Stögers Vermächtnis: Teil der Kölner Klubgeschichte

07.12.2017 12:10
Peter Stöger nach seinem letzten Spiel auf Schalke
Peter Stöger nach seinem letzten Spiel auf Schalke

Die Ära Peter Stöger fand in Köln ein unwürdiges Ende. Doch nicht nur das Europa-League-Spiel bei Roter Stern Belgrad erinnert daran: Er geht als einer der wichtigsten Trainer in die Klubgeschichte ein.

Zum Abschied sagte Peter Stöger dem 1. FC Köln nur leise Servus. Der Wiener besuchte am Mittwoch noch einmal das Geißbockheim, seine frühere Mannschaft war dort Stunden zuvor zum Europa-League-Spiel bei Roter Stern Belgrad aufgebrochen. Stöger nutzte die Ruhe, verabschiedete sich von Mitarbeitern der Geschäftsstelle, schoss Fotos, kaufte im Fanshop ein. Und fuhr dann die Franz-Kremer-Allee entlang, während das Klubhaus im Rückspiegel immer kleiner wurde.

"Wären wir nur ein halbes Jahr hier gewesen und hätten keinen Erfolg gehabt, dann wäre das freilich etwas ganz anderes", sagt Stöger über das Ende seiner Amtszeit. Doch der 51-Jährige war viereinhalb Jahre FC-Trainer, das ist Kölner Rekord. Er führte die Mannschaft aus der zweiten Liga in den Europapokal. Da bleibt vieles hängen.

Wehrle: "Verstehe jeden, der traurig ist"

Das gilt auch ganz besonders für die Fans. Die Wut der Anhänger trifft seit der Trennung den Vorstand mit voller Wucht. Viele treten aus dem Verein aus, manche wollen eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, um die Klubspitze zu stürzen - sie fühlen sich betrogen. Um einen Traum, in dem der Klub nicht mehr den Trainer wechseln muss. Weil er den richtigen gefunden hat. Viele Fans wären mit Stöger auch in die zweite Liga gegangen.

"Ich verstehe jeden, der traurig ist", sagt Geschäftsführer Alexander Wehrle, "ich bin es selbst. Manche vergessen, dass Peter Stöger der erste Trainer ist, den ich in meiner Funktion beim FC verpflichtet habe. Als wir damals um ihn kämpften, wussten wir wirklich nicht, was für ein Höhenflug folgen sollte."

In der Tat war diese Erfolgsgeschichte nicht absehbar. Stöger war mit Austria Wien 2013 gerade Meister geworden, in Deutschland aber weitgehend unbekannt. Die Kölner hatten sich in den Jahren zuvor schon an kreativen Lösungen versucht und Trainer aus kleineren Ligen verpflichtet. Marcel Koller, Hanspeter Latour, Stale Solbakken, das hatte nicht funktioniert. Auch die Erwartungen an Stöger waren überschaubar.

Stöger gelassen: "Das Leben geht weiter"

Doch der neue Trainer bewies schnell, dass er ein guter ist. Er ließ pragmatischen Fußball spielen, stellte seine Mannschaft so ein, dass sie ihre Stärken zeigen konnte und die Schwächen nicht so wichtig waren. Auf diese Weise stieg der FC auf, holte in der Bundesliga die Plätze zwölf und neun - und zog dann als Fünfter erstmals nach 25 Jahren in den Europapokal ein. Auch das Spiel der Mannschaft wurde mit den Jahren immer variabler.

Doch der Absturz in den vergangenen Monaten war umso härter, der Klub steht nach 14 Spieltagen und drei Punkten historisch schlecht da. Lange wollte man trotzdem an Stöger festhalten, spät sah sich der Vorstand zum Handeln gezwungen.

Stöger hat sich wohl dennoch einen Namen in Deutschland gemacht, "ich glaube, dass mein Co-Trainer Manfred Schmid und ich wieder eine Möglichkeit kriegen werden", sagte er dem "Kurier": "Das Leben geht weiter." In Köln hat sein Name ohnehin einen festen Platz. Stöger geht als einer der wichtigsten Trainer in die Klubgeschichte ein.