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Wolfermann: "Beobachte Röhler schon lange"

21.08.2016 13:06
Röhler Gold holt, Wolfermann wusste es schon beim Abwurf
© PIXATHLON/PIXATHLON/SID-IMAGES/
Röhler Gold holt, Wolfermann wusste es schon beim Abwurf

Bevor Thomas Röhler am Sonntag in Rio triumphierte, gewann Klaus Wolfermann als letzter Deutscher im Jahr 1972 die olympische Goldmedaille im Speerwurf. Im Interview spricht der heute 70-Jährige über die Parallelen zwischen den beiden Wettkämpfen, das damalige Duell gegen Janis Lusis und seinen Nachfolger.

Herr Wolfermann, es gibt nach 44 Jahren wieder einen deutschen Speerwurf-Olympiasieger. Haben Sie es verschlafen - oder haben Sie bangend vor dem Fernseher gesessen?

Natürlich war ich wach! Ich habe die ganze Nacht durchgeguckt. Es war kurz nach drei Uhr, es war wunderbar, ein absoluter Höhepunkt. Endlich wieder ein Olympiasieger! Nach 44 Jahren. Ich habe mich enorm gefreut für Thomas Röhler.

Haben Sie an seinen Sieg geglaubt? Zwei weitere Deutsche waren im Finale.

Einer musste es ja bringen. Ich beobachte Thomas Röhler schon lange. Er bringt sehr konstant gute Leistungen, das ergibt eine konstante und wertvolle Situation: Er hat die Motivation, das Selbstvertrauen. Er war für mich ein sicherer Medaillenkandidat. Er hat immer die 90 Meter bombardiert dieses Jahr.

Haben Sie auch die Parallelen zu Ihrem Wettkampf 1972 in München beobachtet?

Ja. Wie ich hat er im fünften Versuch voll draufgehauen, da habe ich meiner Frau Friederike vorher noch zugerufen: jetzt! Da hat er alles gezeigt, alle Energie in den Speer gebracht. Ich gratuliere von Herzen. Super, klasse. Er hat es verdient.

Haben Sie noch das Gefühl für einen guten Wurf, wenn der Athlet anläuft?

Absolut. Ich wusste schon beim Abwurf, dass das ein genialer Wurf wird! Da passte alles. Die Spannung, der Winkel, der Zug.

Sie haben sich damals ein Wahnsinnsduell mit Janis Lusis aus der Sowjetunion geliefert. Können Sie sich noch, beispielsweise, an ihren dritten Wurf erinnern?

Ich kenne heute noch jeden Wurf in allen Nuancen. Es war damals eine Wahnsinnsbrisanz. Wir hatten eine gute Taktik abgesprochen, mein Trainer und ich, jeder Wurf war ein Erlebnis, eine Taktiererei. Die Taktik war immer: Der erste Wurf muss sitzen. Lusis war so ein starker, großer Favorit. Der war für mich als Goldmedaillengewinner fix. Aber ich habe ihn geknackt.

Kennen Sie Thomas Röhler persönlich?

Nein, leider nicht. Sein Trainer hat mich mal eingeladen, aber das ist nichts geworden. Aber ich werde ihm mit Sicherheit persönlich gratulieren, und dann werden wir fachsimpeln. Ich bin schon dabei, seinen Kontakt in Jena rauszusuchen.

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