Real-Pleite als moralischer Schub für den BVB?

07.12.2017 11:36
Die Dortmunder Akteure nach der Pleite in Madrid
Die Dortmunder Akteure nach der Pleite in Madrid

Borussia Dortmund sieht eine Niederlage als Schritt in die richtige Richtung. Am Samstag gegen Werder Bremen geht es für Trainer Peter Bosz um alles.

Ein sehnsüchtiger Blick aus dem Flugzeug auf das Bernabeu-Stadion, dann war eine unwürdige Champions-League-Saison für Borussia Dortmund Geschichte. Das "Geschenk" Europa League wollte angesichts eines peinlichen Rekordes nach dem 2:3 (1:2) bei Real Madrid noch niemand so recht annehmen - alle Konzentration soll dem richtungweisenden Ligaspiel gegen Werder Bremen am Samstag gelten. Für Trainer Peter Bosz könnte es das letzte sein.

"Dieses Spiel", sagte Nuri Sahin und wurde mit jedem Wort eindringlicher, "müssen wir unbedingt gewinnen. Wir hatten jetzt viel wenn, viel aber. Diese drei Punkte müssen her", koste es, was es wolle: "Rote Karte, Gelbe Karte, es gibt keine Ausreden!"

Die gab es aber - fast schon wie üblich - nach einer weiteren Niederlage gegen ein weitgehend lustloses B-Team des spanischen Titelverteidigers ohne Gareth Bale, Toni Kroos oder Karim Benzema. Sahin musste selbst darüber lachen. "Wir stehen jede Woche da, verlieren und sagen dann, das war ein Schritt nach vorne", stellte er fest. "Aber es hätte hier böse enden können. Es spricht für unseren Charakter, dass wir zurückgekommen sind und das 2:2 erzielt haben." Der Mittelfeldspieler rief alte Helden in den Zeugenstand: "Ich habe eben lange mit Kaka und Fabio Cannavaro gesprochen. Die haben mir das bestätigt."

Bosz formuliert Ziele für die Europa League

Der BVB scheint seine Moral wiederentdeckt zu haben. "Wir haben erkannt, dass einige Dinge nicht mehr akzeptabel sind", berichtete Neven Subotic über eine knallharte Mannschaftssitzung nach dem 4:4 im Derby gegen Schalke 04. Es war offensichtlich ein reinigendes Gewitter. "Wenn wir da nicht so deutlich, so ehrlich gewesen wären, hätten wir hier nicht das 2:2 gemacht", sagte Sahin.

Allerdings war später noch das 3:2 für Real gefallen - zum siebten Mal im 22. Pflichtspiel dieser Saison kassierten die Dortmunder drei oder mehr Gegentore. So lassen sich schwerlich Spiele gewinnen: Nur ein Sieg aus den vergangenen zwölf Spielen steht zu Buche, und der "zählt für mich nicht, das war Pokal", sagte Sahin. So musste es als moralischer Sieg gewertet werden, ein Debakel verhindert zu haben. Es bleibt ein unrühmlicher Rekord: Keine Mannschaft zuvor hatte mit nur zwei Punkten noch die Europa League erreicht. "Dort wollen wir so weit wie möglich kommen", sagte Bosz, der sich ansonsten sehr zurückhielt.

Sahin: "Müssen uns weiter den Arsch aufreißen"

Eine ähnlich schlechte deutsche Mannschaft in der Königsklasse hat es nur 2002/03 gegeben, als der FC Bayern mit zwei Punkten ausschied. Der BVB verblieb zumindest im Europapokal, wo es in der Zwischenrunde gegen einen der zwölf Europa-League-Gruppensieger oder einen der vier besseren Gruppendritten der Champions League geht. Gelost wird am Montag in Nyon, gespielt am 15. und 22. Februar.

"Es ist ein Geschenk, die Europa League mit zwei Punkten erreicht zu haben", sagte Sahin, der als Meinungsführer voranschritt. Diese stammen aus zwei blamablen 1:1 gegen APOEL Nikosia. Sahin warnte: "Weitere Geschenke werden nicht kommen. Wir müssen uns weiter den Arsch aufreißen." Wohl nur ein Sieg gegen Bremen kann Bosz den Job retten.