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Lotte-Kapitän exklusiv: "BVB kein Bonusspiel"

14.03.2017 11:25
SFL-Kapitän Gerrit Nauber fiebert der Partie gegen den BVB entgegen
SFL-Kapitän Gerrit Nauber fiebert der Partie gegen den BVB entgegen

Endlich ist es soweit: Am Dienstagabend (18:30 Uhr im sport.de-Liveticker) treffen die Sportfreunde Lotte im DFB-Pokal auf Borussia Dortmund, nachdem der erste Versuch noch wegen Unbespielbarkeit des Platzes kurzfristig abgesagt werden musste. 

Im Gespräch mit sport.de erklärt Lotte-Kapitän Gerrit Nauber, wie der Underdog gegen den deutschen Vizemeister bestehen will, was er von der Verlegung der Partie ins benachbarte Osnabrück hält und wie er die kurzfristige Absage Ende Februar erlebt hat.

Lieber Herr Nauber, wo haben Sie vom Ausfall des Spiels gegen den BVB erfahren?

Gerrit Nauber: Wir waren schon umgezogen in der Kabine, alle waren bereit. Unser Torwart wollte gerade rausgehen, um sich warmzumachen. Er kam dann allerdings schnurstracks zurück und erklärte, dass das Spiel auf der Kippe steht und ausfallen könnte. Und nur gefühlt eine Minute später kam dann die offizielle Mitteilung, dass das Spiel wegen des Schneefalls ausfällt. Also unmittelbar, bevor wir auf den Platz gehen wollten.

Es kursierten ja verschiedene Bilder vom Platz in Lotte. Einige zeigten dicke Matschpfützen, aus anderen Winkeln sah der Boden ganz in Ordnung aus. Wie war Ihr Gefühl?

Ich spiele ja schon länger bei den Sportfreunden und ich habe auch schon auf schlechteren Plätzen in Lotte gespielt. Die Bilder, auf denen alles zertreten war, wurden dort aufgenommen, wo wir rauskommen, links und rechts hinter dem Tor. Aber diese Stellen waren nicht unmittelbar auf dem Platz.

Klar ist allerdings auch, dass der Untergrund nach dem Spiel ruiniert gewesen wäre, und auch, dass die Dortmunder Spieler so etwas nicht gewohnt sind. Und wir im gewissen Maße auch nicht. Wobei uns solche Plätze natürlich eher bekannt sind. Ich weiß, man kann über die Absage streiten. Schön wäre es für beide nicht gewesen, aber es war jetzt auch nicht so, dass man hätte gar nicht darauf spielen können.

Das heißt, Sie waren durchaus enttäuscht, dass die Partie nicht stattfinden konnte...

Ja, klar. Wir waren hochmotiviert und waren nur eine Minute davor, uns warmzumachen. Das heißt, wir waren total fokussiert und haben uns sehr auf das Spiel gefreut und haben dann erstmal einen kleinen Nackenschlag bekommen. Nun ist es endlich so weit und dann ist es auch gut, dass das Spiel endlich abgehakt ist, weil das vorherrschende Thema zuletzt immer nur 'Dortmund, Dortmund, Dortmund' war; dabei ist die Liga für uns noch wichtiger.

Haben Sie sich noch mit den BVB-Profis über die Umstände der Absage ausgetauscht?

Nein, gar nicht. Ich habe mich umgezogen und bin dann nach Hause gefahren. Letztendlich kann ich ja eh nichts beeinflussen, wenn ich da mitrede. Da müssen andere drüber entscheiden, ob gespielt werden kann oder nicht und von daher war das nicht meine Baustelle.

Obwohl Sie beschreiben, dass Sie auch froh sind, wenn das Thema endlich vorbei ist, hat sich ihr Team von all dem Stress nichts anmerken lassen und in der Liga weiter gut gepunktet. Das sollte doch eine gute Vorbereitung sein.

