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"Achtung Germany": Der schlafende Rugby-Riese

12.03.2017 12:16
Die Nationalmannschaft ist das Vorzeigeteam des DRV
Die Nationalmannschaft ist das Vorzeigeteam des DRV

Die deutsche Nationalmannschaft kassiert in der WM-Qualifikation gegen Spanien den ersten Rückschlag. Der allgemeinen Aufbruchstimmung im Verband tut das jedoch keinen Abbruch.

Mit dreckverschmierten Gesicherten und hängenden Köpfen schleppten sich die deutschen Rugby-Kolosse nach der verlorenen Schlacht gegen Spanien vom Feld. Nachdem es für die deutsche 15er-Nationalmannschaft zuletzt rasant bergauf gegangen war, musste sie durch die 15:32-Niederlage im dritten Spiel der WM-Qualifikation in Köln den ersten Rückschlag seit geraumer Zeit verdauen. Der allgemeinen Aufbruchstimmung im deutschen Rugby-Sport tut die Pleite jedoch keinen Abbruch. Denn die Ambitionen sind gewaltig.

"Wir wollen die Teamsportart Nummer drei in Deutschland werden", sagt der Sportdirektor des Deutschen Rugby-Verbands (DRV), Manuel Wilhelm. Allerdings nicht ohne umgehend nachzuschieben, dass man sich für dieses zugegebenermaßen hehre Ziel "kein Zeitlimit" gesetzt habe. "Momentan ist es noch eine Vision", sagt Wilhelm: "Wir glauben aber, dass unsere Sportart definitiv das Potenzial dazu hat."

Eine keineswegs allzu gewagte These angesichts der immensen Bedeutung, die Rugby in vielen Teilen der Erde besitzt. Die alle vier Jahre ausgetragene Weltmeisterschaft ist gemessen am Zuschauerinteresse hinter Fußball-WM und Olympia die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt. Bei einem solchen Top-Ereignis dabei zu sein, so hofft man im DRV, könnte auch in Deutschland Initialzündung für einen großen Rugby-Boom sein.

Ausverkauftes Stadion in Köln

Gegen Spanien verfolgten am Samstag im ausverkauften Stadion des Fußball-Regionalligisten Viktoria Köln immerhin 6100 Zuschauer das wilde Spektakel - für deutsche Rugby-Verhältnisse eine durchaus beachtliche Kulisse. Das Bemühen, den Sport populärer zu machen, war dabei in allen Bereichen spürbar. So erklärte der Stadionsprecher den Laien immer wieder Feinheiten des komplexen Regelwerks, ein buntes Rahmenprogramm stellte den Sport auch abseits des Spielfelds vor, und die regelmäßigen Live-Übertragungen durch den TV-Sender Sport1 hatte der DRV selbst angeregt.

Dass all dies überhaupt möglich ist, hängt in erster Linie mit Hans-Peter Wild zusammen. Der schwerreiche Unternehmer aus Heidelberg ist leidenschaftlicher Rugby-Fan und förderte mithilfe der von ihm gegründeten Stiftung "Wild Rugby Academy" zunächst den Breitensport und seit 2014 auch gezielt den Leistungssport-Bereich des DRV. Dank der Unterstützung des Milliardärs konnte der Verband seine Strukturen professionalisieren und das Niveau seiner Nationalmannschaften rasant heben.

Deutsche Entwicklung im Ausland genau verfolgt

Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn die hünenhaften deutschen Rugby-Riesen mit dem Schriftzug von Wilds prominentester Marke "Capri-Sun" auf der Brust auflaufen. Oder wenn ein 113-Kilo-Koloss wie Vize-Kapitän Eric Marks bei der Pressekonferenz nach dem Spiel an einem der charakteristischen Trinkpäckchen nuckelt. Dass das großzügige Sponsoring allerdings sportlich Wirkung zeigt, ist unbestreitbar. Die erstmalige Qualifikation für die Endrunde 2019 in Japan ist auch nach dem Dämpfer gegen Spanien keineswegs unmöglich.

Im Ausland verfolgt man sehr genau, was da aus dem deutschen Rugby-Ei zu schlüpfen beginnt. "Achtung Germany", warnte jüngst die englische "Sunday Times" in einem großen Artikel über den Rugby-Aufschwung im Land des Fußball-Weltmeisters. Die Deutschen hätten, zitierte die Zeitung genüsslich das alte Touristen-Klischee, "ihre Handtücher schon mal auf dem Feld platziert". Lediglich körperlich müsse die Mannschaft noch etwas zulegen. Aber mit einer Diät aus "Bratwurst, Kartoffelbrei und Saumagen" müsse das doch eigentlich ein Leichtes sein.

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