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Fan-Kampf gegen Windmühlen: FC der Verlierer

20. September 2015 22:55
Die Mannschaft des 1. FC Köln hat einen Fan-Boykott nicht verdient.
Die Mannschaft des 1. FC Köln hat einen Fan-Boykott nicht verdient.
Foto: © imago

Nach der gedämpften Atmosphäre im Derby gegen Borussia Mönchengladbach hat der 1. FC Köln seine Anhänger wieder um mehr Unterstützung gebeten. Kein Wunder, denn aus der Fehde zwischen Fans und DFB geht der Club als Verlierer hervor.

Am Ende war sportlich alles paletti. Die Kölner hatten den verhassten Erzfeind aus Mönchengladbach 1:0 besiegt und den ersten Derby-Erfolg daheim seit zehn Jahren gefeiert – das trifft zumindest auf die Mannschaft zu. „Das muss ja jeder selber wissen, wie viel Spaß er beim Fußball haben will“, sagte FC-Coach Peter Stöger. „Die Spieler jedenfalls sitzen in der Kabine und haben Spaß.“

Auf der Südtribüne des RheinEnergie-Stadions war während der 90 Minuten die Stimmung weniger ausgelassen. Dass es im sonst hochemotionalen Fanblock – und im Gästeblock – der Kölner Spielstätte vergleichsweise still war, lag am Protest der Fans gegen den Deutschen Fußball-Bund. Personalisierte Tickets? Ein No Go! Stadionverbote? Geht gar nicht! Pyrotechnik? Ist kein Verbrechen!

Über den Sinn mancher doch recht vorschnellen Strafen seitens des DFB lässt sich zwar wahrlich streiten, doch bleibt die Frage, was die Anhänger wirklich glauben, gegen den größten Fußball-Verband der Welt tatsächlich ausrichten zu können? Ist es ernsthaft realistisch, dass der DFB einknickt und sich was ändert?

Kredit beim DFB nicht sonderlich groß

Eines darf man nicht vergessen: Die Fans haben sich die Suppe an Strafen selber eingebrockt – und die Fehde zwischen den Anhängern und dem DFB wird auf dem Rücken des Vereins ausgetragen. Geldstrafen hier, Teilausschlüsse und Tribünen-Sperrungen dort: In den vergangenen Jahren musste der Club vom Rhein zu oft für einen undisziplinierten Teil seiner Anhänger durch hohe finanzielle Einbußen bluten. Eine Tatsache, die dafür spricht, dass der Kredit des ‚Effzeh‘ und seiner Fans beim Verband nicht unbedingt der größte sein dürfte.

Immer wieder gerät der Verein dabei auch selbst in die Schusslinie der Ultras. Gegen Gladbach gab es das eine oder andere Transparent gegen Sportdirektor Jörg Schmadtke, der sich über den Boykott beschwert hatte. Präsident Werner Spinner war nach den Sanktionen im Zuge des letzten Derbys in Gladbach der Buhmann, als die Ultra-Gruppierung ‚Boyz‘ kollektiv wegen unschöner Szenen bestraft worden war, um größeren Schaden vom Verein abzuwenden.

Der Aufstand der FC-Ultras gegen den DFB überschattet dabei den großen sportlichen Erfolg des Clubs. 10 Punkte nach fünf Spielen im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg sind etwas, worauf die Kölner sehr stolz sein können, und womit sich die Mannschaft den bedingungslosen Support aller Fans mehr als verdient hat. Dass die Empörung der Ultras über die ‚Fußball-Mafia DFB‘ größer ist als die Hochachtung vor dem Geleisteten, wird dem nach Ewigkeiten endlich wieder seriös geführten Verein, der jahrelang als „Chaos-Club“ verschrien war, einfach nicht gerecht. Die Fan-Proteste gegen den DFB wirken wie der oft zitierte Kampf gegen Windmühlen – in dem leider der Verein wie der Verlierer aussieht.

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