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Schempp: "Medaillenchancen gibt's in jedem Rennen"

06.02.2017 09:15
Simon Schempp will seine ersten Einzelmedaillen bei Weltmeisterschaften gewinnen
© imago sportfotodienst
Simon Schempp will seine ersten Einzelmedaillen bei Weltmeisterschaften gewinnen

Deutschlands Top-Biathlet Simon Schempp geht mit großen Ambitionen das Unternehmen Weltmeisterschaft in Hochfilzen an. Im exklusiven sport.de-Interview sprach er über seine Ziele und Erwartungen an die Titelkämpfe.

Der 28-Jährige will endlich seine ersten Einzelmedaillen erringen, nachdem es bisher unter anderem zu zwei Goldmedaillen in der Staffel reichte. Mit sport.de sprach Schempp außerdem über die WM-Vorbereitung, die Ausgangslage im Gesamtweltcup und den Biathlon-Dominator Martin Fourcade.

Herr Schempp, am kommenden Donnerstag starten die Weltmeisterschaften in Hochfilzen in Österreich. Welche Schwerpunkte wurden in der letzten Vorbereitungsphase noch gesetzt?

Simon Schempp: Nach dem letzten Weltcupwochenende in Antholz waren wir noch einige Tage zum Training in Ruhpolding. Danach waren wir mit der ganzen Mannschaft in Obertilliach und haben uns dort auf Hochfilzen vorbereitet.

Was waren für Sie in der letzten Vorbereitungsphase noch die wichtigsten Trainingsinhalte?

Jeder setzt sich in den letzten Tagen andere Schwerpunkte, um bei der WM dann das Optimum aus sich herauszuholen und zu 100 Prozent fit an den Start gehen zu können. Ich war zuletzt sehr lange unterwegs und habe so viel am läuferischen Umfang gearbeitet. Die letzten Tage werde ich dann in höheren Intensitäten laufen und am Umfang ein bisschen wegnehmen.

Was macht Ihr Gesundheitszustand? Gab es zuletzt Probleme oder gehen Sie topfit an den Start?

Ich bin zuletzt gut durchgekommen und fühle mich auch stabil – toi, toi, toi, dass das so bleibt.

Blicken wir auf die WM-Tage in Hochfilzen. Wie sehr liegt Ihnen die Strecke in Tirol mit den Erfahrungen aus den letztjährigen Weltcuprennen?

Es ist eine Strecke, die mir wirklich gut liegt. In den letzten Jahren waren auch die Ergebnisse in Hochfilzen immer sehr erfreulich, sodass ich sehr gerne da drüben laufe. Auch wegen der Kulisse - es ist schon ein tolles Stadion. Die Stimmung wird wahrscheinlich noch einmal besser sein als zuletzt bei den Heimweltcups in Oberhof und Ruhpolding oder in Antholz. Vielleicht werden ja sogar mehr deutsche als österreichische Fans dabei sein. Wir sind aber ganz gut darauf eingestellt.

Bei acht Ihrer letzten neun Starts sind Sie bei den Weltcup-Rennen in die Top Ten gelaufen. Sind Sie nun auch reif für die Medaillenränge bei der WM? Wie schätzen Sie Ihr eigenes Potenzial ein?

Die Leistungen im Januar waren sehr stabil und läuferisch war ich in einer sehr guten Verfassung. Die Ausreißer nach unten haben zuletzt gefehlt, die Konstanz in den Rennen passte. Für die Platzierungen ganz vorne hatte ich oftmals noch den einen Fehler zu viel drin. Ich hoffe, dass ich den bei der WM abstellen kann und den für mich perfekten Tag erwische.

Wie sicher fühlen Sie sich allgemein derzeit am Schießstand? Auch im Hinblick auf Ihre letzten Ergebnisse.

Bei mir war eigentlich immer das Liegendschießen der schwächere Anschlag. Das hat in letzter Zeit aber super geklappt, so sicher war ich in meiner Karriere noch nie. Im Stehendschießen, was sonst meine Stärke war, habe ich aber einige Male Federn gelassen. Das waren keine totalen Aussetzer, aber es war immer wieder ein Fehler dabei, den ich mir sonst gespart hatte. Ich hatte dabei Probleme mit meiner Beinstellung gehabt. Ich hoffe aber, dass ich das jetzt wieder ganz gut in den Griff bekommen habe.

Bei den Weltmeisterschaften in den letzten Jahren haben Sie Ihre größten Erfolge mit zwei Goldmedaillen in den verschiedenen Staffelrennen gefeiert. Wie groß ist die Sehnsucht, endlich auch in den Einzeldisziplinen WM-Edelmetall nach Hause zu bringen?

Es wäre sehr schön, wenn es endlich mal klappen würde. Ich war in meiner Karriere schon sehr häufig auf dem Podium. Ich hoffe, dass ich so einen Tag endlich auch mal in einem WM-Rennen hinlegen und unter die ersten Drei laufen kann. Die Konkurrenz ist allerdings auch dieses Mal wieder riesengroß. Jeder bereitet sich bestmöglich auf eine WM vor, es ist für alle von uns das Saisonhighlight. Deshalb wird es definitiv nicht leicht. Man kann natürlich nichts übers Knie brechen, aber ich bin denke ich ganz gut vorbereitet.

In welcher Disziplin rechnen Sie sich denn Ihre größten Medaillenchancen aus?

