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"Hier passiert gerade etwas Außergewöhnliches"

Masters 1997: Als Tiger den Golf-Sport revolutionierte

11.04.2019 18:34
Der junge Tiger Woods dominierte das Masters 1997 wie niemand vor ihm
© imago sportfotodienst
Der junge Tiger Woods dominierte das Masters 1997 wie niemand vor ihm

Das US Masters 1997 bedeutete eine Art Wendepunkt in der Geschichte des Golf-Sports. Ein gewisser Tiger Woods stieß damals als 21-Jähriger in ungeahnte Sphären vor und revolutionierte eine ganze Sportart. Vor dem Start des 83. Masters blicken wir auf die vier denkwürdigen Tage im April '97 zurück.

Mit zwei simplen Worten gab der junge Tiger Woods am 28. August 1996 den Beginn seiner professionellen Karriere bekannt. Der Teenager, der zuvor die Amateurszene dominierte und einen Siegeszug sondergleichen hinlegte, trat an jenem Tag vor die Mikrofone und sagte mit einem breiten Grinsen: "Hello, world."

Dass ihn wenig später tatsächlich die gesamte Welt kennenlernen sollte, ahnte da noch niemand.

Millionenschwere Sponsorenverträge, die "Sports Illustrated"-Wahl zum "Sportler des Jahres 1996" und die ersten Tour-Siege ließen schon vermuten, dass es sich bei dem Kalifornier um einen zukünftigen Star handeln könnte. Wirklich bewusst wurde dies den Menschen aber erst beim 61. US Masters.

Tiger Woods: "Versau es bloß nicht"

Das Masters ist nicht einfach nur irgendein Major-Turnier, es ist das Major-Turnier. Es zu gewinnen, stellt für jeden Spieler eine Lebensaufgabe da. Selbst es nur zu versuchen und zu scheitern, gilt für so manchen Pro schon als Erfolg. Hauptsache ein Mal dabei sein im legendären Augusta National Golf Club.

Einfach nur Dabeisein war dem jungen Tiger Woods jedoch zu wenig.

"Auf diesen Moment hatte ich mich seit dem Beginn des Jahres vorbereitet", erinnerte sich Woods später. "Selbst bei anderen Turnieren habe ich die Schläge trainiert, die ich beim Masters brauchen würde", erklärte er. "Es gab in meiner Karriere nur wenige Turniere, bei denen ich dachte 'Versau es bloß nicht' – das war eines davon."

Tiger und der Katastrophen-Start

Doch als das Turnier begann, schienen sich die Golf-Götter gegen den Jungstar verschworen zu haben. Trotz akribischer Vorbereitung legte Woods einen desaströsen Start hin und brauchte für die ersten neun Löcher 40 Schläge.

"Ich hatte das Gefühl, dass alle Augen auf mich gerichtet waren und viele dachten, das Turnier sei für mich bereits vorbei. […] Als ich am zehnten Abschlag stand, hatte ich die 40 Schläge verdrängt. Ich habe mich gut gefühlt und an diesem Gefühl auf den zweiten neun Löchern festgehalten", sagte Woods später. Das Festhalten an dem guten Gefühl sollte sich auszahlen.

Der Frischling spielte sich auf den zweiten neun Löchern in einen Rausch, notierte vier Birdies, ein Eagle und vier Pars. Mit 70 Schlägen beendete Woods den ersten Tag nur drei Schläge hinter dem Spitzenreiter John Huston.

"Habe nur gedacht 'heilige Sch...'"

Keine 24 Stunden später zerlegte Woods einen der schwierigsten Plätze der Welt in seine Einzelteile und spielte eine famose 66er-Runde. Der Youngster übernahm die Führung und ließ die im Schnitt 17 Jahre ältere Konkurrenz wahrlich alt aussehen.

"Wenn er den Ball geschlagen hat, habe ich zu meinem Caddie geguckt und gedacht 'heilige Sch...'", erklärte Woods' Spielpartner Paul Azinger nach der Runde. Einen Spieler, der den Ball so weit und gleichzeitig so präzise schlagen kann, hatte selbst der erfahrene Profi noch nicht gesehen.

"Hier passiert gerade etwas Außergewöhnliches"

Auch am Samstag, dem "Moving Day", ging es für Woods nur in eine Richtung: vorwärts. Der Youngster zauberte eine bis heute legendäre 65 auf den Platz und baute seinen Vorsprung auf 9 Schläge aus. Seine Abschläge flogen im Schnitt 25 Meter weiter als die seiner Kontrahenten. Seine Eisen-Schläge landeten dort, wo er sie haben wollte. Die Putts auf den pfeilschnellen Grüns verfehlten das Ziel nur selten.

"Es war die leichteste 65, die ich je gesehen habe", schwärmte Colin Montgomerie, seinerzeit einer der besten Spieler der Welt, nach Woods' Fabel-Runde: "Vom zweiten Loch an dachte ich 'Warte mal, hier passiert gerade etwas Außergewöhnliches'. Das ist Golf, wie es vorher noch keiner gesehen hat."

"Alles, was ich sagen will, ist: Es gibt keine Chance, dass Tiger dieses Turnier noch verliert. Keine Chance", sprach der Schotte am Samstagabend das aus, was sich alle verbliebenen Spieler ebenfalls dachten. Sie sollten Recht behalten.

"Die Sterblichen habe ich alle geschlagen"

Tiger Woods trumpfte auch am Schlusstag groß auf und brachte eine blitzsaubere 69 ins Clubhaus. Mit einem Gesamtergebnis von 18 Schlägen unter Par und einem Vorsprung von 12 Schlägen (beides Rekord) auf den zweitplatzierten Tom Kite beendete der Youngster sein erstes Masters als Profi. "Die Sterblichen habe ich alle geschlagen", fasste Kite danach treffend zusammen.

Tiger Woods schwang sich innerhalb von nur vier Tagen zu einem "Unsterblichen" auf. Dass er dabei auch eine gesellschaftliche Barriere durchbrach und sich als erster Afro-Amerikaner das Grüne Jackett überstreifen durfte, verlieh seinem Triumph eine weitere historische Note. "Grün und Schwarz passen ganz gut zusammen", konterte Woods anschließend einen Satz des Augusta-Mit-Begründers Clifford Roberts. Dieser hatte einst gesagt: "Solange ich lebe, werden Golfer weiß und Caddies schwarz sein." Woods belehrte ihn und die gesamte Welt eines Besseren.