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Olympia-Erbe: Bitte keine weißen Elefanten!

30.07.2016 11:03
Die Arena do Futuro in Rio de Janeiro
© getty, Matthew Stockman
Die Arena do Futuro in Rio de Janeiro

Verrottende Stadien wie in Atlanta oder Athen soll es nach Olympia in Rio nicht geben. Zweifel sind angesichts der Erfahrungen der Fußball-WM aber angebracht.

Wenn er nach den berüchtigten "weißen Elefanten" gefragt wird, zeigt Rios Bürgermeister Eduardo Paes gerne auf die Arena do Futuro. In der kleinen Halle kämpft Handball-Europameister Deutschland während der Olympischen Spiele um Gold, schon bald aber soll die Konstruktion abgebaut und in vier Schulen umgewandelt werden. "Wir stehen für nachhaltige Spiele", sagt Paes dann.

Ungenutzte Stadien, "weiße Elefanten" also, kann sich die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Stadt nicht erlauben. Warnende Beispiele gibt es genug: Das Tennisstadion von Atlanta, das Schwimmstadion von Athen oder die Beachvolleyball-Arena in Peking gammeln heute vor sich hin. Und auch Brasilien hat mit der Fußball-WM 2014 schon schlechte Erfahrungen gemacht.

"Wir bauen keine weißen Elefanten wie bei der WM. Alles wird deutlich bescheidener sein, als es in London war", sagt Bürgermeister Paes gerne. Das meiste Geld fließe daher in nachhaltige, bezahlbare Projekte. "Alle Sportstätten zusammen kosten weniger als das Olympiastadion in Tokio" für 2020, behauptet Paes.

Maracanã ersetzt Olympiastadion

Einige Ideen sind in der Tat beachtlich. So gibt es in Rio kein "echtes" Olympiastadion. Die Eröffnungs- und Schlussfeier finden im Fußballtempel Maracanã statt, die Leichtathletik-Wettbewerbe in der seit Jahren genutzten Arena des Fußballklubs Botafogo.

Auch hier gab es mahnende Beispiele. In Pekings "Vogelnest" finden heute im Schnitt ganze drei Sportevents pro Jahr statt. Der als Mieter eingeplante Fußball-Erstligist Beijing Guoan bevorzugt das alte Arbeiterstadion. In London zieht zur kommenden Saison, nach vierjähriger Umbauzeit, endlich West Ham United ein.

In Rio dagegen existiert für jede der 15 neu gebauten Sportstätten ein Konzept für die Zeit nach Olympia, meist als Trainingszentrum oder Konzerthalle. Doch nicht jeder glaubt daran. Christopher Gaffney etwa, Amerikaner und Gastprofessor an der Universität Fluminense, betreibt schon seit der Fußball-WM einen Blog mit dem Titel "Caçando Elefantes Brancos" - Jagd auf weiße Elefanten.

Gaffney prangert darin die rein "kosmetischen" Veränderungen der Stadt an. Die neue Metro nach Barra etwa nutze vor allem der oberen Mittelschicht, die ohnehin das eigene Auto bevorzuge. Am Ende werde sich Olympia daher als teurer Shopping-Trip erweisen, bei dem "man an einem Tag das gesamte Jahreseinkommen ausgibt und am Ende feststellt, dass die kristallbesetzten Schuhe vielleicht doch ein wenig zu viel waren", sagte Gaffney.

Bogenwettbewerbe am "nachhaltigsten"

Ob etwa die drei nahezu baugleichen "Carioca-Arenen", in denen unter anderem die Wettbewerbe im Basketball, Ringen und Judo stattfinden, nach Olympia tatsächlich sinnvoll genutzt werden, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Auch das Tennisstadion und das verspätet eröffnete Velodrom müssen ihre Nachhaltigkeit erst noch unter Beweis stellen. Auch vor der Fußball-WM 2014 hatte es vollmundige Versprechen gegeben, heute sind Stadien wie die in Brasilia, Cuiaba oder Manaus unzureichend genutzt.

Immerhin: Um die Arena der olympischen Bogenwettbewerbe muss sich niemand Sorgen machen. Um Gold gekämpft wird im weltberühmten "Sambadromo", dem Schauplatz des jährlichen Umzugs der Sambaschulen im Karneval. Ein Leerstand ist dort eher nicht zu befürchten.