Das glaube ich auch. Es ist wie damals beim ersten Versuch: Wir sind gut vorbereitet, gut eingestellt. Dass es ein kleines Highlight ist, ist auch klar. Aber wir sehen die Partie gegen den BVB nicht als Bonusspiel. Wir wollen schon unsere kleine Chance wahren und nutzen. Es ergibt ja keinen Sinn, in das Spiel zu gehen mit dem Gedanken, dass wir drei Gegentore kriegen könnten. Wir spielen mutig und frech auf, wie man das im Pokal machen kann.

Sie müssen ja nun in Osnabrück spielen: Schauen Sie sich das Stadion vorher an? Wird dort ein Abschlusstraining stattfinden?

Nein. Es wird eher so sein, dass wir dort hinfahren und spielen. Das ist für uns gefühlt ein Auswärtsspiel, auch wenn es zehn Minuten Busfahrt sind. Wie genau der Ablauf ist, weiß ich noch nicht, aber in etwa so wird es kommen.

Sehen Sie das Stadion als Vorteil, weil der Rasen unter Umständen ein wenig besser ist als in Lotte oder als Nachteil, weil es eben nicht das heimische Wohnzimmer ist?

Ich hätte schon gerne bei uns gespielt. Ich denke, mittlerweile ist der Rasen bei uns auch wieder gut. Aber es gab ja etwas Druck, dass das Spiel nicht noch einmal ausfallen durfte. Außerdem wusste man nicht, wie das Wetter wird. Von daher beschäftige mich mich jetzt gar nicht mehr damit, wo wir genau spielen: Für mich zählt jetzt nur das DFB-Pokalspiel gegen Dortmund. Das ist das, was ich beeinflussen kann. Ob es nun hier oder dort ist, liegt nicht in meiner Hand und daher mache ich mir keine großen Gedanken.

Haben Sie das Hertha-Spiel am Wochenende geschaut? Die Berliner haben ja immerhin vorgemacht, wie man gegen Dortmund gewinnen kann...

Ich hab mal gehört, dass man jetzt Freistöße in die Torwartecke schießt (schmunzelt). Nein, Spaß beiseite. Einige haben das Spiel gesehen, ich habe es mir nicht angeguckt. Wir versuchen jetzt einfach eine gewisse Lockerheit zu bewahren. Aber der BVB hat eine ungemeine Qualität, das weiß natürlich jeder. Daher zählt für uns nur, dass wir Gas geben wollen, dass wir uns nicht verstecken wollen. Und mal gucken, was dabei rauskommt.

Wenn man ins Spiel geht und von Beginn an Angst hat, kann einem die Partie schon mal schnell aus den Händen gleiten. Und das wollen wir nicht. Wir wollen schon mutig, frech, zweikampfstark und aktiv auftreten, um uns mit unseren Mitteln wehren zu können.

Sie treten immer sehr selbstbewusst auf und schauen auf Ihre Leistung. Trotzdem: Stellen Sie sich explizit auf Gegner wie Pierre-Emerick Aubameyang ein?

Ich bereite mich gegen Dortmund so vor, wie auf andere Spiele auch. Klar weiß ich, dass Aubameyang stärker ist als andere Gegenspieler, aber ich freue mich drauf und habe Bock auf die Aufgabe. Ich hoffe auch, dass der BVB mit der stärksten Elf spielt. Und dass man sich auf diese Weise messen kann. Auf dieses Erlebnis im Viertelfinale gegen Dortmund mit einer starken Truppe von Lotte, die mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen ausgestattet ist, freue ich mich sehr: Das kann schon 'was werden.

ZUR PERSON: Gerrit Nauber ist 24 Jahre alt und spielt seit Sommer 2012 als Innenverteidiger bei den Sportfreunden Lotte. Er ist Kapitän der Mannschaft, die im letzten Jahr in die 3. Liga aufgestiegen ist. Dort spielt der Klub bislang eine starke Saison. Im DFB-Pokal besiegte das Team aus dem Tecklenburger Land in der 1. Runde den SV Werder Bremen, schlug danach Bayer Leverkusen und setzte sich zuletzt gegen 1860 München durch.

Das Gespräch führte Chris Rohdenburg

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