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WM-Gold hat sie, Olympia-Gold will sie!

07.03.2016 13:00
Den nächsten großen Wurf hat sich Katharina Molitor für Rio 2016 vorgenommen
© imago, imago sportfotodienst
Den nächsten großen Wurf hat sich Katharina Molitor für Rio 2016 vorgenommen

Der Countdown zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro hat längst begonnen. Bis zur Eröffnungsfeier am 5. August begleitet Sport.de Olympioniken bei ihrer Vorbereitung auf den weltweiten Sporthöhepunkt 2016. Das sind "Unsere Rio-Reiser – die Sport.de-Olympiavorschau!".

Weltmeisterin ist sie seit dem letzten August schon! Was noch fehlt, ist der Olympiatitel in der erfolgreichen Speerwurfkarriere von Katharina Molitor. Sport.de sprach mit der 32-Jährigen über ihre lange wettkampffreie Zeit im Winter, ihre dritten Olympischen Spiele und die große nationale Konkurrenz im Speerwurf.

Frau Molitor, Ihre Kollegen aus den Lauf- und Sprungdisziplinen sind gerade mitten in der Hallensaison. Wie sieht das in Sachen Wettkämpfen derzeit bei Ihnen im Speerwerfen aus?

Die letzten Jahre haben wir immer die Winterwurf-Challenge als einzigen Wettkampf in dieser Zeit gemacht. Das lassen wir allerdings dieses Jahr auch aus. Die Challenge findet dieses Mal in Rumänien statt, da ist das Wetter wahrscheinlich eher so wie hier. Wir haben schon früh gesagt, dass wir da dieses Jahr nicht hinfahren. Wir konzentrieren uns komplett auf den Sommer, deswegen spielen Wettkämpfe im Moment noch gar keine Rolle.

Was sind vor diesem Hintergrund dann aktuell Ihre wichtigsten Trainingsinhalte?

Das ist relativ vielfältig. Es gibt Wochen, in denen es mehr um Kraft geht, dann steht wieder das Werfen im Mittelpunkt, aber auch Sprints und Ausdauer – alles, was dazu gehört. Die Aufbauphase haben wir jetzt so langsam beendet, es geht vermehrt Richtung Technik. Das erste Wärmetrainingslager haben wir auch schon hinter uns, als wir zehn Tage in Portugal waren. In diesem Monat geht es dann noch nach Südafrika.

Wen meinen Sie in dem Falle genau mit "Wir"? Wer zählt zu Ihrer Trainingsgruppe dazu?

Wenn wir nach Südafrika fliegen, sind Kathrin Klaas (Hammerwurf, Anm. d. Red.), Linda Stahl, Till Wöschler (Speerwurf, Anm. d. Red.) dabei.

Was stehen bis zu den Deutschen Meisterschaften im Juni neben dem Trainingslager noch für Termine an?

In Südafrika werden wir über zwei Wochen sein, Ende April geht es dann ins letzte Wärmetrainingslager in die Türkei und Anfang Mai beginnen dann schon die Wettkämpfe. Wann ich genau in die Saison einsteige ist noch nicht festgelegt. Angedacht ist, direkt aus dem Trainingslager am 6. Mai zum Diamond League Meeting nach Doha zu fliegen, aber das steht noch nicht endgültig fest.

Wo sehen Sie gegenwärtig Ihre Form? Sind Sie gesund und verletzungsfrei durch den Winter gekommen?

Ich bin nicht diejenige, die im Winter schon extrem weit wirft, was andere vielleicht eher tun. Da mache ich mir keine Sorgen, denn das war die letzten Jahre genauso. Gesundheitlich bin ich ganz gut durchgekommen. Ich konnte gut trainieren und alles vom Trainingsplan abarbeiten.

Die nationale Konkurrenz ist im Speerwerfen bei Ihnen sehr groß. Wie sieht da der Qualifikationsmodus hinsichtlich Olympia aus?

Wir haben eine Norm von 62 Metern. Ich gehe aber nicht davon aus, dass diese 62 Meter reichen werden. Grundsätzlich muss man diesen Wert erst einmal übertreffen, es gibt aber wahrscheinlich wieder vier Werferinnen, die ein Top-Niveau haben und diese Weite bringen können. Das wird wohl eine spannende Deutsche Meisterschaft im Juni geben.
Ich will mich da nicht ausschließen und auch keine andere: Ich denke, es kann am Ende jede treffen, die dann zu Hause bleiben muss! Von den vier Werferinnen (Katharina Molitor, Linda Stahl, Christina Obergföll und Christin Hussong, Anm. d. Red.) dürfen ja leider nur drei bei Olympia starten.

