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"I'm back": Michael Jordans legendäres NBA-Comeback

18.03.2019 14:51
Michael Jordan kehrte 1995 auf den Basketball-Court zurück
Michael Jordan kehrte 1995 auf den Basketball-Court zurück

Am 18. März 1995 veröffentlichte NBA-Legende Michael Jordan die vielleicht legendärste Pressemitteilung der Sportgeschichte. Das Statement des zuvor zurückgetretenen besten Basketballers aller Zeiten enthielt nur drei einfache Worte: "I'm back."

An diesem Tag erfuhr die Sportwelt, was hinter den Kulissen knapp zwei Wochen zuvor Gestalt angenommen hatte: Michael Jordan, ein nationaler Held, eine weltweite Legende und der unumstritten größte Basketballer in der Geschichte, bestätigte auf einer Pressekonferenz seine Rückkehr zu den Chicago Bulls. Ein Moment, der sich vielen bis heute ins Gedächtnis eingebrannt hat.

Rund eineinhalb Jahre zuvor, am 6. Oktober 1993, entschied sich der zu diesem Zeitpunkt dreifache NBA-Champion, der Liga und dem Basketball den Rücken zuzukehren.

Statt auf Körbejagd zu gehen, wolle er lieber eine Karriere als Baseball-Profi verfolgen, sagte Jordan. Ganz so wie es sein wenige Monate zuvor ermordeter Vater James immer gewollt hatte. Und die Chancen für MJ standen nicht schlecht.

Jordan sucht nach neuer Herausforderung

Nach fast einem Jahr in der Minor League stand Jordan bei den Chicago White Sox tatsächlich vor dem Sprung in den Kader. Ein Streik ließ die Tür zur MLB jedoch wieder zufallen.

Die Teilnahme am Trainingscamp war nur bereits verpflichteten Spielern gestattet - ein Kriterium, das Jordan nicht erfüllte. In der Folge suchte der damals 30-Jährige nach einer neuen sportlichen Herausforderung. Er fand sie in seiner eigenen Vergangenheit.

Aus zunächst sporadischen Besuchen des Bulls-Trainingscenter wurden tägliche. Damaligen Spielern aus der Windy City war schnell klar: Es bahnt sich ein Comeback an.

"Ich habe es gehofft", gestand Bulls-Headcoach Phil Jackson zum Zeitpunkt der Rückkehr. Daran geglaubt, dass es Wirklichkeit werden könne, habe er aber nie. Auch nicht als Jordan bei seinem Rücktritt ein kleines "Sag niemals nie"-Fenster offen ließ.

Spätestens als sich die Besuche beim Training häuften, dämmerte den Spielern aber, dass MJ bald wieder auf das Parkett zurückkehren könnte. "Man hat nicht lange gebraucht, um zu erkennen, wie ernst es ihm mit der Rückkehr war", berichtete später Scottie Pippen, Jordans kongenialer Nebenmann.

Dass der dreimalige Meister die Hilfe des einstigen Franchise-Players gebrauchen konnte, stand außer Frage: Mit einer Bilanz von 34 Siegen und 31 Niederlagen waren die Bulls in der Saison 1994/95 vom Status eines Titelanwärters weit entfernt.

Experten sehen Jordan-Comeback skeptisch

Nach Jordans knapp 13-monatiger Abstinenz schlug dem vormaligen Rekord-Jäger Skepsis entgegen. Experten hielten es für fraglich, dass "His Airness" jemals an alte Leistungen anknüpfen könne. Nicht wenige prophezeiten, dass Jordan lediglich sein eigenes Denkmal beschmutzen würde.

Abwegig war das nicht: Der Superstar hatte seine ganze Physiognomie an den Baseball angepasst. Besonders im Oberkörper hatte er deutlich an Muskelmasse zugelegt. 

Um für das Comeback in Topform zu kommen, schuftete Jordan wie ein Besessener: Morgens arbeitete er in seinem Haus mit Fitness-Coach Tim Grover an Kraft und Kondition.

Dann ging es zum Teamtraining. Dort machte sich Jordans bloße Präsenz bemerkbar: Die Workouts wurden "härter, kämpferischer und gingen auch länger", verriet der damalige Bulls-Center Luc Longley. Im Anschluss legte der Comebacker individuelle Extraschichten ein, ehe abends Regeneration auf dem Programm stand.

Statement-Spiel gegen die Knicks

Jordans Rückkehr auf den Court wurde von Medien auf dem ganzen Globus begleitet. Sportlich geriet sein Comeback-Spiel aber zur Enttäuschung. Am 19. März 1995 unterlagen die Bulls auswärts bei den Indiana Pacers mit 96:103. Jordan wurde zwar von den gegnerischen Fans gefeiert. Doch für 19 Punkte brauchte der damals 32-Jährige satte 28 Wurfversuche.

Zehn Tage später waren die Bulls bei den New York Knicks zu Gast. Die Knicks-Defense hatte Chicago in den zurückliegenden zwei Jahren arge Probleme bereitet, das Team sich zum Erzrivalen der Bulls entwickelt.

Doch im Madison Square Garden hatte Jordan schon immer gerne gespielt. Sieben verschiedene Gegenspieler versuchten, den Rückkehrer zu verteidigen, sie alle wies er in die Schranken.

Der G.O.A.T. dominierte wie zu seinen besten Zeiten, von seiner Treffsicherheit hatte er nichts eingebüßt. Jordan erzielte unglaubliche 55 Punkte und gab zudem den Assist, der zum entscheidenden Korb seines Teams beim 113:111-Sieg führte.

Spätestens von da an war klar: Michael Jordan war zurück. 1996, 1997 und 1998 gewannen die Bulls auch dank ihm die Meisterschaft. Jordan selbst wurde zweimal zum MVP gewählt.

Simon Lürwer

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