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David gegen Goliath: Wer scheitert im Pokal?

19.08.2016 11:47
Welche Überraschung hält der DFB-Pokal in diesem Jahr bereit?
© imago sportfotodienst
Welche Überraschung hält der DFB-Pokal in diesem Jahr bereit?

"Der Pokal und seine eigenen Gesetze" - das ist eine gern zitierte Binsenweiseheit im deutschen Fußball. Jedes Jahr scheitern "große" Mannschaften gegen die vermeintlich kleinen Zwerge aus der Fußballprovinz im DFB-Pokal. Ob Weisheit oder nicht: Auch in dieser Pokalrunde scheinen Überraschungen vorprogrammiert.

Nord-Derby als Kehrtwende?

Das war nichts, wenn Ewald Lienen ehrlich ist. Null Punkte aus den ersten beiden Spielen, ein mageres Törchen, Rank 18. Der Erfolgstrainer vom FC St. Pauli hatte sich den Ligastart bestimmt anders vorgestellt. "Wir wollen bestätigen, was wir letztes Jahr gezeigt haben, aber wir haben eine neue Mannschaft. Unser Ziel ist immer das gleiche: Besser werden", so der Übungsleiter noch vor der Saison. Nach dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig klang der Übungsleiter bereits ein wenig hilflos: "Wir waren von der ersten Minute an eindeutig unterlegen."

Im kleinen Nord-Derby beim VfB Lübeck müssen die Kiez-Kicker vor allem ihre schwerwiegenden Ballverluste im Aufbauspiel abstellen. Auf der Pressekonferenz vor dem Pokalfight weiß der Übungsleiter nämlich: "Für sie ist es das Spiel des Jahres". Der Regionalligist zeigte sich in den vergangenen Wochen indes in bestechender Form. Sieben aus möglichen neun Punkten, kein Gegentor - der Zweitligist wird sich im Flutlichtspiel sicherlich die Zähne ausbeißen. Einen Vorgeschmack bekam übrigens am vergangenen Sonntag die Zweitvertretung der Hamburger, die 0:1 gegen den VfB verlor...

VfB Lübeck – FC St. Pauli, am 19.08.2016

Zurück in die Spur?

Letztes Jahr noch im Achtelfinale, nun könnte für den 1. FC Nürnberg schon in Runde eins Schluss sein. Denn mit Viktoria Köln wartet ein richtig unangenehmer Gegner auf die Franken, schließlich war der Regionalligist im letzten Jahr für das frühe Aus von Union Berlin verantwortlich. Dabei zeigten sich die Schützlinge von Trainer Marco Antwerpen in den ersten vier Ligaspielen der Regionalliga West mit zwei Gesichtern. Vergeigte man den Saisonstart trotz Führungstreffer gegen den Wuppertaler SV und gegen Borussia Mönchengladbach II, kam die Viktoria zuletzt richtig gut in Fahrt. 2:0 im Derby gegen Fortuna Düsseldorf II und 4:0 bei Rot-Weiß Essen, die Clubberer sollten gewarnt sein. Vor allem vor Mittelfeldspieler Mike Wunderlich, der sich mit bisher vier Treffern in beschlagener Frühform zeigt.

Dass der Zweitligist am Rhein stolpern könnte, liegt auch an der eigenen Leistung in den ersten beiden Pflichtspielen. Den Start "haben wir uns ein Stück weit anders vorgestellt", meinte Andreas Bornemann, Sportvorstand des Clubs. Torwart-Routinier Schäfer fand sogar etwas deutlichere Worte: "Uns hat es ausgezeichnet, dass wir alles daran setzen, nichts zuzulassen. Dorthin müssen wir bei nahezu gleichem Personal und gleicher Spielidee schleunigst wieder kommen." Ob Schäfer und Co. schon gegen Köln zurück in der Spur kommen? Mike Wunderlich und die Viktoria sind zumindest heißt auf die Sensation.

Viktoria Köln – 1. FC Nürnberg, am 20.08.2016

Das Auf und Ab der Alten Dame

Es lief alles wie am Schnürchen für Pál Dárdai und die Hertha. Bis zum 27. Spieltag der letzten Saison. Dann ging die Luft im Endspurt aus - trotzdem schloss man die Saison letztlich sensationell auf Platz sieben ab. Euphorie an der Spree, Europa-League-Qualifikation gegen Brøndby IF, Hinspiel per Fallrückzieher gewonnen. Doch dann erneut der Einbruch: Teemu Pukki zerlegte die Berliner beim 3:1 im Rückspiel und ließ die Europapokal-Träume zerplatzen. Unruhe im Umfeld machte sich wieder breit, zuletzt tauschte der Trainer seinen Kapitän Fabian Lustenberger gegen Vedad Ibišević aus. Hertha BSC, schon vor dem ersten Ligaspiel in der Krise?

Grund genug für Jahn Regensburg, sich durchaus Chancen auszurechnen. Das Team von Ex-Borusse Heiko Herrlich grüßt nach vier Spielen ganz oben von der Tabelle der dritten Liga. Mit der besten Offensive weisen die Oberpfälzer eine perfekte Frühform auf. Trainer Herrlich ist deshalb zurzeit in bester Laune, wie sein Kommentar nach dem knappen Sieg bei Sonnenhof Großaspach am zweiten Spieltag zeigt, als der eingewechselte Sven Kopp in den letzten Minuten mit viel Einsatz die drei Punkte rettete: "Du hättest auch einen Bierkasten reinwerfen können, den hätte er auch noch rausgeköpft." Gut möglich, dass Heiko Herrlich mit Jahn Regensburg den ersten "großen" aus dem Wettbewerb köpft.

Jahn Regensburg – Hertha BSC, am 21.08.2016 ab 18:30 Uhr

Wenn sich Geschichte wiederholt

Der 09. August 2015 wird den Fans des Hamburger SV noch länger im Gedächtnis haften bleiben. Denn an jenem Sonntag unterlag der Bundesliga-Dino mit 2:3 nach Verlängerung gegen den Viertligisten Carl Zeiss Jena. Entsprechend verlief die erste Saisonhälfte der Hanseaten, der "große" HSV ist allem Anspruch zum Trotz wenn überhaupt nur Bundesliga-Mittelmaß. Kein Wunder, dass sich die Verantwortlichen den kommenden Gegner, den FSV Zwickau etwas genauer anschauen werden.

Gegen den Oberligisten Altona 93 sollte sich Labbadias Mannschaft kurz vor dem Pokalspiel eigentlich warm schießen, doch man kam mit Biegen und Brechen nur zu einem 3:2-Sieg. Sogleich ist von Mentalitäts-Problemen im prall gefüllten HSV-Kader in der Presse die Rede. Spieler würden nicht wie gewünscht an die Leistungsgrenze gehen. Labbadia formuliert es konkreter: "Am Montag in Zwickau erwartet und ein harter Kampf. Da müssen wir es definitiv besser machen." Ansonsten brennt sich schnell ein neues Datum in die Köpfe der HSV-Fans.

FSV Zwickau – Hamburger SV, am 22.08.2016 ab 18:30 Uhr