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Rio-Check: Kaymer sucht die Konstanz

03.08.2016 09:29
Martin Kaymer ist rechtzeitig vor Olympia in guter Form
Martin Kaymer ist rechtzeitig vor Olympia in guter Form

Mit insgesamt 423 Sportlerinnen und Sportlern tritt das Team des Deutschen Olympischen Sportbundes das Abenteuer Rio de Janeiro an. In 36 Sportarten kämpft Deutschlands Sportelite um Erfolg, Ehre und vor allem Edelmetall bei den XXXI. Olympischen Sommerspielen.

sport.de stellt in der heißen Phase vor der Eröffnungsfeier zwei Wochen lang ambitionierte heimische "Rio-Reiser" vor. Teil 23 des sport.de-Athletenchecks mit Golfer Martin Kaymer.

  • Name: Martin Kaymer
  • Geburtstag: 28. Dezember 1984 (31 Jahre)    
  • Wohnort: Düsseldorf
  • Olympische Disziplin: Golf
  • Olympischer Wettkampf in Rio: 11. bis 14. August
  • bisherige Olympia-Bilanz:  noch keine Teilnahme
  • weitere Karriereerfolge: PGA Championship 2010, US Open 2014, Weltranglistenerster 2011 (Auswahl)

Die Vorzeichen: "Plan ist voll aufgegangen"

Nach 112 Jahren ist Golf wieder olympisch – und mit Martin Kaymer ist sofort eine deutsche Medaillenhoffnung in Rio dabei. Kaymers größte Erfolge liegen mittlerweile allerdings einige Jahre zurück: Seine beiden Siege bei Major-Turnieren holte er 2010 und 2014, 2011 stand der Düsseldorfer zeitweise an der Spitze der Weltrangliste. Nach einem Formtief zeigt die Leistungskurve mittlerweile allerdings wieder nach oben.

Bei den Open de France wurde der 31-Jährige Fünfter, bei den Scottish Open belegte er einen am Ende unbefriedigenden 13. Rang. Doch die Generalprobe beim PGA Championship gelang. In Springfield/New Jersey sicherte sich Kaymer kurz vor den Spielen in Rio den siebten Platz – so gut war er bei einem Major-Turnier seit 2014 nicht mehr. Am Mittwoch zeigte sich der deutsche Paradegolfer gegenüber sport.de optimistisch: "Insgesamt bin ich mit den letzten Wochen sehr zufrieden, die Tendenz geht nach oben. In den letzten sieben Turnieren war ich vier Mal in den Top 7, dementsprechend bin ich sehr nah dran."

Vor allem das zurückliegende Majorturnier der PGA Championship stimmte Deutschlands wohl bekanntesten Olympia-Teilnehmer 2016 zuversichtlich: "Ich bin mit dem Top-Ten-Ergebnis sehr zufrieden, auch wenn es eine anstrengende Woche war wegen der vielen Unterbrechungen und den zwei Runden am Sonntag. Gerade in Majors helfen solche Top-Ergebnisse aber, um zuversichtlich in die nächsten Wochen zu schauen."

Auch der bewusst sehr eng gestrickte Turnierkalender als Vorbereitung auf Rio de Janeiro hat Martin Kaymer laut eigener Aussage geholfen: "Der Plan ist bis jetzt voll aufgegangen, ich fühle mich topfit und gut vorbereitet für die olympischen Spiele in der nächsten Woche." 

Den weiteren Zeitplan erläuterte Kaymer im exklusiven Gespräch mit sport.de: "Ich werde Donnerstagabend nach Rio fliegen und Freitagmorgen ankommen, um bei der Eröffnungsfeier dabei sein zu können. Den Platz werde ich mir vermutlich zum ersten Mal am Wochenende anschauen." 

Die eigenen Erwartungen: Mit Inspiration zu Edelmetall?

Intensiv hat die derzeitige Nummer 49 der Golfwelt an ihrem Spiel auf den Greens gearbeitet. Hier hatte Kaymer in vielen Turnieren zu viele Schläge liegenlassen. Das Training sollte sich auszahlen: "In der letzten Woche bei der PGA Championship war das Putten schon deutlich besser, ich bin auf den schnelleren Grüns im Vergleich zu Schottland besser zurecht gekommen. Auch das Training der Mitteldistanzen zwischen drei und sechs Metern hat sich schon bezahlt gemacht und ich werde bis Rio da dran bleiben", versprach Kaymer, der seine eigenen Erwartungen entsprechend hoch ansetzt für das Turnier auf dem Par-72-Kurs in Barra da Tijuca.

Auf die Frage, ob ein Medaillengewinn weiterhin das Ziel Kaymers bei seinem ersten Auftritt bei Olympia sei, antwortete der 31-Jährige voller Selbstvertrauen: "Absolut! Deswegen, dem olympischen Gefühl und der Atmosphäre fahre ich nach Rio." 

Die Konkurrenz: Trotz Absagenflut "ein sehr starkes Feld"

Das olympische Golf sorgte schon vor dem ersten Abschlag für Negativschlagzeilen. So hat mit Jason Day, Dustin Johnson, Jordan Spieth und Rory McIlroy die versammelte Spitze der Weltrangliste ihre Teilnahme bei Olympia abgesagt. Auch weitere prominente Spieler wie Adam Scott, Marc Leishman oder Vijay Singh sind nicht dabei. Martin Kaymer hat seine Kollegen für deren Olympia-Verzichts mehrfach kritisiert, kann deren Einstellung gegenüber dem olympischen Gedanken nicht nachvollziehen. 

Dennoch ist sich der Rheinländer beim Blick auf die Starterliste sicher: "Die Absagen einiger Spieler beeinflussen mich nicht direkt, da es immer noch ein sehr starkes Feld sein wird. Gerade Henrik Stenson spielt im Moment super Golf, auch die Amerikaner und zum Beispiel Sergio Garcia zählen mit Sicherheit zu den Favoriten."

Die sport.de-Prognose: Eine kleine Überraschung muss her

Martin Kaymer peilt für die Spiele in Rio einen Medaillengewinn an. Dafür spricht zum einen seine ordentliche Vorbereitung mit einem der besten persönlichen Ergebnisse in der näheren Vergangenheit, sowie die Absagenflut der ursprünglichen Favoriten auf den Turniersieg. Allerdings fehlen dem Düsseldorfer die Erfolge in Form von Titeln, die ihn wirklich zu einem Anwärter auf Edelmetall machen würden.

Oft zeigte er zuletzt bei einzelnen Runden wie in Springfield starke Leistungen, konnte diese aber nicht über die gesamten Turniere hinweg bestätigen. Gelingt ihm dies in Rio, ist eine Platzierung auf dem Siegertreppchen möglich. Vielleicht verleiht ihm die Inspiration der Copacabana den nötigen Schub.

Medaillenwahrscheinlichkeit: 25 Prozent

Florian Pütz

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