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Bensusans Mission fast beendet

15.09.2016 11:31
Irmgard Bensusan will weiterhin in Deutschland bleiben
Irmgard Bensusan will weiterhin in Deutschland bleiben

Irmgard Bensusan kam extra nach Deutschland, um an den Paralympics teilnehmen zu können. Nun sind die Spiele bald vorbei.

Eigentlich ist ihre Mission fast vorbei. Wegen der Paralympics hat Irmgard Bensusan einst ihre südafrikanische Heimat verlassen. Nach Silber über 400 m und den 200 m wird die 25-Jährige am Samstag über 100 m noch einmal bei den Spielen in Rio starten. Und dann?

"Ich fliege nach Südafrika", sagt Bensusan: "Aber nur, um meine Eltern für eine Woche zu besuchen. Dann reise ich noch zwei Wochen durch Europa. Und dann komme ich zurück nach Deutschland. Und dort werde ich auf jeden Fall bleiben."

Vor drei Jahren war Bensusan aus Pretoria nach Leverkusen gekommen, ohne zu wissen, was sie erwartet. Ohne Deutsch sprechen zu können. Aber einem Traum folgend. Dem Traum von Rio. "Das war es wert", sagt sie heute. Und sie hat sich verliebt in Deutschland: "Nur das Wetter stört, ansonsten bin ich hier heimisch geworden. Mein Herz ist inzwischen in Deutschland."

Südafrikanischer Verband sträubt sich

Auch wenn das Land für sie bei der Ankunft vor drei Jahren so fremd war, hat sie doch einen großen Bezug dazu. Denn ihre Mutter ging einst den umgekehrten Weg. Geboren in Hannover, wanderte sie aus nach Südafrika. Bensusan hatte deshalb von Geburt an auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Doch sie fühlte sich immer nur als Südafrikanerin. Und sie war in ihrer Heimat eine durchaus beachtete Leichtathletin. Bis sie bei einer nationalen Meisterschaft an einer Hürde hängenblieb und stürzte. Ein Nerv wurde geschädigt, Bensusan hat seitdem einen sogenannten "drop foot".

Laufen wollte sie aber weiterhin. Doch der südafrikanische Verband weigerte sich, sie zu klassifizieren. Er sagte trotz ihres teilgelähmten Beins, sie sei nicht behindert. Also suchte die Mutter Kontakt zum deutschen Leichtathletik-Bundestrainer Willi Gernemann. Der vermittelte den Kontakt zu Bayer Leverkusen.

"Traum, der mich angetrieben hat"

Und sie wurde klassifiziert. "Dieselbe Dame wie damals in Südafrika sagte mir nun, ich sei behindert", sagt Bensusan. Sie zog nach Deutschland und konnte den Traum von den Paralympics in Angriff nehmen. "Drei Jahre lang war es der Traum, der mich angetrieben hat", sagt sie: "Und es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin."

Mit der Sprache hapert es noch, die Sprachstunden hat sie zuletzt wegen der Fokussierung auf den Sport auf Eis gelegt. In Interviews wechselt sie nach wenigen Sekunden ins Englische. Aber in der Leverkusener Trainingsgruppe mit den Staffel-Paralympicssiegern Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors sowie Heinrich Popow und Kugelstoßerin Franziska Liebhardt fühlt sie sich pudelwohl.

So wohl, dass sie auch nach dem Ende ihrer Mission dort bleiben wird.

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