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HSV-Rohdiamant träumt vom großen Durchbruch

07.09.2016 14:11
Luca Waldschmidt (rechts) kämpft in Hamburg um regelmäßige Startelf-Einsätze
Luca Waldschmidt (rechts) kämpft in Hamburg um regelmäßige Startelf-Einsätze

Durch die vielen neuen Stars im Volksparkstadion läuft ein Neuzugang unter dem Radar, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Aber Rohdiamant Luca Waldschmidt drängt auf einen Stammplatz. Der Stürmer im Porträt.

In diesem Sommer sicherte Milliardär Klaus-Michael Kühne dem Hamburger SV erneut Millionen für Neuzugänge zu. Der erste Transfer, den Trainer Bruno Labbadia mit diesem Geld tätigte, war Nachwuchstalent Luca Waldschmidt. Der 20-Jährige Offensivspieler kam für kolportierte 1,3 Millionen Euro von Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt.

"Wir freuen uns sehr, dass wir mit Luca einen jungen und vielversprechenden Spieler an den HSV binden konnten. Wir sind überzeugt, dass er bei uns den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen wird", erklärte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer.

Über die Stationen SSV Oranien Frohnhausen, SSC Juno Burg und TSG Wieseck führte der Weg des damals 14-Jährigen 2010 zur Frankfurter Eintracht. Dort durchlief der Linksfuß alle Juniorenteams und wurde regelmäßig zu den Jugendnationalmannschaften eingeladen. Im April 2014 erhielt der gebürtige Siegener seinen ersten Profivertrag, obwohl er damals noch für die U19 spielberechtigt war. Gemeinsam mit Marc Stendera und Marc-Oliver Kempf, seinen Teamkollegen aus der Nachwuchsabteilung, sollte er langfristig zum Fundament der "Adler"-Mannschaft aufgebaut werden.

Schwere Zeit am Main

Doch es kam alles anders als gedacht: In seiner ersten Sommervorbereitung mit den Profis zog sich Waldschmidt eine komplizierte Schambeinentzündung zu, die ihn insgesamt 233 Tage außer Gefecht setzte. So verpasste er die ersten 24 Saisonspiele und fand anschließend aufgrund des Trainingsrückstandes kaum in die Mannschaft.

Auch in der folgenden Saison konnte er sich unter Armin Veh nicht im Profi-Team etablieren, unter Nachfolger Niko Kovač pendelte die Nachwuchshoffnung nur zwischen Bank und Tribüne. Waldschmidts Vater Wolfgang, der früher zusammen mit Labbadia bei Darmstadt 98 kickte, drängte auf mehr Einsatzzeiten, ob in Frankfurt oder anderswo. Sein ehemaliger Mentor Alexander Schur konstatierte bereits damals: "Wenn Luca geht, wäre das dramatisch."

Neustart an der Elbe

Der gute Draht zwischen Vater Waldschmidt und Labbadia könnte dann auch ausschlaggebend für den Wechsel zum HSV gewesen sein. "Wir freuen uns, so einen talentierten, jungen Spieler für uns gewinnen zu können. Jetzt muss er aus dem Talent rauswachsen", forderte Labbadia zum Trainingsauftakt der neuen Saison.

Und Waldschmidt lieferte ab: Der Youngster kam in allen acht Vorbereitungsspielen zum Einsatz und konnte dabei fünf Treffer für sich verbuchen. In einer Mannschaft, die ihre erste Elf noch nicht gefunden hat, kommt ihm dabei gerade seine Flexibilität zu Gute: "Ich kann in der Offensive sowohl im Zentrum, als auch auf links und rechts spielen. Nur als Stoßstürmer sehe ich mich nicht wirklich. Dafür bin ich nicht der Typ. Dann eher als zweite Spitze oder spielender Stürmer."

In der Vorbereitung kam der flinke Stürmer häufig über außen. Dort pochen jedoch die Neuzugänge Filip Kostić, Alen Halilović und Bakery Jatta sowie Nicolai Müller, Aaron Hunt oder Michael Gregoritsch auf Einsatzzeiten. Die Rolle des Mittelstürmers hingegen ist noch keineswegs vergeben: Pierre-Michel Lasogga hat eine schwache Spielzeit für die Hamburger hinter sich, Bobby Wood muss sich ebenso wie Waldschmidt erst einmal in der Mannschaft etablieren. Auf der Suche nach Einsatzzeit könnte Hamburgs neue Nummer 15 also doch im Sturmzentrum fündig werden.

Vegan zum Stammplatz

Ein weiterer kleiner, medienwirksamer Erfolg ist ebenfalls in nicht unerreichbarer Ferne: Nach dem Abgang von Kult-Profi Marco Sailer könnte Waldschmidt seine Rolle als Vorzeige-Veganer der Liga übernehmen: "Seit ich meine Ernährung umgestellt habe, geht es mehr in die vegane Richtung. Milchprodukte lasse ich komplett weg, auch auf Fleisch verzichte ich weitestgehend. Ich mache viele Gerichte mit Quinoa, Reis und habe seither mehr Power."

Am ersten Spieltag mühte sich sein neuer Verein ohne ihn zu einem 1:1 gegen den FC Ingolstadt. Besonders Lasogga ließ nach seiner Einwechslung erneut viel vermissen. Waldschmidt könnte mir seiner Power und Unbekümmertheit der X-Faktor im Hanseaten-Angriff sein, auf den der HSV schon so lange wartet.

 

Sebastian Rotter

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