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Interview-Affäre: Podolski wehrt sich gegen Sanktionen

13.02.12
Lukas Podolski
Lukas Podolski verfolgte das 01: seiner Kölner gegen Hamburg verletzt von der Tribüne
Foto: Getty Images/Bongarts
Lukas Podolski weiß nur zu genau, was er mit seinem umstrittenen Interview, in dem er die Clubpolitik des 1. FC Köln angegriffen hatte, ausgelöst hat. "Wenn der Verein das kritisch sieht, dass ich das Interview nicht habe autorisieren lassen, kann ich das nachvollziehen", sagte der 26-Jährige der 'Bild'.

Podolski hatte dem FC in der 'Bild am Sonntag' in überraschend scharfem Ton Konzeptlosigkeit, nicht eingehaltene Versprechen und fehlende Perspektive vorgeworfen. Das Pikante daran: Podolskis Management hatte die Aussagen in unautorisierter Form herausgegeben. Nicht wenige werteten seine öffentliche Kritik als erste Abschiedsankündigung. Der Vertrag des Publikumslieblings läuft bis 2013.

Köln will dennoch so schnell wie möglich mit seiner Identifikationsfigur verlängern, wie Geschäftsführer Claus Horstmann noch einmal bestätigte: "Das hat oberste Priorität", sagte Horstmann. Aber vor ernsthaften Gesprächen muss Podolski erst einmal zum Rapport. "Auch Lukas muss sich an die Spielregeln halten. Hier wurden die Spielregeln deutlich überschritten, und das akzeptieren wir nicht", so Horstmann. Podolski muss mit einer Geldstrafe in fünfstelliger Höhe rechnen.

"Das ist ein Affront gegen den Verein. Zeitpunkt und Inhalt dieses Interviews kommen für mich sehr überraschend. Wenn man selbst immer Ruhe einfordert, in dieser Situation als verletzter Spieler ein solches Interview zu geben - dieses Selbstverständnis erschließt sich mir nicht", sagte Horstmann dem 'Express'. "Die Aussagen kommen ja nicht zum ersten Mal, aber zu einer für den Spieler und für den Verein denkbar ungünstigen Zeit. Mir ist nicht ganz klar, welche Absicht dahinter steckt. Aber das ist zum wiederholten Mal ein klarer arbeitsvertraglicher Verstoß, den wir sanktionieren werden."

Für die harsche Reaktion der FC-Verantwortlichen und die angedrohten Sanktionen zeigt Podolski hingegen wenig Verständnis. "Von den aktuell handelnden Personen habe ich keinen angegriffen", verteidigte er sich.

Podolski hält es mit Daums Aussage

"Wenn man schaut, welche Perspektiven mir aufgezeigt wurden und was am Ende dabei rausgekommen ist, ist das enttäuschend", hatte Podolski im besagten Interview geklagt. "Hier fehlt Kontinuität. Regelmäßig werden Trainer, Sportdirektor und jetzt auch das Präsidium ausgetauscht. Klar gesagt: So kann langfristig nichts entstehen", schimpfte der Publikumsliebling weiter.

Im Gegensatz zu den ambitionierten Plänen der Clubführung habe sich beim FC seit seiner Rückkehr aus München im Jahr 2009 wenig geändert, moniert er. "Christoph Daum hat mal gesagt, dass viel versprochen und wenig gehalten wurde. Ich sehe mich darin bestätigt. Mittlerweile sieht der Mittelfeldspieler die Entwicklung des Traditionsclubs ähnlich kritisch wie der ehemalige Coach Daum: "Mir wurde gesagt, dass man um mich herum ein Team aufbauen will, dass sich unter den Top 8 und später unter den Top 6 der Liga etablieren soll."

Nach Podolskis Einschätzung sind keine Fortschritte erkennbar: "Man versucht jedes Jahr, nach vorn zu kommen, rennt immer wieder an. Wenn dann aber nicht viel mehr als Abstiegskampf herausspringt, ist das bitter. Ich habe mir etwas anderes erhofft, weil die Voraussetzungen viel mehr hergeben. Stadion und Fans sind einzigartig."

Angesichts dieser Entwicklung liebäugelt Kölns derzeit bester Torschütze mit einem Vereinswechsel: "Wenn ich wechseln sollte, würde mich - Stand jetzt - das Ausland sehr reizen." Aber auch eine Rückkehr zum FC Bayern, bei dem er sich damals nicht als Stammspieler etablieren konnte, sei denkbar. Podolski verwies auf sein gutes Verhältnis zum Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß: "Von den Leuten im Fußballgeschäft schätze ich ihn am meisten in Deutschland. Wenn es wirklich Interesse gibt, wird er sich bestimmt melden. Ausschließen werde ich gar nichts."
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