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Schiedsrichter-Ikone schreibt Bundesliga-Geschichte

Legendärer Alkohol-Fauxpas: Pausenpfiff nach 32 Minuten

08.11.2019 13:22
Auf und abseits des Platzes eine Legende: Kult-Schiri Wolf-Dieter Ahlenfelder
Auf und abseits des Platzes eine Legende: Kult-Schiri Wolf-Dieter Ahlenfelder

Am 8. November 1975 pfiff Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder bei der Bundesliga-Partie zwischen Werder Bremen und Hannover 96 bereits nach 32 Minuten zur Pause. Der Alkohol war nicht ganz unschuldig am Fauxpas des Kult-Referees.

Um kurz nach 16 Uhr trauten Spieler und Zuschauer im Bremer Weser-Stadion ihren Ohren nicht. Wolf-Dieter Ahlenfelder bat Werder und 96 zur Halbzeitpause, 32 Minuten waren erst auf der Uhr.

Inmitten allgemeiner Ungläubigkeit und Verwunderung ließ der Referee zwar zunächst weiterlaufen. Rund anderthalb Minuten vor Ende der regulären Spielzeit läutete Ahlenfelder dann aber endgültig die Halbzeitpause ein.

Der verfrühte Pausenpfiff wurde zur Legende. Ebenso wie der Referee, der ihn ausführte. Ahlenfelder galt in der Spielerzunft als einer der Beliebtesten seines Fachs.

Sein Umgang mit den Spielern wurde als wohltuend direkt und offenherzig empfunden. Ahlenfelder agierte stets mit dem richtigen Spruch auf den Lippen.

Lagen die Profis nach Zweikämpfen zu lange am Boden, kam von ihm auch auch schon einmal ein Kommentar wie "Junge, steh' auf, die Rasenheizung ist nicht an".

Weltmeister Paul Breitner machte mit der Schlagfertigkeit und Gelassenheit des Unparteiischen Bekanntschaft, als er ihn während einer Bundesligapartie anraunzte: "Ahlenfelder, du pfeifst wie ein Arsch!" Woraufhin der gebürtige Oberhausener locker entgegnete: "Breitner, kann es sein, dass du spielst wie ein Arsch?"

Wolf-Dieter Ahlenfelder: "Männer trinken keine Fanta"

Heute undenkbar, zu seiner Zeit Kult: Ahlenfelder hatte seine ganz eigene Auffassung von der Rolle des Referees auf dem Platz: "Der Schiedsrichter muss Designer des Regelwerkes sein. Er muss ein bisschen mehr Pepp drauf haben und sagen: Ich pfeif so, wie ich das auslege."

Mehr als 100 Mal leitete Ahlenfelder eine Partie  in der Bundesliga. Mit der Auslegung der Halbzeitlänge übertrieb er es nur einmal, eben beim legendären Früh-Pfiff in Bremen.

Nach seinem großen Fauxpas gab Ahlenfelder zu, auf dem Platz nicht ganz nüchtern gewesen zu sein: "Wenn ich sage, dass ich Wasser und Fanta getrunken habe, dann wäre das eine Lüge."

Vielleicht auch deswegen ignorierte der Unparteiische den heute ebenfalls legendären Hinweis von Bremens Nationalspieler Horst-Dieter Höttges: "Schiri, da kann etwas nicht stimmen, mein Trikot ist noch ganz trocken."

In der Region ist Ahlenfelder trotz oder gerade wegen seiner offenherzigen Alkohol-Beichte Kult. Noch heute werden Kneipenbesucher in Bremen bei Bestellung eines "Ahlenfelders" mit einem Pils und einem Malteser bedient.

Dass Ahlenfelder dem ein oder anderen Kaltgetränk durchaus zugetan war, illustriert außerdem noch eine weitere unnachahmliche Aussage des Unparteiischen. 

Als einmal auf dem Lauterer Betzenberg mehrere Flaschen aufs Feld flogen, sagte er: "Die leeren Flaschen sofort zurück! Die Vollen einsammeln, in der Halbzeit werden wir uns lecker einen kredenzen!"

Mats-Yannick Roth

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