Schröder & Co. am Scheideweg: Ausverkauf mit Folgen

13.10.2017 12:43
John Wall (l.) und Dennis Schröder spielen im Osten noch eine der besseren Rollen
John Wall (l.) und Dennis Schröder spielen im Osten noch eine der besseren Rollen

Eine knappe Woche müssen sich Basketballfans weltweit noch gedulden. Dann startet die neue NBA-Saison. Doch gerade im Osten, der "Heimat" von Dennis Schröder, Paul Zipser und Daniel Theis, droht die große Langeweile.

Dabei fand der Blockbuster-Trade des Sommers innerhalb der Eastern Conference statt: Kyrie Irving von den Cleveland Cavaliers bat überraschenderweise um einen Trade, als dankbarer Abnehmer fanden sich die Boston Celtics. Ein Wechsel, der den Osten der NBA in seinen Grundfesten erschütterte. Und tatsächlich versprechen die Duelle zwischen den Kelten und den Cavs einiges an Spannung. Zumal das erste Spiel zwischen beiden Teams auch noch die neue Saison einläutet.

Dahinter allerdings schaut es mau aus. Viel mehr hat die Eastern Conference qualitativ schlicht nicht zu bieten. Beispiele gefällig? Da wären die New York Knicks, die ihre Identifikationsfigur Carmelo Anthony verschacherten und seit Jahren auf der Stelle treten, oder die Miami Heat, die vor wenigen Jahren noch zweifacher Meister waren und nun das Tabellenmittelfeld ihre Heimat nennen. 

Schwache Trades für den Osten

Die Charlotte Hornets, Orlando Magic, Philadelphia 76ers oder Detroit Pistons werden auch diese Spielzeit aller Voraussicht nach nicht in den Playoffs landen. Und Teams wie die Atlanta Hawks um Dennis Schröder oder die Washington Wizards um John Wall scheiterten in der Vergangenheit trotz Umstrukturierungen frühzeitig.

Dass eine Umstrukturierung unter Umständen auch zu einem Fluch werden kann, könnten die Wizards am eigenen Leib erfahren. Sie statteten ihren Point Guard Wall im Sommer mit einem Wahnsinnsvertrag aus. Über sechs Jahre verteilt verdient der Spielmacher 207 Millionen US-Dollar. Zwar spielte der 27-Jährige zuletzt eine starke Saison (23,1 Punkte und 10,7 Assists), allerdings verbauten sich die Wizards damit auch die Möglichkeit, ein konkurrenzfähiges Team um ihren Superstar aufzubauen. Nach Walls Mega-Vertrag fehlt es schlicht an Geld, um weitere Akteure zu bezahlen.

Auch die Front Offices der restlichen Teams haben sich während der spielfreien Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Da wären die Chicago Bulls, die bereits 2016 ihren Hometown-Hero Derrick Rose verschifften und nun Superstar Jimmy Butler ohne nennenswerten Gegenwert zu den Minnesota Timberwolves verfrachteten.

Osten zu schwach für All-Star-Game

Ein weiteres Beispiel sind die Indiana Pacers, die ihrerseits Allstar Paul George an die Oklahoma City Thunder abgaben. Einige Fans sahen sich sogar genötigt, den Trade als Diebstahl bei der örtlichen Polizei zu melden (selbstverständlich ohne Erfolg).

Wendet man den Blick von den Celtics und Cavaliers ab, sind individuelle Talente oder schlagfertige Kollektive im Osten nicht vorhanden. Nicht ohne Grund hat die NBA vor Kurzem reagiert und den Modus des All Star Games neu gestaltet. Zwar wählen wie bisher Fans, aktive Spieler und Journalisten die zehn Starter, während Coaches die 14 Reservisten bestimmen. Allerdings teilen sich die Akteure nicht mehr auf in East und West.

Stattdessen werden zwei Mannschaftskapitäne aus Ost und West bestimmt. Die dürfen anschließend aus dem gesamten Playerpool frei wählen und ihre Allstar-Teams zusammenstellen. Das Motiv ist ziemlich eindeutig: Der Star-arme Osten gewann lediglich sechs der 17 letzten Begegnungen. Gerade während des All-Star-Breaks wollen die Fans aber einen spannenden Showdown zwischen Superstars sehen. Eben jene Superstars, die sich im Osten rar gemacht haben. 

Die Lage in der Eastern Conference ist mittlerweile prekär. Lange ist es her, dass Duelle zwischen den Chicago Bulls und den New York Knicks den Madison Square Garden elektrisierten, die Detroit Pistons mit ihrem knallharten Defensivspiel die Liga erzittern ließen oder die Orlando Magic mit berauschendem Basketball in die Finals stürmten. Auch die Spielzeit 2017/18 wird daran nichts ändern.

Simon Lürwer

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Tabelle

Atlantic Division
#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SNDiff.%
1Toronto RaptorsKanadaToronto RaptorsRaptorsTOR11017100.0
2Brooklyn NetsUSABrooklyn NetsNetsBKN211-450.0
3Boston CelticsUSABoston CelticsCelticsBOS312-133.3
4Philadelphia 76ersUSAPhiladelphia 76ers76ersPHI202-150.0
5New York KnicksUSANew York KnicksKnicksNYK101-210.0
Southeast Division
#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SNDiff.%
1Washington WizardsUSAWashington WizardsWizardsWAS2209100.0
2Charlotte HornetsUSACharlotte HornetsHornetsCHA211650.0
3Orlando MagicUSAOrlando MagicMagicORL211250.0
4Atlanta HawksUSAAtlanta HawksHawksATL211-1250.0
5Miami HeatUSAMiami HeatHeatMIA101-70.0
Central Division
#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SNDiff.%
1Cleveland CavaliersUSACleveland CavaliersCavaliersCLE22022100.0
2Indiana PacersUSAIndiana PacersPacersIND211-950.0
3Detroit PistonsUSADetroit PistonsPistonsDET211850.0
4Milwaukee BucksUSAMilwaukee BucksBucksMIL211-1150.0
5Chicago BullsUSAChicago BullsBullsCHI101-170.0
Northwest Division
#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SNDiff.%
1Portland Trail BlazersUSAPortland Trail BlazersBlazersPOR22066100.0
2Oklahoma City ThunderUSAOklahoma City ThunderThunderOKC11021100.0
3Minnesota TimberwolvesUSAMinnesota TimberwolvesWolvesMIN211-550.0
4Utah JazzUSAUtah JazzJazzUTA211750.0
5Denver NuggetsUSADenver NuggetsNuggetsDEN101-100.0
Pacific Division
#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SNDiff.%
1Los Angeles ClippersUSALos Angeles ClippersClippersLAC11016100.0
2Golden State WarriorsUSAGolden State WarriorsWarriorsGSW211750.0
3Sacramento KingsUSASacramento KingsKingsSAC211050.0
4Los Angeles LakersUSALos Angeles LakersLakersLAL211-1450.0
5Phoenix SunsUSAPhoenix SunsSunsPHX202-500.0
Southwest Division
#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SNDiff.%
1Houston RocketsUSAHouston RocketsRocketsHOU2206100.0
2Memphis GrizzliesUSAMemphis GrizzliesGrizzliesMEM11012100.0
3San Antonio SpursUSASan Antonio SpursSpursSAS1108100.0
4Dallas MavericksUSADallas MavericksMavericksDAL202-110.0
5New Orleans PelicansUSANew Orleans PelicansPelicansNOP202-200.0