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Unglaublich: Tonga-Rodler Bruno Banani bei Olympia

05.02.2014 13:42
Rodler Bruno Banani vertritt in Sotschi Tonga. Foto: Tobias Hase
Rodler Bruno Banani vertritt in Sotschi Tonga. Foto: Tobias Hase

Mit einer typischen Karriere im Leistungssport hat der Weg von Fuahea Semi alias Bruno Banani nichts zu tun. Der 26-Jährige geht in Sotschi als erster Wintersportler des pazifischen Inselkönigreiches Tonga bei olympischen Rodel-Wettbewerben an den Start.

Dies verdankt er auch deutschem Know-How. Die ungewöhnliche Laufbahn begann 2008 mit einem Casting in Tonga, das die wintersportbegeisterte Prinzessin Sālote Mafileʻo Pilolevu Tuita bei einer deutschen Agentur in Auftrag gab. Gesucht wurde ein geeigneter Wintersportler für das Unternehmen Olympia. Mathias Ihle, Geschäftsführer der Agentur, dachte zuerst an Rodeln und engagierte die ehemalige Rodlerin und jetzige Trainerin Isabel Barschinski. "Etwa 30 interessierte junge Männer waren da, die wir auf Eignung getestet haben. Letztlich blieben zwei übrig, die wir mit nach Europa nahmen. Und hier stellte sich schnell heraus, dass Bruno ein Naturtalent ist", erzählte Barschinski.

Aus Vermarktungsgründen kam Ihle auf die Idee, Semis Namen zu ändern. "Das war nicht ganz ungewagt", gab der Chemnitzer zu. Mit der gleichnamigen Modefirma soll der Namenstausch nicht abgesprochen gewesen sein. "Wir hatten zunächst an einen schönen Zufall geglaubt", behauptete der Geschäftsführer des Modeunternehmens, Jan Jasser. "Gerade in Asien gibt es den Namen Banani häufiger. Erst später haben wir die wirkliche Geschichte erfahren. Aber nur die Namensgleichheit wäre für uns kein Grund für ein Sponsoring gewesen. Da musste schon Leistung her."

Als die Namensänderung publik wurde, gab es massive Kritik, unter anderem vom jetzigen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, der von einer "perversen Marketing-Idee" sprach. Die Kritik sei nicht sehr sachlich, hielt Bananis Umfeld dagegen. Man solle die Leistung würdigen.

Olympiasieger Felix Loch kann sich an die ersten Fahrversuche Bananis noch erinnern. "Ich will nicht sagen, dass wir mit dem Kopf geschüttelt haben. Aber wir haben gesagt, dass es eine harte Nummer wird, wenn er nach Sotschi kommen will", berichtete der Berchtesgadener diese Woche an der olympischen Rodelstrecke.

Banani zeigte Leistung. Bereits in der Saison 2009/2010 fuhr der ehemalige Informatikstudent im Weltcup, scheiterte jedoch bei der Olympia-Qualifikation für Vancouver. Dennoch setzte er seine Laufbahn fort, nun mit einer Patenschaft des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD). Das brachte ihn voran. Bei den Amerika-Pazifik- Meisterschaften 2011 schaffte Banani in Calgary als Dritter seinen ersten Podestplatz und ließ dabei sogar zwei US-Rodler hinter sich. "Bruno ist so bescheiden, er hat sich auf dem Podium bei allen entschuldigt, die er bezwungen hat", erinnerte sich Trainerin Barschinski.

Seine Olympia-Teilnahme steht seit dem 17. Dezember 2013 fest. "Der Traum ist wahr geworden. Meine Heimat Tonga bei den Olympischen Winterspielen zu repräsentieren, ist für mich eine große Ehre", schwärmte Banani. "Ich liebe die Schnelligkeit auf dem Rennschlitten und vergesse alles um mich herum, wenn ich mit bis zu 145 km/h die Bahn herunterfahre."

Banani ist in Sotschi der einzige Athlet seines Landes, als Team-Attaché Tongas läuft Mode-Unternehmer Willy Bogner auf. "Er hat sich über die Jahre wahnsinnig gesteigert", lobte Loch. "Er hat es jetzt auf jeden Fall im Griff. Ich finde es gut, dass er es durchgezogen hat. Das ist toll."

Sotschi ist Höhepunkt und womöglich auch Ende von Bananis Karriere. "Er ist neun Monate im Jahr nicht zu Hause, die familiären Bindungen sind aber sehr eng. Er hat oft Heimweh", offenbarte Trainerin Barschinski über den introvertierten, sehr zurückhaltenden Athleten. Seine Geschichte wird deshalb für die Nachwelt von anderen erzählt. Im Sommer soll sogar ein Dokumentarfilm herauskommen.

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