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Gensheimer exklusiv: Gold ist drin!

25.04.2016 15:40
Deutschlands Mannschaftskapitän brennt auf seine ersten Olympischen Spiele
Deutschlands Mannschaftskapitän brennt auf seine ersten Olympischen Spiele

Der Countdown zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro hat längst begonnen. Bis zur Eröffnungsfeier am 5. August begleitet sport.de Olympia-Teilnehmer bei ihrer Vorbereitung auf den weltweiten Sporthöhepunkt 2016. Das sind "Unsere Rio-Reiser – die sport.de-Olympiavorschau!".

Uwe Gensheimer galt lange Jahre als der einzige deutsche Handballer mit dem Attribut "Weltklasse". Er hat in seiner knapp 13-jährigen Profilaufbahn schon über 2000 Treffer für seine Rhein-Neckar Löwen und die deutsche Nationalmannschaft geworfen, dessen Mannschaftskapitän er seit zwei Jahren ist. Mit sport.de sprach der viermalige Handballer des Jahres in Deutschland ausführlich über seine ersten Olympischen Spiele in diesem Jahr.

Herr Gensheimer, mit dem THW Kiel und der SG Flensburg Handewitt liefern Sie sich aktuell einen hochspannenden Dreikampf um die deutsche Meisterschaft. Im Meisterschaftsendspurt bleibt im Moment keine Zeit für die Nationalmannschaft. Wann geht es da weiter?

Mit der Nationalmannschaft geht es nach dem Ende der Bundesligasaison weiter (letzter Spieltag am 5. Juni, Anm. d. Red.), wir haben dann eine einwöchige Lehrgangsmaßnahme. Später sind wir von Anfang Juli an wieder zusammen. Bis zum Ende der Saison liegt der Fokus für mich also ausschließlich auf der Bundesligasaison und den Rhein-Neckar Löwen.

Wie war bei den letzten Zusammenkünften mit der Nationalmannschaft das Verhältnis zu den Kollegen vom Konkurrenten THW Kiel? War der Meisterkampf in der Bundesliga auch häufig Thema?

Klar reden wir bei der Nationalmannschaft auch über die Vereinsmannschaften. Das Thema "Titelkampf" ist da aber eher ausgeblendet. Wir sind schließlich dann auch Teamkollegen, da wird ehrlich gesagt nicht allzu viel drüber gesprochen.

Anfang des Jahres haben Sie bei der Euro in Polen den Titel gewonnen, wenngleich Sie verletzungsbedingt bei der Endrunde nicht selbst mitwirken konnten. In diesem Sommer sind außerdem noch die Deutsche Meisterschaft mit den Rhein-Neckar Löwen und der Olympiasieg in Rio möglich. Das könnte ein Riesenjahr für Sie werden!

Erst mal vorab: Als Europameister sehe ich mich nicht! Das haben die Jungs schon ganz alleine geholt, die in Polen dabei waren. Wenn man als Sportler bei der Endrunde selber nicht dabei war, will man sich nicht mit den Federn der anderen schmücken. Auch unter dem Aspekt, dass ich am Ende der Saison die Rhein-Neckar Löwen verlassen werde, wäre die Meisterschaft in der letzten Saison natürlich etwas ganz Besonderes. Das wäre ein idealer Abschied von den Löwen, für die ich jetzt 13 Jahre lang gespielt habe.

Also ist der Meistertitel für Sie persönlich vielleicht sogar wichtiger? Zuletzt hatten am Ende ja immer die Kieler die Nase vorn. Oder hat das olympische Turnier nochmal einen anderen Stellenwert?

Das sind zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe! Mit den Löwen waren wir schon oft sehr, sehr nah dran. Ich glaube, auch der ein oder andere objektive Handballfan in Deutschland sagt, dass wir mit den Löwen jetzt mal an der Reihe sind nach den letzten Jahren. Aber im Profisport fragt keiner nach Gerechtigkeit und man muss immer wieder hart für Erfolge arbeiten. Diese Einstellung haben wir auch als Mannschaft. Der Meistertitel ist schon etwas ganz Großes, wenn du über ein Jahr hinweg konstant gute Leistungen abrufen musst. Die Olympischen Spiele mit der Nationalmannschaft sind da etwas ganz anderes. Wie eng es da zugehen wird, hat man schon bei den Quali-Turnieren gesehen. Bei Olympia ist es noch einmal komprimiert in zwei Wochen, da kann alles passieren. Schon bei der Europameisterschaft gab es für unser Team ja drei Spiele, die nur mit einem Tor Unterschied ausgegangen sind. Was für Kleinigkeiten da alles eine Rolle spielen, hat glaube ich auch jeder gesehen.

