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Histourie: Ein trügerisches Märchen in Magenta

12.07.2019 12:57
Jens Heppner sorgte 1992 für einen deutschen Erfolg bei der Tour
Jens Heppner sorgte 1992 für einen deutschen Erfolg bei der Tour

Der Blick in die Archive der Tour de France offenbart zahlreiche spannende Momente aus 115 Jahren Frankreich-Rundfahrt. Diesmal: Wie Jens Heppner Deutschland aus dem Sommerloch holte.

12. Juli 1992: Die 80er Jahre waren für deutsche Rundfahrer Saure-Gurken-Zeit. Didi Thurau konnte nie mehr an seine glanzvolle Tour 1977 anknüpfen, erreichte den Tiefpunkt 1985, als er von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen wurde, weil er einen Rennkommissär verdroschen hatte. Die neuen Hoffnungsträger wie Rolf Gölz und nach der Wiedervereinigung der frühere DDR-Star Uwe Ampler blieben Versprechungen.

1992 erschien das Team Telekom auf der großen Radsport-Bühne, wurde zu einer Art Nationalmannschaft. Die konzentrierte Förderung der besten deutschen Fahrer zahlte sich schnell aus: In der Debütsaison gewann Udo Bölts die Königsetappe des Giro, und spätestens nach der folgenden Tour de France wusste die Bundesrepublik, was Magenta ist.

Erst der Aufstieg, dann der tiefe Fall

Jens Heppner, 1990 letzter DDR-Straßenmeister, war zur Stelle, als die - trotz der mauen deutschen Leistungen der Vorjahre prächtig besuchte - achte Etappe in Koblenz endete. Der Geraer fuhr ein starkes Rennen, gehörte zu einer Fluchtgruppe und erreichte das Deutsche Eck als Zehnter. Viel wichtiger aber: Im Gesamtklassement rückte "Heppe" auf Platz zwei vor.

Weil Heppner erstaunlich gut über die folgenden Berge kam, beendete er die Tour auf einem nie erwarteten zehnten Gesamtrang. Es war Grundstock der Ära Telekom, die fünf Jahre später mit Jan Ullrich ihren Höhepunkt fand. Die späteren Enthüllungen über Lug und Betrug entmystifizierten das Magenta-Märchen, auch Heppner fiel tief. 2007 trennte sich "Eurosport" von seinem Experten, weil Heppner "nicht unbefangen berichten" könne.

2013 entlarvten Heppner Nachtests als EPO-Doper, er verlor seinen Job als Sportlicher Leiter bei NetApp, dem heutigen Team Bora-hansgrohe - einem Aushängeschild des neuen, sauberen deutschen Radsports.

 

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