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Todt offenbart bezeichnenden Moment mit Schumi

05.12.2017 17:44
Ein Bild aus alten Zeiten: Der heutige FIA-Boss Todt (re.) zusammen mit Schumi
Ein Bild aus alten Zeiten: Der heutige FIA-Boss Todt (re.) zusammen mit Schumi

Jean Todts großer Traum ist am Montagabend Realität geworden: Die vom FIA-Präsidenten ins Leben gerufene "Hall of Fame" wurde in Paris im Hauptquartier des französischen Automobilklubs im Beisein von neun Formel-1-Weltmeistern eröffnet.

Der erfolgreichste fehlte allerdings: Todts Freund Michael Schumacher. Dennoch stand der Abend ganz klar im Zeichen des siebenmaligen Weltmeisters.

"Wir vermissen Michael", würdigte Todt seinen ehemaligen Ferrari-Schützling mit berührenden Worten. "Er ist immer noch hier und er kämpft weiter." Und er verwies in seiner Rede auf zwei außergewöhnliche Augenblicke, die seinen Freund laut eigenen Angaben sehr gut beschreiben. Todt erinnert sich an die Podestzeremonie in Suzuka, als er und Schumacher im Jahr 2000 den ersten Ferrari-Titel seit 21 Jahren feierten.

"Ich habe zu Michael gesagt: Unser Rennfahrerleben wird nie mehr das selbe sein", erzählt Todt. "Dieser Tag in Suzuka war der größte Moment meiner Karriere." Doch nur wenige Wochen später erlebte Todt mit Schumacher einen Moment, der bei ihm für Verwunderung sorgte.

"Er war immer voller Zweifel"

"Wir haben die Saison 2000 mit dem Titel beendet, aber als die Saison 2001 bevorstand, fragte er mich ganz schüchtern - und er ist ein schüchterner Typ, auch wenn er arrogant wirkt -, ob ich ihm in Fiorano ein paar Runden erlauben würde, um sicherzugehen, dass er es noch kann", so Todt. "Er war immer voller Zweifel, ob er ein guter oder ein nicht so guter Fahrer ist. Dann testete er, und es war nicht so schlecht."

Todt bemühte sich, Schumachers Ehefrau oder seinen Sohn als Vertretung für den siebenmaligen Weltmeister nach Paris zu holen, doch während Mick Schumacher in Spanien testete, weilt Corinna Schumacher in den Vereinigten Staaten. Und so hielt dessen Managerin Sabine Kehm die Rede für ihren engen Vertrauten.

Kehm vertritt den Rekord-Weltmeister

"Michael sollte eigentlich hier sein, und ich bin ganz sicher, dass er liebend gerne hier wäre", meinte Kehm, die sich als "schwachen Ersatz" bezeichnete. "Er hatte immer den größten Respekt vor jedem in diesem Raum und hätte sich sehr geehrt gefühlt."

Laut Kehm wäre Schumacher mit Sicherheit auch stolz auf Todts Errungenschaft. Abschließend betont, sie dass es nicht nur die eiserne Disziplin war, die Schumacher zum erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Geschichte gemacht hat. "Was ihn wirklich so erfolgreich gemacht hat, sind die Liebe und Leidenschaft für diesen Sport."

Während sich Sir Jackie Stewart, Mario Andretti, Alain Prost, Nigel Mansell, Damon Hill, Jacques Villeneuve, Nico Rosberg sowie die noch aktiven Champions Fernando Alonso und Sebastian Vettel die Ehre gaben, glänzte der amtierende Weltmeister Lewis Hamilton übrigens mit Abwesenheit.

Worum es FIA-Boss Todt geht

Doch was ist das Ziel von Todts Bemühungen um eine Ruhmeshalle, wie sie in den US-Sportarten längst üblich ist? Laut eigenen Angaben geht es ihm um "Werte wie Hingabe, Integrität, Respekt und Sportsgeist", die von den Weltmeistern repräsentiert werden. Die Eröffnungszeremonie sei nur der erste Schritt seines Vorhabens.

"Die Ruhmeshalle wird bald im FIA-Hauptquartier in Genf erweitert werden, und in den kommenden Jahren werden auch andere Disziplinen und Weltmeister im Scheinwerferlicht stehen", kündigt er an. Auf diese Weise wolle man alle Weltmeister feiern, die die Historie des Motorsports so "reichhaltig und inspirierend" machen.

Vettel als Fan der "Hall of Fame"

Ein Champion, der mit Todts Ruhmeshalle seine wahre Freude hat, ist Ferrari-Star Sebastian Vettel, auch wenn er den WM-Titel dieses Jahr verfehlt hat. Denn kaum ein aktueller Formel-1-Pilot der Gegenwart ist dermaßen geschichtsbewusst wie der viermalige Weltmeister. "Es ist unglaublich, all diese Namen und Gesichter zu sehen", zeigt er sich angetan. Über viele der 33 Weltmeister habe er "nur gelesen, aber ich halte das für eine großartige Idee." Dadurch werde die Historie "am Leben gehalten".

Während Vettel sich stets als Bewunderer von Piloten wie Schumacher aber auch Legende Jochen Rindt outete, offenbarten viele andere Piloten, dass sie ebenfalls ehrfürchtig auf ihre Kollegen und Vorgänger blicken. "Ich bekam es kaum in meinen Kopf hinein, dass ich jetzt selbst Weltmeister bin", erinnerte sich Damon Hill an den Moment, als 1996 er als erster Sohn eines Champions selbst den Titel holte. "Und es ist toll, dass mir jetzt diese Ehre zuteil wird. Ich kann es kaum glauben, selbst Teil dieser Gruppe zu sein, wenn man Namen wie Andretti, Mansell, Prost und Stewart liest."

Alonso liefert Scherz des Abends

Sein Ex-Teamkollege Jacques Villeneuve - Sohn von Ferrari-Legende Gilles Villeneuve - schlug in die selbe Kerbe: "Ich bin damit aufgewachsen, diesen Champions zuzusehen, habe sie bewundert. Und dann habe ich es sogar geschafft, mit Emerson Fittipaldi und Mario Andretti gegen meine Kindheitsidole zu fahren."

Überraschenderweise zeigte sich sogar der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart voller Bewunderung für die Allzeit-Größen der Formel 1: "Ich habe Fangio, Farina und Ascari siegen sehen. Und es waren die größten Tage meines Lebens, zuzusehen wie es andere gemacht haben." Davon hat ein Formel-1-Star der Gegenwart allmählich genug: Fernando Alonso.

Der Spanier lieferte den Scherz des Abends, als er auf seine Pläne anspielte, mit Siegen in Monaco, beim Indy 500 und bei den 24 Stunden von Le Mans die Triple Crown des Motorsports erringen zu wollen. "Präsident Todt hat gemeint, dass die Ruhmeshalle des Langstreckensports im Jahr 2019 eröffnet wird. Ich habe also noch zwei Jahren Zeit ..."

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