Dahlmeier und Co.: Der Olympia-Formcheck

04.12.2017 15:26
Laura Dahlmeier (l.) und Viktoria Rebensburg greifen bei Olympia nach Edelmetall
Laura Dahlmeier (l.) und Viktoria Rebensburg greifen bei Olympia nach Edelmetall

In gut zwei Monaten beginnen in Pyongchang/Südkorea die Olympischen Spiele (9. bis 25. Februar). In einigen Sportarten und Disziplinen könnten die Wettbewerbe schon morgen beginnen, in anderen ist zum Teil noch deutlich noch Luft nach oben.

Die Athleten im großem Formcheck:

BIATHLON: Alles im grünen Bereich: Bei den Frauen kristallisiert sich eine Doppelspitze mit Östersund-Doppelsiegerin Denise Herrmann und "Königin" Laura Dahlmeier heraus. Nach der Pleite von Sochi (insgesamt zweimal Silber) verspricht das Duo für Olympia wieder "goldene Zeiten". Auch die Männer starteten gut in die Saison, Erik Lesser sprintete gleich aufs Podest.

BOB: In den Überseerennen waren die Leistungsschwankungen ernorm, immerhin konnten von sechs Saisonläufen drei gewonnen werden. Weltmeister Johannes Lochner und Nico Walther siegten jeweils einmal im Vierer, Walther gewann zudem im Zweier. Dennoch macht der kleine Schlitten Sorgen, vor allem, weil Weltmeister Francesco Friedrich noch viel zu weit hinterherfährt. Die Frauen zeigten bislang, dass sie an einem guten Tag auf das Podest fahren können.

CURLING: Beide deutsche Teams müssen sich noch für Pyeongchang qualifizieren. Zuletzt hatten die Skips Alexander Baumann und Daniela Jentsch bei der EM die Quali für die WM 2018 geschafft. Sollten sich Baumann und Jentsch das Olympia-Ticket holen, wären sie in Südkorea jedoch nur krasse Außenseiter.

EISHOCKEY: Der Deutschland Cup im November zeigte, dass die Spielerauswahl für Bundestrainer Marco Sturm ohne die Nordamerika-Legionäre nicht groß ist. Der frühere NHL-Profi muss hoffen, dass vor allem seine Schlüsselakteure wie etwa Christian Ehrhoff gesund bleiben. "Wenn wir nicht komplett antreten, dann reicht's nicht aus", betonte Verbandspräsident Franz Reindl.

EISKUNSTLAUF: Es läuft einfach bei Aljona Savchenko und ihrem Partner Bruno Massot: Die Vize-Weltmeister aus Oberstdorf haben zuletzt mit der bislang besten Kür ihrer gemeinsamen Karriere die Ambitionen auf olympisches Paarlauf-Gold unterstrichen. Zudem hat der 28-Jährige Massot endlich seine Einbürgerungsurkunde erhalten. "Wir sind im März nur ganz knapp am WM-Titel vorbeigeschrammt. Da kann es nur unser einziges Ziel sein, bei Olympia ganz oben auf dem Podium zu stehen", sagt Massot selbstbewusst.

EISSCHNELLLAUF: Deutschlands Rekord-Olympionikin Claudia Pechstein befindet sich in bestechender Form. Nach zwei Weltcup-Siegen gehört die 45-Jährige zum Favoritenkreis, besonders über 5000 m ist mit der fünfmaligen Olympiasiegerin zu rechnen. Die Langstreckler Patrick Beckert und Moritz Geisreiter liegen in Schlagdistanz zum Podium, Sprinter Nico Ihle steckt nach einem glänzenden Saisonstart dagegen in einer Krise.


Claudia Pechstein gehört zu den erfahrensten Sportlerinnen

NORDISCHE KOMBINATION: Nur ein Sieg nach fünf Rennen, Vierfach-Weltmeister Johannes Rydzek als bester Deutscher Vierter im Gesamtweltcup - die uneingeschränkte Dominanz der DSV-Kombinierer ist dahin, derzeit sind die Norweger besser. Im Springen schwächeln Eric Frenzel und Co., läuferisch stimmt hingegen die Form. Noch besteht im Hinblick auf Olympia kein Grund zur Sorge.

RODELN: Die deutschen Rodler sind wieder das Maß aller Dinge. Die Olympiasieger Felix Loch und Natalie Geisenberger haben im Weltcup die Goldspur gefunden, bei den Dopplern sind die Weltmeister Toni Eggert/Sascha Benecken derzeit nicht zu schlagen. Auch in der Teamstaffel liegt in Pyeongchang Gold für Deutschland bereit.

SHORTTRACK: Die Dresdnerinnen Anna Seidel und Bianca Walter sicherten sich die zwei erhofften Quotenplätze und dürfen gemeinsam nach Südkorea reisen. Mit großen Medaillenchancen reist das junge Duo allerdings nicht an, der Abstand zur Weltspitze ist zu groß.

SKELETON: Weltmeisterin Jacqueline Lölling und "Vize" Tina Hermann machen Hoffnung auf den ersten deutschen Olympiasieg im Skeleton. Lölling führt vor Hermann im Weltcup, gemeinsam holten sie bei den drei schwierigen Übersee-Rennen schon einen Sieg und drei Podestplätze. Auch alle drei Männer sind auf dem besten Weg, die Nominierungskriterien zu erfüllen, vor allem Vize-Weltmeister Axel Jungk ist ein Medaillen-Kandidat.

SKI ALPIN: Felix Neureuther (1 Saisonsieg) fällt derzeit aus - trotzdem könnte Olympia morgen beginnen: Viktoria Rebensburg (2 Siege, 1 zweiter Platz) in großartiger Form, die Abfahrer mit dem ersten Podestplatz (Thomas Dreßen) seit 2010, Stefan Luitz auf Anhieb Dritter, dazu viele beachtliche Platzierungen. Besser geht's kaum.


Thomas Dreßen ist ein Geheimtipp

SKI FREESTYLE: Goldhoffnung Lisa Zimmermann wird nach einem Kreuzbandriss die Olympia-Qualifikation wohl kaum schaffen. Die Skicrosser sind noch nicht in die Saison gestartet.

SKILANGLAUF: Es sollte weiter aufwärts gehen, bislang ist die Olympiasaison aber ein Rückschritt. Ein 18. Platz für Sprinterin Sandra Ringwald beim Auftakt in Kuusamo war das beste Ergebnis, niemand hat auch nur einen Teil der Pyeongchang-Norm (einmal Platz acht oder zweimal Platz 15) erfüllt. Die Hoffnung liegt nun auf dem Saisondebüt von Nicole Fessel, der besten Distanzläuferin.

SNOWBOARD: Die Freestylerinnen Nadja Flemming und Silvia Mittermüller haben die deutsche Olympia-Norm erfüllt. Ob sie die internationale Qualifikation schaffen, entscheidet sich aber erst im Januar. Die Raceboarder sind noch nicht in die Saison gestartet.

SKISPRINGEN: Der Saisonauftakt hätte kaum besser laufen können. Je zwei Siege bei Frauen und Männern, Richard Freitag und Katharina Althaus führen im Gesamtweltcup, auch in der Breite überzeugten die DSV-Adler(innen). Die echten Gradmesser, angefangen mit dem ersten Heimspiel am kommenden Wochenende in Titisee-Neustadt, stehen aber noch an.


Richard Freitag gehört zu den deutschen Hoffnungen