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Spanier interessiert die Heim-WM nicht

19.01.13
Spanier interessiert die Heim-WM nicht
Kann alleine jubeln: Alberto Rodriguez Enterrios.
Foto: dpa bildfunk
Spanien muss bei der 23. Handball-Weltmeisterschaft wohl den Titel holen, damit auf der iberischen Halbinsel überhaupt jemand merkt, dass dieses Turnier stattfindet. Dabei ist Spanien Gastgeber und die Organisatoren hatten sich so viel vorgenommen, um die Sportart Handball wieder populärer zu machen.

Doch in Spanien überstrahlt König Fußball den Rest der Sportwelt noch mehr, als dies in Deutschland der Fall ist. Bei den vier täglich erscheinenden Sportzeitungen steht der Fußball auf der Titelseite. Guardiola geht nach München, Valdes will nicht länger Torhüter bei Barcelona sein, dann der Streit zwischen Iker Casillas und Trainer Jose Mourinho bei Real Madrid und schließlich sogar das Foto der halbnackten schwangeren Shakira, die von ihrem Freund Gerard Pique umarmt wird.

Handball hat da keine Chance. Denn nach den üblichen 16 Seiten über den FC Barcelona und 12 Seiten über Real Madrid läuft in den Gazetten sogar Motorsport der WM noch den Rang ab. Die Spanier sind verrückt nach röhrenden Motoren und den Abenteuern der Teilnehmer der Dakar-Rallye. Auch Tennis ist dank Rafael Nadal immer noch eine Riesennummer und weil derzeit die Australian Open laufen, bleibt für Handball noch weniger Platz.

Auch Basketball nimmt größeren Raum ein als Handball, selbst der am Comeback bastelnde lanzeitverletzte Tenniscrack Rafael Nadal bekommt mehr Zeilen gewidmet. Manche Zeitungen schaffen es, den Handball komplett zu verdrängen. Die in Barcelona erscheinende La Vanguardia brachte eine Doppelseite über die Schneelage in den Pyrenäen, aber nicht einmal die Ergebnisse der Handball-WM.

Ohne deutsche Fans wäre in Spanien wenig los.
Foto: Getty Images/Bongarts

Gute Stimmung nur bei Franzosen und Deutschen

Dabei sollte doch noch einmal der Olympische Geist von 1992 Einzug halten, die Organisatoren wollten auch im Hinblick auf die Olympia-Bewerbung von Madrid für die Spiele 2020 der Welt zeigen, dass sie Großereignisse planen und inszenieren können.

Im Palau d’Esports in Barcelona wurden damals Olympische Medaillen im Handball vergeben. Auch das nur 25 Kilometer entfernte Granollers war damals Spielort, vor allem bei der Frauen-Konkurrenz. Und schließlich gehören sowohl der FC Barcelona als auch BM Granollers im spanischen Handball zu den festen Größen, die es auch international zu Ruhm und Ehren schafften. Zuletzt stand Granollers 2010 im Europapokalfinale der Pokalsieger dem VfL Gummersbach gegenüber und verlor nur knapp.

Die Deutschen trugen ihre Vorrundenspiele in Granollers und Barcelona aus. Leider fanden sich in der Halle kaum Spanier. Man muss den deutschen und französischen Fans dankbar sein, dass sie sich auf den Weg in die katalanische Metropole gemacht haben. So ist die Stimmung wenigstens bei den Spielen der DHB-Auswahl und der Equipe Tricolore gut.

Dabei sind die Ticketpreise wirklich moderat. Für 15 bis 25 Euro bekommt man eine ganztägig gültige Eintrittskarte. Das heißt, man darf sich drei Vorrundenspiele anschauen.

Die Finalrunde der WM findet ebenfalls im Palau d’Esports in Barcelona statt. Dank der bisher gezeigten Leistungen der spanischen Mannschaft ist davon auszugehen, dass die Gastgeber noch dabei sein werden und um den Titel kämpfen können. Mal sehen, ob sich dann ein paar Spanier in die Halle verirren.

Aus Barcelona: Oliver Scheel