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Vandoorne will "25 Stopps", Alonso "nicht in Q3"

15.07.2017 19:30
Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne sorgten in Silverstone für positive Schlagzeilen
Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne sorgten in Silverstone für positive Schlagzeilen

Plötzlich brandet Jubel auf! Die englischen Fans staunen und feiern ausgerechnet den einstigen Erzrivalen ihres Helden Lewis Hamilton. Fernando Alonso hatte in Q1 für eine faustdicke Überraschung gesorgt, als er sich in buchstäblich allerletzter Sekunde die Bestzeit sicherte - die erste seit seinem Wechsel von Ferrari zu McLaren. Auch in der Box des gebeutelten Teams konnte man plötzlich wieder Lachen sehen. Eine Bestzeit. Und das beim Heimspiel.

"Ein Auto an der Spitze zu sehen, auch wenn es nur Q1 war, war schön", lacht Alonso im Anschluss an die Qualifikation. Auf seiner Auslaufrunde konnte der Spanier sehen, wie sehr er die Zuschauer auf den Tribünen von den Sitzen gerissen hatte. "Die Leute haben es gebraucht, McLaren wieder an der Spitze zu sehen. Ich freue mich für sie, und ich freue mich für das Team", meint er.

Doch Alonso hatte in Q1 nicht einfach nur die Bestzeit gesetzt - er hatte einen wahren Krimi daraus gemacht. Bei abtrocknender Strecke entschied er sich kurz vor Schluss für das Risiko, auf Trockenreifen zu setzen. Er kam an die Box und musste anschließend die Aufwärmrunde voll fahren, um nur eine Chance darauf zu haben, vor dem Ende der Zeit über die Linie zu kommen. Und das schaffte er hauchdünn.

Alonso hauchdünn vor Ablauf der Zeit über den Strich

Die eingeblendete Uhr stand schon auf Null, und auch die Ampel war bereits rot zu sehen, doch weil die Ziellinie in Silverstone ganz am Anfang der Start- und Zielgerade liegt, hatte es der McLaren-Pilot noch rechtzeitig geschafft. "Für mich waren es vielleicht zehn Meter. Das sind ein oder zwei Zehntelsekunden - extrem eng", schildert er die Szene aus seiner Sicht. Alonsos Poker ging auf: Überwältigende 1,3 Sekunden Vorsprung hatte er auf Lewis Hamilton und dürfte damit auch der Konkurrenz ein Zeichen gesetzt haben: Etwas mehr Risiko hätte sich für die in Q1 Ausgeschiedenen bezahlt gemacht.

Danach war das Märchen von Fernando Alonso aber wieder vorbei. In Q2 konnte sich der zweimalige Weltmeister lediglich auf Rang 13 klassieren und schied vorzeitig aus. Doch das, sagt Alonso, ist sogar ganz gut, denn in Q3 einziehen wollte er auch gar nicht, weil er dann im Rennen Nachteile gehabt hätte. Denn nicht vergessen: Aufgrund diverser getauschter Motorenteile muss er morgen 30 Plätze zurück und findet sich ohnehin ganz hinten wieder.

Wäre er in Q3 eingezogen, hätte er mit den alten Reifen starten müssen und wäre trotzdem noch Letzter gewesen. "Jetzt haben wir freie Reifenwahl und neue Reifen. Es war besser, nicht in Q3 zu sein", sagt Alonso, der zwar enttäuscht über die erneute Strafversetzung ist, aber das Positive mitnimmt: "Wir haben gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sein können."

Vandoorne begeistert mit Rang neun

Das war vor allem an Teamkollege Stoffel Vandoorne zu sehen, der den Spanier erstmals in dieser Saison in der Qualifikation bezwingen konnte und in Q3 einzog. Der Belgier zeigte seine beste Samstagsvorstellung und wurde mit dem neunten Platz belohnt. "Für uns war es eine gute Qualifying-Session", freut sich der Rookie, der durch die Strafversetzung von Valtteri Bottas sogar noch einen weiteren Platz nach vorne rutscht.