Ihre Länderspielkarriere ist mittlerweile schon deutlich über 100 Spiele alt, trotzdem werden es im Sommer Ihre ersten Olympischen Spiele werden. Unabhängig vom sportlichen Abschneiden am Ende: Welche Bedeutung hat Olympia für Sie persönlich?

Es ist einfach ein ganz großes Ziel für jeden Sportler, so ein Event mitzunehmen! Es ist für mich eine riesige Freude, dass mitzuerleben. Ich habe mir natürlich schon Meinungen von anderen Sportlern eingeholt, die schon mal dabei waren. Ich freue mich einfach darauf, die ganze Atmosphäre aufzusaugen und mal zu erleben, wie das alles so ablaufen wird. Logischerweise ist Olympia ein Kindheitstraum gewesen und ich hoffe, ihn mir diesen Sommer erfüllen zu können.

Uwe Gensheimer fehlte im Januar verletzungsbedingtIst die Vorfreude auf den olympischen Sommer nach der verpassten EM im Januar noch einmal gestiegen?

Nein, das ist unabhängig davon. Natürlich ist die EM für alle Handballer ein Riesenerfolg gewesen. Wir haben ja auch gemerkt, wie ein kleiner Hype in Deutschland entstanden ist. Es war auch ganz wichtig und essentiell für unsere Sportart, dass wir mit diesem Turnier eine breite Öffentlichkeit erreicht haben. Vielleicht ist dadurch auch ein größerer Fokus auf die Handball-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen gerichtet. Aber unabhängig von dem Erfolg sind die Olympischen Spiele für jeden Nationalspieler ein riesiges Erlebnis.

Im sportlich besten Falle erleben Sie das olympische Turnier von A bis Z mit und werden so eine sehr intensive Zeit vor Ort in Rio de Janeiro haben. Erleben Sie Olympia dann noch einmal etwas anders als die vielen Sportlerkollegen, die sich nur auf einen Wettkampf an ein oder zwei Tagen konzentrieren müssen?

Das weiß ich nicht. Ich habe es eben noch nie miterlebt und weiß gar nicht, wie viel Freizeit da überhaupt noch bleibt, um sich vielleicht auch andere Sportarten anzuschauen. Jemand, der nach der ersten Woche mit seinen Wettkämpfen fertig ist, hat danach vielleicht noch etwas mehr Zeit, um die Spiele richtig zu genießen und wahrzunehmen. Wenn man noch voll im Wettkampf ist, stelle ich es mir schwierig vor, alles andere wirklich genießen zu können.

Was sind die Sportarten abseits der Handballhalle, die Sie interessieren werden bei Olympia?

Logischerweise bin ich ein Fan von Ballsportarten. Man hat ja auch im Fernsehen schon mit verfolgt, dass gerade beim Beachvolleyball immer eine super Stimmung ist. Auch die Leichtathletik-Events finde ich sehr spannend.

Teams mit internationaler Spitzenklasse wie Spanien oder Norwegen haben sich nicht für das olympische Turnier qualifiziert. Wie stark schätzen Sie insgesamt das Teilnehmerfeld bei Olympia ein? Welche Zielsetzung ist realistisch?

Ich denke, dass die Europameisterschaft fast schon schwieriger war von der Vorrunde her, aber dass trotzdem alle Gegner ihre Stärken haben. Die Leistungsdichte ist sehr eng beieinander. Wir wollen die Vorrunde überstehen. Danach in den K.o.-Spielen kann sowieso immer alles passieren, das ist so im Handball!

Der Handball als Sportart hat durch den Europameistertitel zu Beginn des Jahres einen Boom erfahren, fast schon wie nach der Weltmeisterschaft 2007 im eigenen Land. Was erhoffen Sie sich von dieser gestiegenen Aufmerksamkeit zum einen für das Turnier in Rio, zum anderen langfristig gesehen für den Handball?

Uns ist natürlich klar, dass der Fußball immer mit großem Abstand an erster Stelle steht. Der Handball muss es schaffen, sich als Nummer zwei zu etablieren. Da gibt es mit der Basketball-Liga und der Eishockey-Liga erhebliche Konkurrenz. Wir müssen es hinbekommen, die Leute auf Dauer mit ins Boot zu holen, die Begeisterung für unseren Sport gezeigt haben. Das beinhaltet natürlich auch, mehr neue Sponsoren zu gewinnen, was mit einer erhöhten TV-Präsenz zusammenhängen sollte. Für uns war es schön und wichtig zu sehen, dass sich eine breite Öffentlichkeit interessiert hat. Wir reden bei der EM von einer Spitzeneinschaltquote von 17 Millionen, was sonst in unserer Sportart niemals erreicht wird. Das war ein ganz wichtiger Schritt!

 

Das Interview führte Mats-Yannick Roth

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