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Bundesliga

Brinkmann: "Kloppo schrie 'Halt die Fresse!'"

17.01.2017 08:16
Ansgar Brinkmann über China, Uli Hoeneß und Jürgen Klopp
© imago sportfotodienst
Ansgar Brinkmann über China, Uli Hoeneß und Jürgen Klopp

Ansgar Brinkmann galt als das Enfant terrible des deutschen Fußballs. Kaum einer kennt das Profigeschäft so gut wie der "weiße Brasilianer". Im exklusiven sport.de-Interview spricht der 47-Jährige über Verlockungen aus China, warum Uli Hoeneß nicht mehr ernst genommen wird und wie es ist, mit Jürgen Klopp zusammenzuarbeiten.

Herr Brinkmann, Sie arbeiten aktuell unter anderem als Spielerberater. Wie stressig ist die Januar-Transferperiode für Sie?

Ansgar Brinkmann: Als Spielerberater würde ich mich nicht bezeichnen. Ich mache immer das, worauf ich gerade Bock habe. Aber natürlich: Ich arbeite im Fußball, auch für Vereine, Trainer und Spieler. Der Stressfaktor ergibt sich dabei immer aus der jeweiligen Situation eines Spielers. Wenn man gute Leistungen bringt, weckt das natürlich Begehrlichkeiten, das ist angenehm. Wenn ein Verein dich als Spieler aber loswerden will und du dir dann einen neuen Verein suchen musst – das ist schon stressig.

China wirbelt den internationalen Spielermarkt momentan kräftig durcheinander. Der neue Gladbach-Trainer Dieter Hecking hat Spieler kritisiert, die wegen des Geldes nach Fernost wechseln. Wie sehen Sie das Thema?

Die chinesischen Klubs "bedrohen" die Top-Spieler ja fast schon mit dem ganzen Geld. Sie wollen jetzt ihre Liga mit großen Namen aufwerten, aber wenn man die Vergangenheit beobachtet hat, dann hat keiner der Top-Stars seinen Vertrag erfüllt, die wollen alle frühzeitig zurück. Der chinesische Verband wäre gut beraten, zunächst einmal Strukturen zu schaffen, damit das Land als Standort attraktiver wird. Der Ist-Zustand ist katastrophal.

Als Spieler sind Sie selbst viel herumgekommen. Wäre ein Wechsel in ein Land wie China für Sie damals eine Option gewesen?

Ich hatte sogar zwei Angebote aus China damals, habe mich aber beide Male dagegen entschieden. Man muss sich bei einem Wechsel dorthin einfach über die Mentalität und das Land im Klaren sein. Bei jedem Auswärtsspiel sitzt man erst einmal sechs Stunden im Flugzeug, dann drei Stunden im Zug und nochmal zwei Stunden im Bus und das Ganze dann nochmal zurück, nur um Fußball zu spielen. Da muss man schon richtig Schmerzensgeld bekommen, um das auszuhalten. Viele Top-Stars sollten das aber eigentlich nicht mehr nötig haben, da gibt es auch andere Optionen.

Mit RB Leipzig gibt es in Deutschland ebenfalls eine neue finanzielle Supermacht. Wie stehen Sie als Publikumsliebling vieler Traditionsklubs zu dem Projekt?

Natürlich sind wir alle Nostalgiker und würden am liebsten sehen, dass von 25 Spielern 20 im Umkreis geboren sind. Das funktioniert aber nicht. Wenn es ein bisschen spannend bleiben soll in der Bundesliga, dann muss die 50+1-Regelung fallen. Trotzdem müsste abgesichert sein, dass nicht irgendein Scheich kommt und einen ganzen Verein von heute auf morgen auf links dreht. Wenn aber jemand wie Mateschitz mit dem RB Leipzig um die Ecke kommt, ist das leider legitim. Das halte ich zwar auch nicht für optimal, aber ohne größere Sponsoren geht es heute leider nicht mehr.

Werden die Leipziger den BVB als ersten Bayern-Jäger ablösen? 

Zunächst einmal muss man RB Leipzig lassen, dass sie aktuell einen überragenden Fußball zeigen und deshalb völlig zu Recht ganz vorne mit dabei sind. Natürlich haben sie für einen Aufsteiger viel Geld ausgegeben, aber das ist auch mit Sinn und Verstand passiert. Sie haben ja nicht bei Robben, Alaba und Lewandowski angeklopft. Für die aktuelle Entwicklung muss man dem RB Leipzig also definitiv Respekt zollen. Aber ob sie auch auf lange Sicht am BVB vorbeiziehen können wird sich erst noch zeigen.

Borussia Dortmund überwintert derweil auf einem enttäuschenden sechsten Platz. Was ist in dieser Saison noch drin für das Team von Thomas Tuchel?

Diese spannende Mannschaft kann einen Lauf bekommen und zehn Spiele hintereinander gewinnen, die Qualität dafür ist auf jeden Fall da. An einem guten Tag spielen Talente wie Dembélé oder Mor alles in Grund und Boden, auch Real Madrid. Was diesen jungen Wilden aber natürlich noch fehlt, ist die Konstanz. Der FC Bayern gewinnt auch an einem Scheiß-Tag gegen überragende Freiburger mit 1:0, weil Lahm und Müller eben clever sind und die Erfahrung haben. Logischerweise kann so ein unerfahrenes Team wie der BVB auch zwischendurch schwanken, das ist völlig normal. Es ist nach oben auf jeden Fall noch alles drin für Dortmund.

Bei den Bayern hat sich Ende 2016 auch etwas zukunftsweisendes getan. Uli Hoeneß ist zurück und es scheint als wäre er nie weg gewesen. Sind Typen wie Hoeneß gut für die Liga?

