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Rio-Check: Gensheimer und sein Kindheitstraum

05.08.2016 09:30
Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer ist zum ersten Mal bei Olympia dabei
Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer ist zum ersten Mal bei Olympia dabei

Mit insgesamt 423 nominierten Athletinnen und Athleten tritt das Team des Deutschen Olympischen Sportbundes das Abenteuer Rio de Janeiro an. In 36 Sportarten kämpft Deutschlands Elite um Erfolg, Ehre und vor allem Edelmetall bei den XXXI. Olympischen Sommerspielen. 

sport.de stellt in der heißen Phase vor der Eröffnungsfeier zwei Wochen lang ambitionierte heimische "Rio-Reiser" vor. Teil 27 des sport.de-Athletenchecks mit Uwe Gensheimer und der deutschen Handball-Nationalmannschaft. 

  • Name: Uwe Gensheimer
  • Geburtstag: 26. Oktober 1986 (29 Jahre)
  • Wohnort: Paris, Mannheim
  • Olympische Disziplin: Handball
  • Olympischer Wettkampf in Rio: Vorrundenspiele gegen Schweden (7. August, 16:30 Uhr), Polen (9. August, 16:30 Uhr), Brasilien (11. August, 21:40 Uhr), Slowenien (13. August 14:30 Uhr) und Ägypten (15. August, 16:30 Uhr), K.o.-Runde ab dem 17. August (alle Zeiten in MESZ)
  • bisherige Olympia-Bilanz von Uwe Gensheimer: keine Teilnahme
  • weitere Karriereerfolge: EHF-Pokalspieger 2013, Deutscher Meister 2016, Deutschlands Handballer des Jahres 2011 bis 2014 (Auswahl)

Die Vorzeichen: "Wird ein riesiges Erlebnis"

Mit dem größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn im Gepäck reiste Uwe Gensheimer ins Quartier des DHB-Teams. Anfang Juni sicherte sich der Weltklasse-Linksaußen ebenso wie seine Nationalmannschaftskollegen Hendrik Pekeler und Patrick Groetzki die Meisterschaft mit den Rhein-Neckar Löwen und beendete damit sie Serie von Rekordmeister THW Kiel, der zuletzt viermal in Folge Champion in der Handball-Bundesliga war. 

Nachdem der Nationalmannschaftskapitän nach einer Achillessehnenverletzung die erfolgreiche Europameisterschaft im Januar nur von der Tribüne aus verfolgen konnte, will er nun in Rio de Janeiro selbst eine der Hauptrollen im DHB-Team spielen. Ihm gehört das volle Vertrauen von Bundestrainer Dagur Sigurðsson. Dieser nominierte Gensheimer als einzigen gelernten Linksaußen, EM-Held Rune Dahmke muss zu Hause bleiben.

Im Kader der deutschen Mannschaft hat noch kein Spieler jemals bei Olympia gespielt. Umso größer ist nun die Vorfreude, versicherte auch Uwe Gensheimer gegenüber sport.de: Olympische Spiele sind für jeden Nationalspieler ein riesiges Erlebnis. Ich freue mich einfach darauf, die ganze Atmosphäre aufzusaugen und mal zu erleben, wie das alles so ablaufen wird. Olympia ist ein Kindheitstraum gewesen."

Auf Vereinsebene hat der 29-Jährige schon für ein einschneidendes Erlebnis gesorgt in diesem Sommer. Nach dem Gewinn des Meistertitels hat Gensheimer seine Rhein-Neckar Löwen in diesem Sommer nach 13 Jahren verlassen und wagt ein neues Abenteuer bei der Weltauswahl von Paris St. Germain. 

Die eigenen Erwartungen: "Müssen Fehlerquote gering halten"

Die letzten Tests vor dem Turnierauftakt am Sonntag gegen Schweden offenbarten noch einige Schwächen im DHB-Team. Beim Vier-Nationen-Turnier in Frankreich gegen Dänemark (19:25-Niederlage) und Tunesien (38:32-Sieg) blieben die Deutschen vor allem im ersten Spiel hinter ihrer Topform zurück. Uwe Gensheimer meinte daraufhin warnend: "Jeder muss sich jetzt Gedanken machen. Das ist nicht unser Anspruch, was wir gezeigt haben. Wir müssen unsere Fehlerquote gering halten. Das wird bei Olympia richtig wichtig sein."

Der letzte Test gegen Kroatien ging zum Abschluss ebenfalls verloren. In einem besseren Trainingsspiel über zweimal 20 Minuten unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlor Deutschland am Mittwoch 16:17 (8:9). 

Die Erwartungen an die "Bad Boys" der zurückliegenden Europameisterschaft sind und bleiben dennoch hoch. Das liegt zum einen an der vermeintlich schwächeren der beiden Sechsergruppen, in der das Weiterkommen in die K.o.-Phase eigentlich Pflicht ist. Zum anderen aber auch das Selbstverständnis im Team, welches gespickt ist mit den treffsichersten Spielern der besten Handball-Liga der Welt, der HBL. 

Der Captain selbst meinte zu sport.de: "Alle Gegner haben ihre Stärken. Wir wollen die Vorrunde überstehen. Danach in den K.o.-Spielen kann sowieso immer alles passieren, das ist so im Handball!" 

Die Konkurrenz: Die üblichen Verdächtigen

Es sind die üblichen Verdächtigen, die in erster Linie als Medaillenanwärter ausgemacht werden können. Neben Titelverteidiger Frankreich, der nach dem enttäuschenden fünften Platz bei der EM Anfang des Jahres umso motivierter auftreten dürfte, gelten auch Dänemark und Kroatien wieder als Titelaspiranten. Auch mit dem amtierenden Vize-Weltmeister Katar muss gerechnet werden. All diese vier Mannschaften treten in der Vorrundengruppe A gegeneinander an. Wie diese Gruppe verlaufen wird, ist noch überhaupt nicht abzusehen.

In der Deutschland-Gruppe B scheint es da leichter zuzugehen, wenngleich auch Teams wie Polen, Schweden oder Ägypten mehrere Spieler von absolutem Top-Niveau in ihren Reihen wissen. Nicht bei Olympia dabei sind übrigens die letzten deutschen Turniergegner von der EM, Halbfinalgegner Norwegen sowie Finalgegner Spanien. 

Die sport.de-Prognose: Nach der Vorrunde wird es eng!

Leistungsmäßig zeigte sich die DHB-Truppe noch nicht in der Siegerform aus dem Januar. Dennoch stimmt es zuversichtlich, dass mit Gensheimer, Wiencek und Co. gleich mehrere wichtige Stützen im Kader sind, die beim letzten großen Triumph verletzungsbedingt gar nicht dabei waren. 

Taktikfuchs und Erfolgstrainer Dagur Sigurðsson wird gerade in den Spielen gegen die ganz großen Namen wieder gefordert sein, wenn es allein über Wurfkraft aus dem Rückraum und schnellem Umschaltspiel bei den Tempogegenstößen nicht reichen wird. Und dann sind da ja auch noch unsere Zerberusse Andreas Wolff und Silvio Heinevetter im Tor...

Die Vorrunde wird Deutschland sicher meistern, in den K.o.-Spielen wartet dann jeweils ein brutal schwerer Gegner. Ob neben dem immensen Kraftaufwand und der tollen Trefferquote auch das notwendige Glück wie bei der EM den Deutschen wieder hold ist, darf zumindest angezweifelt werden.  

Medaillenwahrscheinlichkeit: 45 Prozent

 

Mats-Yannick Roth

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