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Pollersbeck: "Müssen richtig deutsch spielen"

28.06.2017 16:13
Julian Pollersbeck fordert gegen Spanien vor allem seine Hintermannschaft
Julian Pollersbeck fordert gegen Spanien vor allem seine Hintermannschaft

Julian Pollersbeck brüllte nach dem Einzug ins EM-Finale durch die gesamte Kabine. Vor Freude über seine gehaltenen Elfmeter, vor allem aber, um sein längst zum Kult gewordenes "Fiderallala"-Lied zum Besten zu geben.

"Da brennt die Kabine. Dieses Ritual begleitet uns durch das gesamte Turnier", sagte Stürmer Davie Selke über die Sangeskünste des Torhüters, der bei der U21-EM in Polen derzeit ein Sommermärchen erlebt.

Noch vor zwei Wochen war Pollersbeck ein eher mäßig bekannter Zweitliga-Schlussmann, am Freitag (20:45 Uhr) kann er im Finale gegen Spanien plötzlich Europameister werden. Sein eigener Anteil an dieser Geschichte ist enorm. Im Elfmeterschießen gegen England parierte der 22-Jährige zweimal, verschwand anschließend in einer wilden Jubeltraube und wurde schließlich von Trainer Stefan Kuntz lange und innig umarmt.

"Für solche Spiele, für solche Momente spielen wir Fußball. Einfach geil", sagte Pollersbeck, der zur kommenden Saison vom 1. FC Kaiserslautern zum Hamburger SV wechselt. Gegen England half ihm auch ein Spickzettel von Torwarttrainer Klaus Thomforde, den er im Stutzen versteckt hatte. Als Held sieht sich der Elfmeter-Killer dennoch nicht. "Klar, ich habe den letzten Elfmeter gehalten. Aber den größeren Druck hatten die Jungs, die schießen mussten", sagte der Torhüter gewohnt bescheiden.

"Poet" Pollersbeck als Anheizer

Dabei kann Pollersbeck ein echter Lautsprecher sein, vor allem als Sänger. Lange wurde gerätselt, was genau das DFB-Team in der Kabine singt, nach dem England-Spiel herrscht Klarheit. Poet Pollersbeck gibt, wie in dem Kinderlied über die Vogelhochzeit, selbst erdachte Zweizeiler zum Besten. Das gesamte Team antwortet dann brüllend: "Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala". Bis Pollersbeck irgendwann nichts mehr einfällt.

Die neueste Strophe handelt vom zweiten Helden des England-Spiels. "Der Felix Platte schoss ein Tor - und darum singen wir im Chor", so verriet es Pollersbeck dem "ARD"-Hörfunk, lautete in Tychy einer der Zweizeiler. Der Schalker Platte war nach der Pause für den angeschlagenen Selke gekommen und hatte gleich bei seinem U21-Debüt nach nur sieben Minuten das 2:2 erzielt. "Das ist das, wovon man träumt", sagte Platte.

Mann des Abends war dennoch Pollersbeck. Jener Mann also, der im ersten EM-Spiel gegen Tschechien (2:0) zweimal böse gepatzt und anschließend dreimal in Folge eine Topleistung gezeigt hatte. Er habe "Miraculix angerufen und einen Zaubertrank gemixt", sagte der Torhüter zu seiner Steigerung. Ein typischer Pollersbeck-Spruch, dem Mann aus dem bayerischen Altötting sitzt gerne einmal der Schalk im Nacken.

Pollersbeck: "Müssen richtig deutsch spielen"

Für das Finale gegen Spanien forderte Pollersbeck dagegen eine ernsthafte und vor allem forsche Vorstellung des DFB-Teams. "Wir müssen in der Defensive richtig deutsch spielen, denen zeigen, wo der Hase läuft. Gerade den Tiki-Taka-Spielern wie Asensio muss man auf den Hacken stehen, dann haben die irgendwann keine Lust mehr", sagte er am Mittwoch.

Und wer weiß, vielleicht bastelt der Poet Pollersbeck ja schon an einem neuen Zweiteiler, in dem die Wörter "Titel" und "Pokal" vorkommen. Zugeben würde er das natürlich nie. Denn dem Sommermärchen fehlt noch immer das Happy End. Oder wie es Julian Pollersbeck ausdrückte: "Alles schön und gut. Aber noch haben wir nichts gewonnen."

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