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Maxi Arnold: Von der VfL-Bank zum EM-Kapitän

21.06.2017 10:13
Maximilian Arnold (l.) ist Kapitän der DFB-Auswahl bei der U21-EM
Maximilian Arnold (l.) ist Kapitän der DFB-Auswahl bei der U21-EM

Noch vor wenigen Wochen erlebte Maximilian Arnold das Ende einer verkorksten Saison seines VfL Wolfsburg größtenteils von der Ersatzbank mit. Bei der deutschen U21 ist er vor dem zweiten EM-Gruppenspiel gegen Dänemark am Mittwoch als Kapitän jedoch (ab 20:45 Uhr im Liveticker) unumstritten. Ob der Mann der leisen Worte nach dem Turnier zu "seinem" VfL zurückkehrt, ist noch offen.

Mit seinen 23 Jahren ist Maxi Arnold bereits ein alter Hase im DFB-Team. Seit 2013 schnürt der Mittelfeldstratege die Stiefel für die U21-Nationalmannschaft und hat mehr Spiele absolviert als die meisten seiner Mitstreiter.

Nachdem "Arni" bei der EM 2015 unter Horst Hrubesch überraschend gar nicht zum Zuge kam, will Stefan Kuntz die Erfahrung des gestandenen Profis nutzen und machte ihn zum Kapitän.

Der Wolfsburger gab sich nach der Ernennung bescheiden. "Es ist eine Ehre, die U21 als Kapitän anzuführen. Aber nur weil ich jetzt Kapitän bin, nehme ich mich selbst nicht wichtiger als vorher", sagte Arnold bei "dfb.de".

Gegenüber der "Sportschau" schlug er in die gleiche Kerbe: "Ich kann mich jetzt nicht hier hinstellen und sagen, dass ich der Allergrößte bin und alles weiß. Ich versuche aber schon, den einen oder anderen darauf hinzuweisen, wenn irgendwas mal nicht so glatt läuft."

Arnold besticht durch seine Vielseitigkeit

Neben der Erfahrung ist es vor allem Arnolds vielseitige Verwendbarkeit, die ihn so wertvoll macht. In Wolfsburg bekleidete der 23-Jährige schon sämtliche Mittelfeldpositionen.

Mal spielte er auf dem Flügel, mal hinter den Spitzen und zuletzt in der defensiven Zentrale. Seine Stärken, den Blick und das Timing für den Pass in die Spitze und seinen strammen Abschluss mit dem linken Fuß, weiß Arnold von überall aus einzusetzen.

Stratege im defensiven Mittelfeld 

Gegen Tschechien führte Arnold die Mannschaft als zweiter Sechser an der Seite des zukünftigen Dortmunders Mahmoud Dahoud aufs Feld. Nach einem etwas holprigen Start dirigierte der Wolfsburger das Spiel der deutschen Elf mit ordnender Hand und war auch an einem Treffer beteiligt. Sein langer Ball in den Strafraum ebnete den Weg zu Serge Gnabrys 2:0.

Im Anschluss an die Partie sprach der Kapitän trotz des gelungenen Ergebnisses Klartext. "Ich sehe eher das Kritische. Wir haben zu viele Chancen zugelassen, teilweise die zweiten Bälle nicht gewonnen und so das Spiel phasenweise aus der Hand gegeben", kritisierte Arnold das Spiel seiner Elf.

Als Spielführer hätte Arnold eigentlich auch den Handelfmeter schießen sollen, der dem deutschen Team kurz vor Ende der Partie zugesprochen worden war. Doch der Wolfsburger überließ die Kugel Davie Selke und hielt sich zurück. Aus dem anschließenden Fehlschluss des Neu-Herthaners folgerte Arnold cool: "Den nächsten schieße wieder ich."

Schwache Saison in Wolfsburg

Der positive Spirit der letzten Tage im Kreise der DFB-Auswahl war Arnold in der Bundesliga zuletzt ein wenig abhanden gekommen. In 32 Einsätzen für die Wölfe gelangen dem Linksfuß nur zwei Treffer – so wenige wie nie zuvor im Dress der Wölfe. Zum Saisonende hin war Arnold nicht einmal mehr gesetzt in der Startelf von Trainer Andries Jonker. In den Relegationsduellen wurde der Publikumsliebling nur jeweils kurz vor Schluss eingewechselt.

Die schwierige Spielzeit setzte Arnold zu. "Der Druck ist brutal. Ich hatte ständig das Gefühl: Wir müssen, wir müssen. Man muss klar sagen: Da spielt auch Angst vorm Versagen eine Rolle. Der Kopf kann gar nicht mehr woandershin. Mein Kopf war gar nicht mehr frei, um meine besten Leistungen abrufen zu können", gab der gebürtige Sachse gegenüber der "Sport Bild" Einblick in seine Gefühlswelt.

Zurück zum VfL oder doch ein Abgang?

In Wolfsburg hofft man, dass Arnold als DFB-Kapitän in Polen zu alter Stärke zurückfindet. Einen Arnold in Topform könnte der VfL bei der „Mission Wiedergutmachung“ nach dem Fast-Abstieg gut gebrauchen.

Außerdem würde eine starke EM den Marktwert des 23-Jährigen, der in Wolfsburg einen Vertrag bis 2020 besitzt, wohl noch einmal deutlich steigern. Denn ob Arnold nächstes Jahr wirklich für die Wölfe aufläuft, ist noch nicht in Stein gemeißelt.

Zuletzt wurde der Mittelfeldmann mit RB Leipzig, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach in Verbindung gebracht. Arnold selbst vermied ein Bekenntnis zum VfL: "Ich setze mich doch jetzt nicht hin und sage: Ich bleibe bis 2030 in Wolfsburg, obwohl ich es nicht weiß."

Doch vorerst ist sein Blick voll auf die EM gerichtet: "Es nur noch ein Ziel: Vollgas."

Lennart Wegner

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