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Russische Reporter provozieren TV-Journalisten

10.06.2016 16:47
Doping-Experte Seppelt wurde von russischen Reportern angegangen
Doping-Experte Seppelt wurde von russischen Reportern angegangen

TV-Journalist Hajo Seppelt hat nach seinem jüngsten Beitrag über staatlich geschütztes Doping im russischen Sport unliebsame Erfahrungen mit russischen Reportern gemacht.

Der TV-Sender "Rossija 1" zeigte am Freitag Bilder von einem heftigen Streit des "WDR"-Doping-Experten mit einem russischen TV-Team, das Seppelt in einem Kölner Hotel zunächst interviewt hatte. Einen sechsminütigen Beitrag davon stellte "Rossija 1" ins Internet.

Seppelt hatte den Journalisten in einem Hotelzimmer zunächst ein Interview zu der anhaltenden Doping-Krise in Russland gegeben, welche die am Tag zuvor ausgestrahlte "ARD"/"WDR"-Dokumentation "Geheimsache Doping: Showdown für Russland" noch verschärft hatte. Nachdem eine Journalistin die Frage stellte, ob er für seine Arbeiten geschmiert worden sei, wurde der Ton rauer. Seppelt wies das russische Team nach wiederholten Provokationen aus dem Zimmer. Als sich die Gäste weigerten und ohne Rückfrage im privaten Bereich des Apartments filmten, kam es zu Auseinandersetzungen.

"Wir haben mit unserer Dokumentation offensichtlich einen sehr sensiblen Punkt getroffen. Nach meinem Eindruck war das eine gezielte Provokation", sagte Seppelt und beschrieb den weiteren Ablauf: "Nachdem ich 30 Minuten lang das russische Team vergeblich aufgefordert hatte, das Hotelzimmer endlich zu verlassen und die Filmaufnahmen zu beenden, ist mir der Kragen geplatzt."

Seppelt rief den Sicherheitsdienst des Hotels und die Polizei um Hilfe, weil das Kamerateam weiterhin das Gebäude nicht verließ. "Als sie mitbekamen, dass ich die Polizei gerufen habe, flüchteten sie", sagte Seppelt. Daraufhin sei er ihnen gefolgt, um der Polizei den Aufenthaltsort des russischen Teams zu nennen. Er verlor es aber aus den Augen.

Der "WDR" prüft nun juristische Schritte gegen den russischen Sender, weil dieser das Interview mit Seppelt trotz einer direkt erfolgten Unterlassungsverfügung der deutschen Sendeanstalt ausgestrahlt hat. Russland droht derzeit der Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Am kommenden Freitag fällt der Leichtathletik-Weltverband IAAF die Entscheidung, ob russische Athleten weiterhin gesperrt bleiben.

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