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Rampenlicht: "Faule Sau" als Heilsbringer

16.11.2016 13:31
Hat wieder Grund zum Jubeln: Eren Derdiyok
© imago sportfotodienst
Hat wieder Grund zum Jubeln: Eren Derdiyok

Viele bekannte Gesichter spielen weitgehend unbeachtet von der deutschen Presse im Ausland. Heute blickt sport.de auf die vergangene Länderspielpause zurück: Zwei ehemalige Bundesliga-Flops führten ihre Teams zu wichtigen Siegen und ein einstiger Star musste vom Platz.

"Eren ist eine faule Sau!" Mit diesen Worten betitelte Trainer Markus Babbel seinen Ex-Schützling Eren Derdiyok im September. Während Babbel meckert, lässt der Schweizer seine Kritiker in diesen Wochen verstummen. Am Wochenende brachte der Stürmer mit seinem Tor zum 1:0 im Qualifikationsspiel gegen Faröer die Nati der Eidgenossen auf die Siegerstraße. Die Vorarbeit leistete der ehemalige Hamburger Valon Behrami. Das Spiel endete 2:0 - die Schweizer setzen ihre Erfolgsserie weiter fort: Vier Siege in vier Spielen, der allgemeine Fußballfan hätte das eher vom Gruppenkonkurrenten Portugal erwartet.

Selbst Ronaldo und Nani mussten sich gegen die Schweizer geschlagen geben. Hält die Serie an, können Derdiyok und Co. schon bald das Ticket nach Russland buchen und den Europameister in die Playoffs drängen. Den Ex-Leverkusener als Schweizer Hoffnung zu bezeichnen, wäre zwar vermessen, doch genießt der Torjäger in seiner Heimat derzeit ein hohes Standing. Durch die Verletzung von Schalkes Breel Embolo bekommt der 28-Jährige jetzt auch die nötige Spielzeit, um es seinen restlichen Kritikern noch einmal zu zeigen.

Erfolgreich am Bosporus

Auf Klubebene läuft es nach dem Enttäuschenden Intermezzo bei Hoffenheim für den einstigen Flop richtig Rund. Der Stürmer kickt im Augenblick in der türkischen SüperLig beim Hauptstadtklub Galatasaray. An der Seite von Lukas Podolski markierte der Rechtsfuß diese Saison bereits fünf Treffer in zehn Spielen. Eins ist offensichtlich: Nach langer Zeit kann Derdiyok endlich wieder lachen.

Frustbewältigung in der WM-Quali?

Grund zu jubeln, hat auch Artem Kravets. Der Ukrainer ist insbesondere den Stuttgart Fans noch ein Begriff. "Kravets ist genau der Spielertyp, den wir gesucht haben. Er kann gut den Ball halten, hat einen guten Körper, ist groß und kann gut mitspielen.", freute sich der damalige VfB-Coach Jürgen Kramny im Januar noch über die Neuverpflichtung. Beim 2:1 gegen den HSV schoss der Nationalspieler die Schwaben kurz vor Schluss zum Sieg. "Das Finish war großartig", zeigte sich sein Trainer zufrieden. Es sollte das letzte "Finish" sein. Kravets traf kein einziges Mal mehr und der VfB stieg in die zweite Bundesliga ab.

Enttäuscht zog der Stürmer im Sommer nach sechs Monaten von dannen und schloss sich dem spanischen Erstligisten Granada CF an. Auch in der Primera División verzeichnete der Mittelstürmer eher einen Stotterstart. 

Bei der Nationalmannschaft dagegen läuft es gut. Zur Überraschung zahlreicher Experten folgen die noch ungeschlagenen Ukrainer den Kroaten auf Platz zwei – vor Island und der Türkei. Einen großen Anteil daran hat auch der Ex-Schwabe. Nach einer Vorlage von Schalkes Evgen Konoplyanka netzte der Stürmer in der 24. Minute zum 1:0 gegen Finnland. In der WM-Qualifikation war es bereits sein zweiter Treffer – vielleicht spielt er sich so wieder in den Fokus einiger Bundesligisten? Deutsch kann der 27-Jährige. Damit glänzte er beim VfB deutlich mehr, als mit seinem Torinstinkt.

Hleb: Ein Schatten seiner selbst

Besser machte es bei den Stuttgartern ein anderer Osteuropäer: Aliaksandr Hleb. Über 160 Partien bestritt der Edeltechniker für die Schwaben. Beim VfB reifte der Weißrusse zum internationalen Topstar, ehe er auf die Insel zum Arsenal FC wechselte. Unter den Fittichen von Arsène Wenger erlebte der Nationalspieler die "besten Momente der Karriere", wie er in einem Interview im Oktober verriet. Von da an ging es nur noch bergab: Das folgende Engagement beim FC Barcelona endete enttäuschend, die Ausleihen nach England und Deutschland liefen nicht viel besser. Über Umwege in der Türkei landete der einstige Stuttgarter immer wieder bei seinem Herzensklub BATE Borisov, wo er auch zur Zeit unter Vertrag steht.

Allerdings nagt an ihm der Zahn der Zeit. Häufige Verletzungen werfen den 35-Jährigen ständig aus der Bahn, zuletzt ein Jochbeinbruch bis Ende September. Zwar steht der einstige Offensivkünstler mit BATE schon kurz vor Saisonende als Meister fest, doch ist sein persönlicher Anteil nur minimal: Kein Tor, keine Vorlage, lediglich sechs Einsätze stehen diese Saison zu Buche.

Auch in der Nationalmannschaft läuft es nicht Rund. In keinem der Gruppenspiele gelang Hleb ein Tor oder eine Vorlage. Nach zwei Unentschieden und zwei Niederlagen rückt eine WM-Teilnahme in weite Ferne. Am Wochenende fiel der Spielmacher nur negativ auf: Bei der 0:1-Niederlage gegen Bulgarien sah der Routinier kurz vor Schluss die Ampelkarte – eine untypische Szene für den sonst so ruhigen Mittelfeldakteur.
Ist es für den ehemaligen Arsenal-Star an der Zeit die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen? 

 

Fabian Benterbusch

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