"Auf einer Strecke wie dieser hatten wir nicht mit Q3 gerechnet, aber es zeigt, dass sich unsere Arbeit ausbezahlt", so Vandoorne. Schon im Training am Vormittag hatte der GP2-Meister von 2015 mit Rang zehn angedeutet, dass er durchaus in Q3 kommen kann, doch weil die Konkurrenz im Normalfall zum Qualifying noch zulegen kann, war der Belgier noch etwas skeptisch. Die wechselhaften Bedingungen kamen McLaren jedoch entgegen.

Souverän fuhr er sich auf Rang acht durch Q1 und hatte dann in Q2 etwas Glück, dass er gerade eben auf Platz zehn die Hürde nehmen konnte - 88 Tausendstelsekunden vor Jolyon Palmer. Im letzten Qualifying-Abschnitt begann Vandoorne schließlich mit der langsamsten Zeit, doch zumindest Haas-Pilot Romain Grosjean konnte er sich um 0,131 Sekunden noch schnappen. "Mehr wäre auch nicht möglich gewesen", sagt er.

Nicht nur im Videospiel mit Alonso auf Augenhöhe

Für die Vorstellung erntet Vandoorne Lob von seinem Team: "Stoffel war das ganze Wochenende über schnell, und es war toll zu sehen, dass er heute alles so gut zusammengebracht hat", freut sich Rennleiter Eric Boullier. Und endlich konnte der Rookie seinen hoch eingeschätzten Teamkollegen Fernando Alonso schlagen - auch wenn es für ihn selbst nur eine Frage der Zeit gewesen zu sein schien.

"Ich habe in den vergangenen Rennen gut gearbeitet. Die Verbesserungen können wir eindeutig sehen", unterstreicht er. Schon in Baku und Österreich seien die beiden ziemlich nah beieinander gewesen, und an diesem Wochenende sei es ebenfalls in jeder Session ausgeglichen gewesen, wie er betont. "Es ist ein gutes Gefühl, den Schritt gemacht zu haben", so Vandoorne, der ein freundschaftliches, aber auch wettbewerbsfokussiertes Verhältnis mit Alonso pflegt.

Das konnte man unter anderem gestern im Motorhome beobachten, als sich die beiden auch virtuell noch einmal auf der Strecke duellierten. Keiner wollte aufgeben, bis er nicht den anderen geschlagen hatte. Vandoorne erzählt: "Er kam später noch einmal wieder, um meine Zeit zu schlagen. Das ist ihm auch gelungen." Doch das will er nicht auf sich sitzen lassen: "Ich habe heute Abend noch ein paar Stunden Zeit, um ihn noch einmal zu schlagen."

25 Boxenstopps gewünscht...

Den wichtigsten Kampf auf der echten Strecke hat Vandoorne aber heute auf jeden Fall gewonnen. Startplatz acht bedeutet für ihn eine gute Ausgangsposition, um endlich die ersten Saisonpunkte einzufahren. Seine Taktik dafür ist klar: einen guten Start haben, sich aus allem Schlamassel heraushalten und die Strategie gut umsetzen. "Unsere Rennpace sah am Freitag vernünftig aus", macht er sich Mut.

Teamkollege Alonso benötigt hingegen morgen schon besondere Umstände, um trotz seiner Q1-Bestzeit in die Punkte zu fahren. Er weiß, dass es bei einem trockenen Rennen schwierig wird, an der Konkurrenz vorbeizukommen, doch bei schwierigen Bedingungen könne man durchaus schnell sein, wie sich heute gezeigt hat. Und weil man am Ende des Feldes liegt, könne man dann auch ein Extrarisiko eingehen, das sich wie heute ausbezahlen kann.

Am liebsten wäre dem Spanier übrigens nicht, wenn es die ganze Zeit einfach nur regnet. Er hätte lieber wechselhafte Bedingungen wie heute: "Ich brauche 25 Boxenstopps und ständige Reifenwechsel", lacht er. "Wenn man dann nur 23 macht, kann man viele Plätze gutmachen." Die Hoffnung auf einen Top-10-Platz lebt: "Wenn wir wechselhafte Bedingungen haben, dann sind Punkte definitiv möglich."

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