Herthas Europa-Comeback bleibt kleines Kino

13.09.2017 15:51
Viele freie Plätze im Olympiastadion wird es wohl auch gegen Athletic Bilbao geben
Viele freie Plätze im Olympiastadion wird es wohl auch gegen Athletic Bilbao geben

Bei der Europa-League-Rückkehr nach siebenjähriger Abstinenz wartet auf Hertha BSC eine karge Zuschauerkulisse. Trotzdem wollen die Berliner gegen Athletic Bilbao überzeugen.

Stell dir vor, es ist Europa League - und keiner geht hin: Hertha BSC kennt die Probleme mit dem eigenen Publikum, selten ist das Olympiastadion voll. Doch vor der Rückkehr auf die europäische Bühne gegen Athletic Bilbao am Donnerstag sehen die Prognosen besonders düster aus. Dass die Fans trotz siebenjähriger Europacup-Abstinenz nicht enthemmt die Ticket-Schalter stürmen, liegt nicht zuletzt an der sportlichen Leistung der Berliner.

"Das ist die bittere Wahrheit, das muss man akzeptieren, so sind die Berliner", sagte Hertha-Trainer Pál Dárdai der "Bild". Am Dienstag waren gerade einmal 15.000 Karten für den Auftakt gegen den baskischen Kultklub verkauft worden.

Knapp 75.000 Menschen passen ins Stadion rein, meist zu groß für Hertha-Spiele. "Hier können wir das nur ändern, indem wir die K.o.-Phase erreichen, da geht es dann um alles oder nichts", sagte Dárdai.

Machbare Gruppe zieht keine Fans ins Stadion

Kämpferische Töne vom Coach, dem sich auch seine Spieler anschließen: "Wir wollen dort Spuren hinterlassen und hart kämpfen, um es in die nächste Runde zu schaffen", sagte Stürmer Mathew Leckie, der in den ersten drei Bundesliga-Partien dreimal getroffen hat.

Machbar ist das Weiterkommen allemal: Neben Bilbao warten in Gruppe J Zorja Lugansk und Östersunds FK. Kleines Kino also. Für das Zuschauerinteresse ist das wenig förderlich.

Doch Hertha ist das ja gewohnt. Beim bislang letzten Europa-League-Auftritt in der Zwischenrunde im Februar 2010 gegen Benfica Lissabon (1:1) hatten nur 13.684 Anhänger zugeschaut.

Fast alle Akteure aus dem heutigen Kader waren damals noch nicht im Verein, für viele von ihnen ist das Duell gegen Bilbao das erste Europacupspiel überhaupt. "Jeder ist aufregt - die Spieler, der Klub. Die Europa League ist etwas Besonderes", sagte Leckie.

Dárdai setzt auf Rotation

Um die favorisierten Basken zu packen, setzt Dárdai auf frisches Blut. "Wir wollen es genießen und werden auch rotieren", sagte der Ungar. Nach der Rumpel-Vorstellung in der Liga beim 1:1 gegen Werder Bremen gibt Dárdai im Tor Ersatzmann Thomas Kraft eine Bewährungschance, Sturm-Star Salomon Kalou soll auch wieder zur Anfangsformation gehören. Abwehrmann Karim Rekik soll trotz Trainingspause wegen Oberschenkelproblemen auflaufen.

Keine Sorgen macht sich Dárdai auf der Position des Torhüters, auf der Thomas Kraft anstelle von Stammkeeper Rune Jarstein zum Einsatz kommt. "Die Entscheidung haben wir schon lange getroffen. Er ist ein erfahrener Torwart. Aber er war lange nicht im Tor und muss konzentriert an die Sache gehen. Zuletzt hat er daher schon in der U23 gespielt. Er hat unser volles Vertrauen", sagte Dárdai.

Der Respekt des derzeitigen Bundesliga-Zehnten vor dem Vierten der Primera Division ist indes ungebrochen. In sieben Pflichtspielen der laufenden Saison blieb Athletic noch ohne Niederlage. Das weiß auch Hertha-Manager Michael Preetz: "Die sind groß, robust, defensiv kompakt, spielen ähnlich wie wir."