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Lukas Kleckers als neuer Hoffnungsträger

25.04.2017 10:48
Die deutschen Snooker-Hoffnungen liegen auf Youngster Lukas Kleckers
Die deutschen Snooker-Hoffnungen liegen auf Youngster Lukas Kleckers

Nur rund 750 aktive Spieler und bisher keine Teilnahme bei einer WM-Endrunde: Snooker ist in Deutschland eine Randsportart. Der Verband hofft dennoch auf den Durchbruch eines jungen Spielers.

Am großen grünen Billardtisch nehmen die Deutschen eine Rolle ein wie Jamaikaner in der Bobbahn. Fernab von großem Ruhm, Trophäen und der Weltelite sind sie echte Snooker-Exoten. Auf der Main Tour der 128 besten Profis spielen derzeit jede Menge Briten, einige Asiaten und vereinzelt auch Südamerikaner oder Australier. Ein Deutscher ist nicht dabei. Dabei war Lukas Kleckers schon mehrere Male nah dran.

Der Youngster will sich in dem von den Engländern dominierten Sport durchsetzen. Auf der Insel hat das Spiel traditionell einen hohen Stellenwert. "Aber die anderen europäischen Länder verbessern sich", sagt der 20-Jährige, der in Bochum Maschinenbau studiert und in Oberhausen trainiert.

Durchschnittlich fünf Mal die Woche steht er am Tisch, um für den Sprung zu den Profis zu arbeiten. Seine bisher größten Erfolge: Der Sieg bei der deutschen Meisterschaft 2013 sowie der jeweils dritte Platz bei der Amateur-EM und der Amateur-WM 2015. Am 2. Mai fliegt Kleckers nach England, um sich in Sheffield in einer Snooker-Akademie konzentriert auf die beiden Qualifikations-Turniere - genannt Q-School - vorzubereiten. Sie sind die beste Möglichkeit, ein Ticket für die Main Tour der Profis zu ergattern.

Nische innerhalb der Randsportart Billard

Für 600 Pfund Startgeld kann jeder bei den beiden Turnieren mitspielen, der sich für talentiert genug hält. Rund 200 Spieler sind jährlich dabei, die zwölf Besten dürfen anschließend zwei Jahre bei den Profi-Turnieren antreten.

Beim Snooker versucht sich Kleckers in einer "Nische innerhalb der Randsportart Billard", erklärt Michael John, Präsident der Deutschen Billard Union. "80 Prozent unserer Mitglieder spielen Pool, gerade mal fünf Prozent Snooker." John schätzt die Zahl der aktiven deutschen Snookerspieler aller Altersklassen auf 750, in einer kleinen Bundesliga spielen acht Teams um die Meisterschaft.

Dass die Entwicklung des Snookers hierzulande nur langsam vorangeht, hat viele Gründe: Die Trainingsmöglichkeiten sind nicht optimal, die im Vergleich zum Pool-Billard riesigen Tische sperrig und teuer, der Zugang zum Schulsport fehlt. Außerdem ist Snooker vor allem für Anfänger sehr frustrierend, sagt John: "Man sieht lange gar keinen Erfolg." Dafür ist das Spiel mit den 21 Bällen zu sehr von Präzision und taktischer Finesse geprägt.

Kleckers: "Viel hängt von Tagesform ab"

Kleckers hat sich dieses Jahr zum dritten Mal für die Q-School angemeldet, in den beiden vergangenen Jahren schied er bereits früh aus. "Das Ziel ist es, deutlich weiter zu kommen und mich für die Main Tour zu qualifizieren", sagt Kleckers. Welche realistischen Chancen er sehe, tatsächlich ein Tourticket zu gewinnen? "Das kann man nicht einschätzen, dafür hängt viel zu viel von der Tagesform ab." Snooker sei ein Spiel, bei dem Konzentration, Siegeswillen und Durchhaltevermögen genau so gefragt seien, wie der Umgang mit dem Queue. "Man muss die Konzentration hochhalten können, damit man nicht in ein Loch fällt", sagt das Talent.

Wie es auf der Main Tour zugeht, kann sich Kleckers von Patrick Einsle erzählen lassen. Der 30-Jährige schaffte den Sprung in den Profibereich drei Mal, etablieren konnte er sich aber nicht. "Das Hauptproblem ist das Geld", sagt Einsle heute, drei Jahre nach seinem Rücktritt als Profi. Ihm mangelte es damals an Sponsoren, die Preisgelder flossen nicht in ausreichender Höhe.

Dem Snooker ist er treu geblieben. "Ich glaube auch nicht, dass ich da jemals von wegkommen könnte", sagt Einsle. Als Trainer engagiert er sich für den deutschen Nachwuchs - und könnte sich in ferner Zukunft vorstellen, auch mal als Bundestrainer zu arbeiten. Denn der große Nachholbedarf in diesem Sport hält die Beteiligten in Deutschland nicht vom Träumen ab. "Ich würde es schon gerne sehen, wenn mal ein junger Deutscher den Durchbruch schaffen würde", sagt Einsle.

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