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Vor 30 Jahren: Debüt des Rekordmanns

15.03.2016 13:25
Michael Spies trug im Laufe seiner Karriere das Trikot von sieben Bundesligisten
© imago sportfotodienst
Michael Spies trug im Laufe seiner Karriere das Trikot von sieben Bundesligisten

Auf den Tag genau vor 30 Jahren debütierte in der Bundesliga ein Spieler, der Geschichte geschrieben und Rekorde gebrochen hat. Erinnern können sich die wenigsten an ihn. Dabei hat Michael Spies im wahrsten Sinne des Wortes eine bewegte Karriere hinter sich.

Als der 20-jährige Michael Spies 1985 seinen ersten Profivertrag unterschrieb, ging für den hochveranlagten Mittelfeldspieler ein Traum in Erfüllung. Ausgerechnet der VfB Stuttgart gab ihm die Chance, sein Können in der Bundesliga zu zeigen. Der Verein, bei dem er schon als kleiner Junge in der B-Jugend kickte.

Am 15. März 1986 debütierte der gebürtige Stuttgarter in der höchsten deutschen Spielklasse. Als Nachrücker rutschte er für das Gastspiel der Schwaben bei Fortuna Düsseldorf in den Kader. Mehr noch: Aufgrund der langen Verletztenliste beorderte ihn Trainer Wille Entenmann auf Anhieb in die Startelf. Nach nur 15 Minuten tauchte Spies erstmals vor 95-Keeper Jörg Schmadtke auf. Seinen Kopfball konnte der heutige Manager des 1. FC Köln noch parieren. Beim Nachschuss war Schmadtke dann machtlos. Spies bugsierte den Ball vor 12.000 Zuschauern im Rheinstadion über die Linie und verewigte sich als Torschütze in den Bundesliga-Annalen.

Stuttgart gewann das Spiel dank eines Fünferpacks von Jürgen Klinsmann letztlich mit 7:0, das Debüt-Tor von Michael Spies geriet zur Randnotiz. Dennoch bedeutete es den Auftakt einer Karriere, die kurios, unerwartet und einzigartig verlief.

Über Gladbach in die Nationalmannschaft?

Als sich das Lazarett der Schwaben in den folgenden Wochen lichtete und die Stammspieler auf den Trainingsplatz zurückkehrten, sanken die Chancen des jungen Mittelfeldspielers auf weitere Einsätze. Auf der Bank versauern oder sein Glück bei einem anderen Verein suchen, waren Spies' Alternativen. Der Mann, der sich selbst als "zurückhaltend, vorsichtig" und "bodenständig" beschreibt, entschloss sich nach zwölf Monaten Reservistendasein zu einem Wechsel nach Ulm. Nach einem überzeugenden Halbjahr beim damaligen Zweitligisten kam der Anruf von Winfried Schäfer aus Karlsruhe. Spies sagte zu.

Bei den Badenern glänzte der Regisseur in 63 Erstligaspielen mit 15 Toren und zahlreichen Vorlagen. Zur Saison 1989/90 folgte der logische Schritt in seiner Entwicklung und der Wechsel zur Borussia nach Mönchengladbach. Sich über den Europapokal für die Nationalmannschaft empfehlen, lautete der Plan. "Dafür musste man bei einem großen Klub spielen", begründete Spies seine Entscheidung im Gespräch mit der "SZ". Das Vorhaben scheiterte. Die Fohlen spielten zwei schwache Jahre und verpassten den Sprung nach Europa. Und Spies? Wechselte im Sommer 1991 erneut den Arbeitgeber.

Sternstunde im Ostseestadion

Mit dem FC Hansa Rostock versuchte er fortan, Schlagzeilen zu schreiben. Dies gelang ihm nicht zuletzt durch einen Treffer gegen den FC Barcelona in der Champions League. Am 2. Oktober 1991 traf Spies im Ostseestadion gegen Pep Guardiola, Michael Laudrup, Hristo Stoichkov und Co. zum 1:0-Sieg. Ein Tor, auf das er noch heute angesprochen wird. Zum Weiterkommen reichte der Erfolg nach der 0:3-Hinspielniederlage allerdings nicht. Und auch das Kapitel Rostock war nach nur einer Saison wieder beendet.

Die Reise führte den Mittelfeldspieler 1992 weiter zum Hamburger SV, ehe sich Spies zur Saison 1994/95 Dynamo Dresden anschloss. Mit den Sachsen folgte der Abstieg in die zweite Liga und der nächste Wechsel. Der Schwabe streifte sich fortan das Trikot des VfL Wolfsburg über und stieg mit den Niedersachsen 1997 in die 1. Liga auf.

Ein Stück deutsche Fußball-Geschichte

Mit dem Aufstieg schrieb Michael Spies ein Stück deutsche Fußball-Geschichte. Am 2. August 1997 wurde der mittlerweile 32-Jährige der erste Spieler in der Bundesliga-Historie, der für sieben verschiedene Klubs auflief. Am 18. Oktober desselben Jahres kürte er sich zum ersten Spieler, der für sieben verschiedene Erstligisten mindestens ein Tor erzielte. Zwei Bestmarken, die noch bis heute Bestand haben.

Seine Karriere ließ er schließlich in Unterhaching und beim VfB Lübeck ausklingen. Es waren die Stationen neun und zehn seiner Laufbahn, an deren Ende 219 Bundesliga- und 73 Zweitligaeinsätze standen. Ein Söldner, sagt Wandervogel Spies, sei er trotz seiner etlichen Klubs aber nie gewesen: "Bei mir hat es immer nachvollziehbare Gründe für einen Wechsel gegeben."

Christian Schenzel

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