Wenn Sie so einen "Drei-aus-Vier-Ausscheidungsmodus" haben, wie ist da dann der Umgang miteinander? Haben Sie trotzdem ein gutes Verhältnis zu Ihren drei Konkurrentinnen?

Ich trainiere ja mit Linda Stahl zusammen, wir machen aber wenig Wurfeinheiten gemeinsam. Wir sind da auch tatsächlich völlig unterschiedliche Typen. Es ist nicht so, als könnten wir uns da total gut miteinander vergleichen im Training, aber wir verstehen uns natürlich schon. In Südafrika wird auch Christin Hussong dabei sein, mit ihr werde ich mir auch das Zimmer teilen. Christina Obergföll ist da immer etwas außen vor und macht mehr ihr eigenes Ding. Aber auch mit ihr verstehe ich mich gut. Ein richtiges Konkurrenzverhalten gibt's dann tatsächlich nur im Wettkampf – und im Wettkampf wird es sich ja auch letztlich entscheiden.

In Rio stehen ihre dritten Olympischen Spiele an. Bislang war es einmal Platz acht und einmal Platz sechs, wie weit kann es dieses Mal nach vorne gehen? Mit dem WM-Titel 2015 haben Sie gezeigt, dass es durchaus nach ganz oben gehen kann.

Wenn ich in Rio dabei bin, will ich auf jeden Fall diesen sechsten Platz aus London verbessern. Ich denke aber, dass die Weltspitze im Speerwerfen sehr dicht beisammen ist. Es bleibt noch abzuwarten, wie stabil eine Barbora Špotáková (Olympiasiegerin 2008 und 2012, Anm. d. Red.) wieder wirft. Ihr traue ich Würfe an oder über die 70 Meter zu. Ich habe keine Ahnung, was zum Beispiel eine Mariya Abakumova (Olympia-Silber 2008, Anm. d. Red.) gerade so treibt, aber auch mit der muss man rechnen.
Ich werde mein Bestes geben, wenn es dann noch einmal so läuft wie bei der WM im letzten Jahr, wäre es natürlich fantastisch. Es kann aber halt auch sein, dass ich persönliche Bestleistung werfe und trotzdem keine Medaille hole. Man kann es nur sehr schwer vorher einschätzen. Ziel ist es aber auf jeden Fall, dass ich den sechsten Platz aus London noch einmal verbessern kann.

Spätestens durch Ihren WM-Titel im letzten Jahr sind Sie für Olympia klar in den Fokus gerückt. Nehmen Sie das eher als Bürde wahr? Oder bleiben Sie trotzdem gelassen und locker, wenn sie als amtierende Weltmeisterin in Rio mehr im Mittelpunkt stehen?

Im Moment würde ich sagen, ich nehme das relativ entspannt. Die Saison hat allerdings auch noch nicht angefangen. Im letzten Jahr nach dem Titel habe ich das zumindest überhaupt nicht als Druck oder sonst was empfunden. Ich schätze das so ein, dass ich mein Ding weiterhin durchziehe und mich davon nicht beeinflussen lasse.

Abseits Ihrer Disziplin: Wie nehmen Sie das Event Olympische Spiele als Ganzes wahr? Fokussieren Sie sich ganz auf den Wettkampf oder sind Sie auch ein bisschen Olympia-Tourist?

Ich kenne den Zeitplan noch nicht genau. Wenn es zeitlich passt, würde ich mir super gerne andere Sachen angucken. In Peking war es so, dass wir Athleten für relativ wenig Geld gut an Tickets gekommen sind, da hatte ich mir ein Handballspiel angeguckt. In London waren wir Speerwerferinnen sehr, sehr spät dran. Da habe ich außer Leichtathletik nichts anderes gesehen. Aber da war ja auch vieles ausverkauft. Ich werde mich damit mal beschäftigen, wenn ich vor Ort bin. Der eigene Wettkampf geht aber natürlich ganz klar vor.

 

Der Speerwurf gehört zu den erfolgreichsten Disziplinen in der Leichtathletik der Frauen hierzulande. Schon fünf deutsche Olympiatitel gab es in den vergangenen 80 Jahren. Auch bei den letzten Spielen in Athen, Peking und London holte eine DLV-Werferin immer mindestens Bronze. Für Katharina Molitor sind es nach 2008 und 2012 die dritten Olympischen Spiele. Derzeit liegt die persönliche Bestleistung der Leverkusenerin bei 67,69 Meter. Mit dieser Weite hätte es vor vier Jahren übrigens zur Silbermedaille gereicht!

Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth

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