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Rio-Check: Ausgeruhter Martin zu Edelmetall?

31.07.2016 10:00
Tony Martin peilt seine zweite Olympia-Medaille an
Tony Martin peilt seine zweite Olympia-Medaille an

Mit insgesamt 426 nominierten Athletinnen und Athleten tritt das Team des Deutschen Olympischen Sportbundes das Abenteuer Rio de Janeiro an. In 36 Sportarten kämpft Deutschlands Elite um Erfolg, Ehre und vor allem Edelmetall bei den XXXI. Olympischen Sommerspielen. 

sport.de stellt in der heißen Phase vor der Eröffnungsfeier zwei Wochen lang ambitionierte heimische "Rio-Reiser" vor und macht den Athletencheck. Teil 17 des sport.de-Athletenchecks mit Rennrad-Profi Tony Martin.

  • Name: Tony Martin
  • Geburtstag: 23. April 1985 (31 Jahre)
  • Wohnort: Kreuzlingen (Schweiz)
  • Olympische Disziplin: Radsport, Straße (Straßenrennen, Einzelzeitfahren)
  • Olympischer Wettkampf in Rio: Straßenrennen am 7. August, Einzelzeitfahren am 10. August
  • bisherige Olympia-Bilanz: Silbermedaille in London 2012 im Einzelzeitfahren
  • weitere Karriereerfolge: Weltmeister im Einzelzeitfahren 2011, 2012, 2013, Deutscher Zeitfahrmeister 2010, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016 sowie fünffacher Etappensieger bei der Tour de France

Die Vorzeichen: "Die Form stimmt"

Tony Martin ist die Hoffnung im deutschen Straßenradsport. Schon 2012 holte der gebürtige Cottbuser die Silbermedaille im Einzelzeitfahren zu London, wo er sich nur dem starken Briten Bradley Wiggins geschlagen geben musste. Natürlich machen ihn seine Erfolge aus der Vergangenheit, wie der dreimalige Weltmeistertitel, zu einem Mitfavoriten auf olympisches Edelmetall. Beim Straßenrennen drei Tage zuvor wird Martin wahrscheinlich Kräfte sparen, den Kurs nutzen, um sich zu akklimatisieren und Kräfte für sein großes Ziel aufzubauen. Die Attacken auf Medaillenplätze im Straßenrennen wird er seinen Kollegen Simon Geschke oder Emanuel Buchmann überlassen.

Doch die 59,6 bergigen Kilometer des Zeitfahr-Streckenprofils in Rio sind nicht optimal für Martin, der flache Kurse bevorzugt. Deswegen hat der Profi vom Team Etixx-Quick Step extra seine Ernährung umgestellt und einige Kilos abgenommen. Diese Maßnahmen zahlten sich bei der Tour de France im Juli aber noch nicht aus. Das erste Zeitfahren beendete Martin auf einem enttäuschenden neunten Rang, beim Bergzeitfahren blieb er erwartungsgemäß unter ferner liefen. Allerdings sagte der Radprofi: "Die Form stimmt. Ich bin weiterhin optimistisch.“

Die eigenen Erwartungen: "Gold ist utopisch"

Aufgrund des Profils und seiner durchwachsenen Ergebnisse schrieb der dreifache Weltmeister im Einzelzeitfahren die Gold-Medaille bei den Olympischen Spielen in Rio bereits ab. "Das ist utopisch", meinte Martin: "Ich würde mich freuen, um die Medaillen mitfahren zu können." Beim ersten Zeitfahren bei der Frankreich-Rundfahrt wirkte der Deutsche müde. Das war unter anderem der vorangegangenen Etappe am legendären Mont Ventoux, eigenen Attacken und der Hilfe für Teamkollegen Marcel Kittel geschuldet. Vor dem Rennen in Rio hat Martin noch Zeit zur Regeneration.

Die Konkurrenz: "Der große Favorit ist Froome"

Apropos Regeneration: Andere Zeitfahrspezialisten wie Fabian Cancellara oder Rohan Dennis stiegen vorzeitig aus der Tour aus, um sich besser auf die Olympischen Spiele vorbereiten zu können. Für Martin war das keine Option. Genauso wenig wie für seinen größten Konkurrenten im Kampf um eine Medaille. Ganz vorne mit dabei ist natürlich der amtierende Tour-Sieger: "Ich denke der wirklich große Favorit wird Froome sein. Sie sagen, dass es ein hartes Zeitfahren ist und man gut klettern muss. Er hat beide Fähigkeiten, deswegen ist er sicher der Favorit", äußerte sich Martin über den Briten Chris Froome.

Fraglich ist, ob der Niederländer Tom Dumoulin dabei sein kann. Er gewann das erste Zeitfahren in Frankreich und belegte beim Bergzeitfahren den zweiten Rang hinter Froome, was ihn zu einem Mitfavoriten in Rio machte. Doch der 25-Jährige brach sich bei einem Sturz den Unterarm und muss um die Teilnahme bei den Spielen bangen.

Die sport.de-Prognose: Mit Ruhe zu Bronze

Ohne Frage hat Tony Martin in der Vergangenheit bewiesen, dass er das Zeitfahren dominieren kann wie kein Zweiter. Doch die Erfolge aus der Vergangenheit zählen an der Copacabana nicht mehr. Dort muss Martin auf den Punkt fit sein, um seine beste Leistung auf ungeliebtem Terrain in die Pedale zu feuern. Doch selbst diese würde wohl, wie von Martin selbst angekündigt, nicht für Gold reichen.

In Anbetracht der starken Konkurrenz mit Froome, womöglich Dumoulin und Martins durchwachsenen Ergebnissen bei der Tour sollte erstmal die Bronze-Medaille das Ziel des 31-Jährigen sein. Gelingt die Regeneration für Rio, ist der dritte Platz auf jeden Fall möglich.

Medaillenwahrscheinlichkeit: 40 Prozent

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Zeitfahren (M) 2016

1SchweizFabian Cancellara1:12:15.42h
2NiederlandeTom Dumoulin+47.41s
3GroßbritannienChris Froome+1:02.12m
4SpanienJonathan Castroviejo+1:06.08m
5AustralienRohan Dennis+1:10.24m
6PolenMaciej Bodnar+1:50.47m
7PortugalNelson Oliveira+1:59.85m
8SpanienJon Izaguirre Insausti+2:06.17m
9GroßbritannienGeraint Thomas+2:37.43m
10SlowenienPrimoz Roglic+2:39.74m
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