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Heute vor 14 Jahren

Damals: Das Comeback von Gentleman Henry Maske

31.03.2021 17:24
Henry Maske revanchiert sich 2007 für seine bittere Schmach von 1996 gegen Virgil Hill
© unknown
Henry Maske revanchiert sich 2007 für seine bittere Schmach von 1996 gegen Virgil Hill

Große Rehabilitation oder ewige Schmach: Diese beiden Optionen hatte Henry Maske, als er am 31. März 2007 nach zehn Jahren Box-Pause wieder in den Ring stieg. Das zweite Duell mit Virgil Hill wurde zum Triumphzug für den "Gentleman".

"So kann man aufhören! So können wir aufhören", schreit sich Maske die Erleichterung nach dem Kampf von der Seele und fällt seinem Trainer Manfred Wolke in die Arme.

12.000 Besucher in der Münchner Olympiahalle und 16 Millionen Fernsehzuschauer können mitverfolgen, wie eine tonnenschwere Last von dem Rechtsausleger abfällt.

Maske hat soeben einen eindeutigen Punktsieg gegen seinen ärgsten Widersacher Virgill Hill eingefahren. Einer der größten deutschen Box-Legenden ist die Revanche somit geglückt.

Ewiger Makel nach der Niederlage?

Das letzte Duell der beiden Kontrahenten war zu diesem Zeitpunkt schon über zehn Jahre her. Maske beschloss damals auf dem Höhepunkt seiner erfolgreichen Karriere, einen Schlusspunkt zu setzen.

Nach dem Motto "Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist" kündigte er seinen Abschied für Ende November 1996 an. Maske, der wegen seines kultivierten Stils im und neben dem Ring "Gentleman" genannt wurde, hatte bis dahin jeden seiner 30 Profi-Kämpfe gewonnen. Ein großer Champion wollte die Box-Bühne verlassen - nach einem letzten Kampf gegen Hill.

Entgegen aller Hoffnungen und Erwartungen verlor Maske den unsauberen Kampf nach Punkten. Nicht nur er vergoß Tränen. Mit ihm weinten auch viele seiner Fans, die ihrem Idol einen schöneren Abgang gewünscht hatten. Maskes blütenweiße Weste bekam einen Fleck ab. Keinen großen, aber einen, der fortan für immer sichtbar war.

Der Gentleman schlägt zurück

Im August 2006 geschah dann die große Überraschung: Der Gentleman kündigte den Rücktritt vom Rücktritt an. Der zu diesem Zeitpunkt bereits 43 Jahre alte Star wollte noch einmal in den Ring steigen - für einen allerletzten Kampf. Seinen Gegner hatte er sich wohlweislich ausgesucht: Virgil Hill.

Eigenen Angaben zufolge ging es dem Ex-Champion nicht darum, Rache zu nehmen oder seinen Makel zu beseitigen. "Meine Niederlage von 1996 gegen Virgil Hill wollte und konnte ich nicht korrigieren. Aber ich dachte mir, wenn ich den amtierenden Weltmeister von 2006, eben diesen Virgil Hill, schlagen würde, das wäre doch eine verdammt geile Nummer. Das war meine Motivation, nicht mehr und nicht weniger", erklärte Maske später gegenüber dem "MDR" seine Beweggründe.

Ernsthafter Kampf trotz geringer Bedeutung

Sportlich ging es in diesem Kampf um nicht viel, denn Hill setzte seinen Weltmeistertitel der WBA nicht ein. Dennoch gingen beide Kontrahenten angesichts ihrer gemeinsamen Geschichte mit großer Ernsthaftigkeit zur Sache.

Die Anfangsphase des Duells gestaltete sich ausgeglichen. Maske erarbeitete sich jedoch von Runde zu Runde leichte Vorteile.

Gegen Mitte des Kampfes führte er bereits eindeutig. Einen Aufreger gab es im achten Durchgang, als Hill und Maske mit dem Kopf zusammenrasselten. Für den Herausforderer gab es einen Punktabzug.

Seinen Triumph gefährdete dieser allerdings nicht mehr. Alle drei Punktrichter stimmten für Maskes Sieg (117:110, 116:113, 117:110).

"Habe viele animiert, sich selbst zu hinterfragen"

Maske bewies mit diesem Triumph nicht nur sich selbst, dass etwas schier Unmögliches schaffbar ist.

In der "Welt" erklärte er später: "Ich glaube, ich habe viele animiert, sich selbst zu hinterfragen, warum sie Träume und Wünsche nicht gelebt haben. Und ihnen gezeigt, dass sie es sich zutrauen können."

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