Hoeneß ist zurück und hat auch direkt wieder etwas zu sagen, gegen Dortmund, gegen Leipzig, aber die "Abteilung Attacke" war in den Achtzigern schon mal wirkungsvoller. (lacht) Ich glaube, dass Hoeneß nicht mehr ganz so ernst genommen wird. Was er geleistet hat beim FC Bayern ist aber natürlich nach wie vor wahnsinnig eindrucksvoll.

Auch der alte Bundesliga-Hase Heribert Bruchhagen ist wieder im Geschäft. Sie kennen den langjährigen Eintracht-Chef aus Ihrer Zeit in Frankfurt gut. Kann er das Ruder beim HSV rumreißen?

Wenn man den Hamburger SV in den letzten fünf, sechs Jahren beobachtet hat, dann muss man kein Experte sein um zu sagen: Das war atemberaubend - atemberaubend schlecht! Es gibt nur ganz wenige in Deutschland, die den HSV wieder auf Kurs bringen können, aber Heribert Bruchhagen ist sicher einer davon. Er ist ein starker Charakter, der schon ein bisschen was erlebt hat. Beim HSV kann jetzt sicher nicht mehr jeder machen was er will, Bruchhagen wird Ordnung in den Verein bringen.

In Mainz haben Sie Jürgen Klopp kennengelernt, Sie beide waren sogar Zimmergenossen. Wie war es, mit dem heutigen Liverpool-Coach in einem Team zu spielen?

Kloppo ist privat ein sehr sozialer, aber auch ein sehr emotionaler Typ. Kein Gegenspieler hat mich mehr beschimpft als mein eigener Mitspieler Jürgen Klopp. "Komm zurück! Halt die Fresse! Geh drauf! Halt's Maul!" - Vor ihm zu spielen war die Hölle! (lacht) Er war aber auch immer schon ein Kämpfer. Emotional kann er nicht nur eine Mannschaft anzünden, Jürgen ist auch in der Lage eine ganze Stadt anzuzünden. Das wurde ihm in die Wiege gelegt, das kann man auch nicht lernen. Und dazu kommt sein Fachwissen: Wenn er alles, was er über den Fussball weiß, herunterbeten würde, dann wäre die ganze Mannschaft überfordert und der Präsident und ich gleich mit. Kloppo weiß immer genau, was eine Mannschaft braucht und das ist entscheidend.

Trauen Sie Klopp mit dem LFC den Titelgewinn in der Premier League zu?

Liverpool ist eigentlich auf allen Positionen noch nicht wirklich meisterlich, aber sie gleichen eben auch viel über ihre Einstellung und den unbedingten Siegeswillen aus. Wenn vorne ein, zwei andere Teams noch schwächeln, dann kann der große Wurf auch in diesem Jahr schon gelingen. Klopp ist auf jeden Fall dabei, Liverpool auf Kurs zu bringen.

Ein weiterer ehemaliger Mitspieler von Ihnen steht derzeit stark in der Kritik. Schafft Roger Schmidt es bei Bayer 04 Leverkusen noch einmal das Ruder herumzureißen?

Roger Schmidt war mein Kapitän beim SC Verl und er war ein überragender Spieler. Ein Stratege und ein ganz intelligenter Mensch, der den Fussball lesen kann. Bei Bayer Leverkusen macht Roger einen super Job, auch wenn zuletzt natürlich nicht alles optimal gelaufen ist. Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass er die Werkself wieder auf Kurs bringt und dort noch lange Erfolg hat.

Auch seine emotionalen Ausbrüche wurden in der Hinrunde viel diskutiert.

Er steht auf seinem Posten unter so einem wahnsinnigen Druck, da sind seine Reaktionen doch absolut normal und menschlich. Roger Schmidt hat schon als Spieler bewiesen, dass er zwar emotional ist, aber auch in Stresssituationen absolut bedacht bleiben und die Ruhe bewahren kann.

Schmidts Leverkusener, aber auch Schalke, Wolfsburg oder Gladbach enttäuschten in der Hinrunde. Dafür spielten Klubs wie Hertha, Frankfurt oder Köln groß auf. Wie geht es weiter?

Wenn gleich vier, fünf Top-Mannschaften schwächeln, dann können andere Klubs aus ihren Schatten springen. Vielleicht haben diese Teams nicht die Qualität, um sich am Ende im internationalen Geschäft zu halten, aber die Plätze, auf denen sie jetzt stehen, sind hart erarbeitet und dadurch absolut verdient. Sie müssen sich nicht dafür entschuldigen, dass andere in diesem Jahr nicht stark genug sind.

Freut Sie der Höhenflug Ihres Ex-Klubs Eintracht Frankfurt besonders?

Klar! Alle Beteiligten bei der Eintracht machen einfach einen wahnsinnig guten Job. Dafür muss man den Kovač-Brüdern und auch Fredi Bobic absolut Respekt zollen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wenn so gut gearbeitet wird, kann auch so etwas dabei herumkommen.

Arbeiten ist ein gutes Stichwort. Die Winterpause ist auch die Zeit der Trainingslager. Was passiert, wenn 25 Spieler eine Woche lang auf einem Haufen hängen?

Man trainiert viel und hat viele Termine, zum Lagerkoller kommt es da nicht. Eher wird viel gelacht. Wenn abends ein bisschen Freizeit ist, dann wollen alle ein bisschen Spaß haben. Es gibt immer auch ein paar Jungs, die ihre Grenzen gerne austesten. Man darf sich halt nur nicht erwischen lassen. Aber: Was in Vegas passiert, das bleibt auch in Vegas. (lacht)

Das Interview führte Benedikt Strickmann

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