosigkeit. Und das Ziel in Paris sah Ocana auch 1972 nicht, hatte es 1969 nicht gesehen, 1970 nicht.

Nun aber hatte Ocanas Stunde geschlagen: Merckx hatte 1973 auf einen Tour-Start verzichtet, begnügte sich mit den Triumphen bei Giro und Vuelta, wünschte Ocana noch in einem rätselhaften Anfall von Generosität während der Tour telefonisch viel Glück. Ocana dominierte das Rennen dann auch bis Paris nach Belieben.

Mit dem Schicksal auf Kriegsfuß

Allerdings muteten die Organisatoren Ocana das wohl härteste Finale der modernen Tour-Geschichte zu: Am letzten Rundfahrt-Tag gewann der Spanier morgens ein Zeitfahren, erst danach ging es auf die abschließende Etappe von Versailles nach Paris.

Nein, leicht hatte es Ocana nie, er stand mit dem Schicksal auf Kriegsfuß: Nach seiner Karriere hatte er zwei schwere Verkehrsunfälle, litt an einer Krebserkankung, an Hepatitis C, an Leberzirrhose und großen Schulden. Merckx hatte ihn nicht endgültig zermürben können, dem Leben gelang es: Am 19. Mai 1994 erschoss sich Ocana im Alter von 48 Jahren.

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