Vor dem Champions-League-Kracher zwischen dem FC Arsenal und dem FC Bayern (ab 21:00 Uhr im LIVE-Ticker) ruhen bei den Gunners große Hoffnungen auf Mikel Merino, der sich in Nordlondon zur Allzweckwaffe entwickelt hat. Beim BVB wusste man mit dem Spanier einst weniger anzufangen.
Für Spieler wie Mikel Merino wurde der spanische Begriff todoterreno wohl erfunden. Wer so gerufen wird, hat sich meist durch Vielseitigkeit einen Namen gemacht, durch Qualität auf verschiedenen Positionen, ein waschechter Allrounder eben.
Merino, einst als zentraler Mittelfeldspieler vom FC Arsenal verpflichtet, wurde von Erfolgscoach und Landsmann Mikel Arteta in den vergangenen Monaten immer wieder auf der Neunerposition eingesetzt, wenn auch verletzungsbedingt nicht ganz freiwillig.
Wo die meisten Akteure mutmaßlich mit Anpassungsproblemen zu kämpfen hätten, lieferte der 29-Jährige erstaunlich schnell das, was erwartet wurde: Tore. Und Vorlagen. 13 Scorer (acht Treffer, fünf Vorlagen) an der Zahl, verteilt auf 19 Einsätze im Sturmzentrum.
"Mikel hat in seiner Karriere noch nie auf dieser Position gespielt, aber wir hatten gute Erfahrungen in der letzten Saison", begründete Arteta die Umversetzung des amtierenden Europameisters unlängst.
Da hatte Merino gerade mit einem Doppelpack das Champions-League-Auswärtsspiel bei Slavia Prag zugunsten Arsenals entschieden. Es war der vierte Zu-Null-Sieg im vierten Match, nur der FC Bayern steht aufgrund seiner mehr geschossenen Tore derzeit noch vor dem englischen Ligaprimus.
Und nun kommt es zum direkten Duell im Emirates Stadium. Voraussichtlich wieder mit Merino in vorderster Front.
DFB-Schreck Merino beweist Köpfchen
"Ich versuche einfach, mich in die Rolle der Nummer neun hineinzuversetzen, auch wenn ich kein klassischer Neuner bin und nicht als Neuner geboren wurde", gab sich Merino nach seinen jüngsten Toren bescheiden.
Der gebürtig aus Pamplona stammende Linksfuß weiß seine 1,89 Meter Körpergröße unheimlich geschickt einzusetzen, ist speziell nach Kopfbällen eine echte Waffe. Sechs seiner bisherigen zwölf Treffer für Arsenal erzielte er so, auch die deutsche Nationalmannschaft bekam Merinos Qualitäten in der Luft beim Heim-EM-Aus im Viertelfinale 2024 zu spüren.
| Position | Einsätze | Tore | Vorlagen |
| Zentrales Mittelfeld | 40 | 4 | 2 |
| Mittelstürmer | 19 | 8 | 5 |
| Offensives Mittelfeld | 1 | - | - |
Arteta dazu: "Ich war immer der Meinung, dass er ein sehr gutes Timing und die Fähigkeit hat, im Strafraum abzuschließen, insbesondere mit einer Berührung."
Zugute kommt dem Neo-Goalgetter dabei, dass Arsenal nach Standards das aktuell wohl gefährlichste Team Europas ist. Am Mittwoch könnten ruhende Bälle ein entscheidender Faktor werden: Spätestens nach den beiden Gegentoren beim 6:2 gegen den SC Freiburg ist die Schwäche des FC Bayern nach Ecken und Freistößen nicht mehr wegzudiskutieren.
Dass er überhaupt in den Angriff versetzt wurde, hat Merino derweil dem Verletzungspech von gleich drei namhaften Arsenal-Stürmern zu "verdanken". Kai Havertz und Gabriel Jesus fallen seit Monaten aus, auch Star-Einkauf Viktor Gyökeres war zuletzt nicht fit.
So schlug die Stunde des Spaniers - und der nutzte sie.
Beim BVB unter Tuchel gescheitert
Überhaupt genießt Merino in London einen hervorragenden Ruf. Dass die umgerechnet rund 32 Millionen Euro, die Arsenal im Sommer '24 an Real Sociedad überwiesen hatte, gut angelegt waren, ist unbestritten.
Zweikampfstark, lauffreudig, mannschaftsdienlich - der frühere Dortmunder bringt genau die Qualitäten ein, die ihn schon in San Sebastian ausgezeichnet hatten. Und ihm längst einen festen Platz im Kader der spanischen Nationalmannschaft eingebracht haben.
Apropos früherer Dortmunder: Der deutsche Fußball ist für Merino kein Neuland, kurz nach seinem 20. Geburtstag hatte der damalige Shootingstar von CA Osasuna im Juli 2016 beim BVB angeheuert. Kostenpunkt: 3,75 Millionen Euro.
Nach nur einer Saison brach er seine Zelte bei der Borussia aber schon wieder ab. Der damalige Dortmunder Trainer Thomas Tuchel hatte keinerlei Verwendung für Merino gefunden, setzte ihn wettbewerbsübergreifend nur neun Mal ein.

312 Spielminuten und zwei Startelf-Einsätze waren ihm zu wenig, die Flucht zu Newcastle United folgte. Glücklich wurde Merino freilich auch dort nicht, 2018 ging es daher zurück in die Heimat zu Real Sociedad - der Rest ist Geschichte.
Nutzt Merino die Standardschwäche des FC Bayern?
Später sagte Merino im Interview mit sport.de über seine kurze Zeit in Dortmund: "Am Ende hat es nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. [...] Es war nicht der beste Zeitpunkt für mich, um den nächsten Schritt zu machen."
Besser war das Timing dann bei der Unterschrift unter seinem Arsenal-Vertrag. Bis 2028 ist Merino noch an den Klub gebunden, beide Seiten sind bislang total zufrieden. Dabei war er in der Vorsaison nicht einmal Stammspieler.
Auch ohne Ausbildung als Mittelstürmer: Der FC Bayern sollte vor todoterreno Merino, Arsenals Allzweckwaffe, gewarnt sein.





























