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"Nicht nachgedacht": DFB nach Elferkrimi im Finale

27.06.2017 20:54
Die deutschen U21-Junioren stehen im EM-Finale
Die deutschen U21-Junioren stehen im EM-Finale

Der Traum vom Titel lebt: Die deutschen Jungstars haben im Elfmeter-Krimi das Finale der U21-EM in Polen erreicht. Das Team von DFB-Trainer Stefan Kuntz setzte sich in Tychy gegen England mit 4:3 im Elfmeterschießen durch. Nach 120 Minuten hatte es 2:2 (2:2, 1:1) gestanden. Am Freitag (20:45 Uhr) kämpft die U21 gegen Spanien oder Italien um den Titel.

Der Wolfsburger Maximilian Arnold, der Neu-Dortmunder Maximilian Philipp, der Schalker Max Meyer und der Hoffenheimer Nadiem Amiri trafen vom Punkt, Torhüter Julian Pollersbeck vom 1. FC Kaiserslautern parierte zwei Schüsse. In der regulären Spielzeit hatten der künftige Berliner Davie Selke (35.) und der kurz zuvor eingewechselte Schalker Debütant Felix Platte (70.) für die am Ende überlegene deutsche Mannschaft getroffen. Demarai Gray (41.) und Tammy Abraham (50.) hatten England zwischenzeitlich mit 2:1 in Führung gebracht.

"Ich find so was geil. Deswegen spielen wir Fußball, deswegen lieben wir Fußball", sagte Matchwinner Pollersbeck, der auf das Elfmeterschießen bestens vorbereitet war, in der "ARD": "Ich hab meinen kleinen Spickzettel gehabt. Ich habe einfach nicht nachgedacht, wie fast immer." Kuntz war stolz auf sein Team: "Wir wollten, dass die Leute zu Hause stolz auf uns sind, das hat die Mannschaft weltklasse gemacht."

Dritter Finaleinzug des DFB

Erst zum dritten Mal steht ein DFB-Team im EM-Finale. Den bislang einzigen Titel hatte vor acht Jahren die "Klasse von 2009" mit sechs späteren Weltmeistern geholt.

"Das wird ein 50:50-Spiel. Die Tagesform entscheidet", hatte Kuntz vor Anpfiff gesagt. Jene Form sprach zunächst klar für England: Zwar hatte Deutschland gleich zu Beginn Pech, als ein Foul an Selke im Strafraum ungeahndet blieb (3.), danach drückten die Briten jedoch mächtig aufs Tempo. Nathanial Chalobah (6.) und Demarai Gray (8.) hatten gleich zweimal die Führung auf dem Fuß und auch den Three Lions blieb ein früher Elfer verwährt.

Kurzfristige Änderung in der DFB-Elf

Die deutsche Defensive wirkte völlig verunsichert - wohl auch, weil Hamburgs Gideon Jung kurzfristig ins kalte Wasser geworfen worden war. Der Innenverteidiger rückte für Hertha-Abwehrchef Niklas Stark in die Startelf, der sich beim Aufwärmen verletzt hatte. Auch Janik Haberer (SC Freiburg) und der künftige Dortmunder Maximilian Philipp begannen erstmals, auf die Bank mussten Mitchell Weiser (Hertha BSC) und Mahmoud Dahoud (Borussia Mönchengladbach).

Die Neuauflage des Endspiels von 2009 blieb für die 13.214 Zuschauer eine äußerst unterhaltsame Begegnung. Von Vorsicht war nichts zu spüren, beide Seiten überbrückten das Mittelfeld schnell und kamen zu reichlich Chancen. Besonders bei Standards erwies sich die deutsche Abwehr jedoch als anfällig, Torhüter Julian Pollersbeck musste gleich zweimal in höchster Not retten. Erinnerungen an das bittere 0:5 gegen Portugal im Halbfinale 2015 wurden wach.

Nach dem nervösen Auftakt bekam die deutsche Mannschaft das Spiel immer besser in den Griff. Die Abwehr stand nun sicher, vorne gelangen immer mehr Aktionen. Die inzwischen verdiente Führung folgte prompt: Nach schöner Flanke von Jeremy Toljan (1899 Hoffenheim) erzielte Selke per Kopf sein zweites Turniertor. An der Seitenlinie zeigte Kuntz einen Ansatz seiner berühmten Säge, mit der er einst seine eigenen Tore gefeiert hatte. Ein weiterer Standard sorgte jedoch für den prompten Ausgleich, als Gray nach einer Ecke aus kurzer Distanz erfolgreich war.

Kuntz: "Wollten die Leute stolz machen"

Direkt nach dem Seitenwechsel leitete Gnabry mit einem Fehlpass das zweite Gegentor ein. Der technisch starke Will Hughes zog mit dem Ball in die Mitte, wo Abraham aus kurzer Distanz mühelos einschob. Wenig später musste auch noch Selke verletzt vom Platz, für ihn kam Platte ins Spiel. Sieben Minuten später traf der 21-Jährige per Kopf zum Ausgleich. Anschließend war das deutsche Team dem dritten Tor deutlich näher und hatte ein Chancenplus, aber auch Pech im Abschluss.

"Wir wollten, dass die Leute zu Hause stolz auf uns sind, das hat die Mannschaft weltklasse gemacht", sagte Kuntz, der nach dem Elfmeter-Krimi Keeper Pollersbeck lange und innig umarmte

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