Ich denke, dass in jedem Rennen die Chancen ganz gut stehen. Biathlon ist grob gesehen ganz einfach: Man muss schnell laufen und die Scheiben treffen! Darum geht es in jeder Disziplin. Ich bin auch nicht auf eine Disziplin spezialisiert, von daher gibt es die Chance in jedem Rennen.

Der große Dominator Martin Fourcade scheint aber in diesem Jahr vor allem im Sprint und in der Verfolgung nicht zu schlagen zu sein...

Ok, bei mir lief es von den Ergebnissen gesehen im Massenstart in dieser Saison am besten. Letzte Saison war es der Sprint. Wie gesagt: Ich sollte mich nicht auf ein spezielles Highlight fokussieren und nur da meine Chancen sehen.

Ist auch ein Start in der Mixed-Staffel denkbar? Dieser Wettbewerb eröffnet die WM am 9. Februar.

Wir haben mit den Trainern noch keine Gespräche darüber gehabt, wie die Staffeln besetzt sind. Von daher kann ich dazu noch nichts Genaues sagen. Eigentlich ist es aber schon ein guter Einstieg. Es ist auch möglich, dass man alle Rennen laufen kann, ohne dass man sich in den Keller läuft und am Schluss nichts mehr geht. Das Programm lässt auf jeden Fall zu, dass man alles läuft. Ich sehe die Mixed-Staffel für mich schon als guten Auftakt und es ist ja auch die erste Medaillenchance.

Richten wir den Blick auf Ihr Team. Neben Ihnen werden bei den Männern Benedikt Doll, Florian Graf, Erik Lesser und Arnd Peiffer an den Start gehen. Wie schätzen Sie die DSV-Mannschaft ein und was trauen Sie ihr zu?

Schon sehr viel. Wenn wir uns einfach die Weltcupplatzierungen von den anderen Jungs anschauen, wird klar: Wir sind vorne mit dabei. So stark aufgestellt waren wir in den letzten Jahren nicht. Vor allem die Konstanz ist in diesem Jahr bei uns besser geworden.

Welche Rolle spielt derzeit der Gesamtweltcup für Sie, in dem Sie hinter Martin Fourcade und Anton Shipulin auf dem dritten Rang liegen? Zumindest der zweite Platz könnte realistisch gesehen noch erreicht werden.

Der zweite Platz hinter Fourcade ist ein noch machbares Ziel. Natürlich will ich immer versuchen, für mich optimale Ergebnisse zu erzielen.

Der erste Platz ist quasi fest an Martin Fourcade vergeben: Wie nehmen Sie den großen Dominator des Biathlons in dieser Saison wahr? Gibt es ein Erfolgsrezept, wie er bei der WM in Hochfilzen doch geschlagen werden könnte?

Beim Blick auf die Statistiken wird deutlich, dass es eigentlich noch nie einen besseren Biathleten als Martin Fourcade gegeben hat. Die Konstanz, die er jede Woche an den Tag legt, ist unglaublich. Ich bin auch der Meinung, dass er im Vergleich zum Vorjahr noch einmal eine Schippe draufgelegt hat. Alle jagen ihn, aber er kriegt es immer wieder hin, dass er sein Niveau beibehält. Es gab noch keinen besseren, aber auch er ist nicht unschlagbar!

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Fourcade? Sie haben sich auch in dieser Saison schon wieder tolle Duelle in der Loipe geliefert.

Das Verhältnis ist sehr gut. Wir verstehen uns neben dem Sport sehr gut. In den Rennen kämpft natürlich jeder für sich, aber danach ist der Umgang sehr respektvoll und angenehm.

Bei den Europameisterschaften vor einer Woche haben sowohl bei den Männern als auch bei den Damen russische Athleten gewonnen, die bereits als überführte Dopingsünder gesperrt waren. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Es entsprach nun mal den Regeln. Die beiden, die Sie angesprochen haben (Alexander Loginov bei den Herren sowie Irina Starych bei den Damen, Anm. d. Red.), sind gesperrt gewesen, haben ihre zwei Jahre Sperre abgesessen und sind dadurch wieder startberechtigt. So ist das Regelwerk halt.

Inwieweit ist die zuletzt immer wieder aufkommende Dopingproblematik, vor allem in Bezug auf das russische Team, auch Thema unter Ihnen Athleten selbst?

Von Athletenseite kam ja bereits die Forderung, dass in einzelnen Fällen härtere Strafen verhängt werden können. Wenn mehrere Fälle in einem Team auftreten, soll außerdem auch die Startplatzquote eines Teams reduziert werden. Das wären wichtige Schritte und ist glaube ich auch die allgemeine Meinung aller Athleten.

ZUR PERSON: Simon Schempp startet als Dritter der laufenden Weltcupsaison in die Biathlon-WM von Hochfilzen. Der 28-jährige Uhinger hat in seiner Karriere bisher 15 Weltcupsiege eingefahren, davon elf Siege in Einzeldisziplinen. Die größten Erfolge seiner Laufbahn sicherte sich Schempp aber als deutscher Schlussläufer in der Staffel. Im DSV-Quartett wurde Schempp 2010 und 2015 Weltmeister, außerdem gewann er mit der Mannschaft 2014 Olympia-Silber in Sotschi.

Das Interview führte Mats-Yannick Roth