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"Kalter Krieg" im Schwimmen eskaliert

09.08.2016 15:35
Yuliya Efimova erhitzt in Rio die Gemüter
© getty, Adam Pretty
Yuliya Efimova erhitzt in Rio die Gemüter

Der "Kalte Krieg" zwischen Schwimmerinnen aus Russland und den USA eskalierte, und auch bei den Männern flogen verbale Giftpfeile hin und her. Die Medaillengewinne der überführten Dopingsünder Yuliya Efimova und Sun Yang haben eine Welle der Empörung ausgelöst, eine neue Stufe des Misstrauens ist erreicht. Superstar Michael Phelps sieht sogar seine Sportart in Gefahr.

"Es bricht mir das Herz, und ich wünsche mir, dass jemand etwas dagegen tut", sagte der Rekord-Olympiasieger: "Es zerstört alles, wofür der Sport steht - und das regt mich total auf." Die Doping-Problematik beschäftigt den Schwimmsport schon länger, doch spätestens seit den emotionalen Finals am Montagabend wirft das Thema einen Schatten über die Wettbewerbe von Rio.

Vor allem die Szenen rund um das Frauen-Finale über 100 m Brust werden noch lange in Erinnerung bleiben. Die frisch gekürte Olympiasiegerin Lilly King verweigerte bei der Siegerehrung die Gratulation der Russin Efimova, die trotz ihrer früheren Dopingsperre das Startrecht erhalten hatte und auf Platz zwei geschwommen war.

"Schön, dass wir eine andere Siegerin sehen"

Auch Kings Landsfrau Katie Meili, die Bronze gewann, würdigte Efimova im und außerhalb des Beckens keines Blickes. Das Publikum pfiff und buhte Weltmeisterin Efimova lautstark aus, und Bundestrainer Henning Lambertz freute sich: "Es ist schön, dass wir eine andere Siegerin sehen als die, die wir alle nicht sehen wollten."

Der Druck wurde für Efimova schließlich zu groß. Die Russin, die in Kalifornien lebt und trainiert, brach beim Gang durch die Interviewzone und in der Pressekonferenz immer wieder in Tränen aus. "Es ist enttäuschend, wenn sich die Politik in den Sport einmischt", sagte die 24-Jährige mit brüchiger Stime: "Für gewöhnlich hören alle Kriege bei Olympia auf, doch sie haben einen Weg gefunden, um Russland zu schlagen und die Athleten zu benutzen. Das ist so unfair."

Mutko: Efimova "ein gutes Mädchen"

Trost gab es aus der Heimat. Der umstrittene Sportminister Witali Mutko bezeichnete die Attacken gegenüber der Nachrichtenagentur "R-Sport" als "schreckliche Qual" und nannte Efimova "ein gutes Mädchen". Und bevor alle mit dem Finger auf Efimova und Sun zeigen: Von den sechs Weltrekorden an den ersten zwei Wettkampftagen ging keiner auf das Konto von Russland oder China.

King aber hatte ein klares Feindbild. "Mein Sieg war ein Sieg für den sauberen Sport", betonte die 19-Jährige eindeutig zweideutig. "King erledigte, wozu die Sportführer zu schwach waren. Sie hat Efimova weggeblasen", schrieb die "Los Angeles Times" nach dem "zugleich triumphalen und hässlichen Ende einer heiklen Geschichte". Efimova hatte sich ihr Startrecht über den internationalen Gerichtshof CAS eingeklagt.

"Sun Yang pinkelt lila"

Bei den Männern stand Sun Yang, der ebenso wie Efimova in der Vergangenheit des Dopings überführt worden war, im Kreuzfeuer der Kritik. Der australische 400-m-Freistil-Olympiasieger Mack Horton bezeichnete den Chinesen nur als "der Typ, der positiv getestet wurde". Der Franzose Camille Lacourt ätzte: "Sun Yang pinkelt lila. Wenn ich das 200m-Freistil-Podium sehe, will ich mich übergeben."

Über diese Distanz hatte Sun am späten Montagabend gerade seinen dritten Olympiasieg gefeiert. Der geschlagene Weltrekordler Paul Biedermann wollte den Chinesen nicht an den Pranger stellen: "Es ist nicht der Athlet, der daran schuld ist, sondern das System."