"Einfach verrückt": Dutkiewicz' Medaillen-Traum wird wahr

13.08.2017 11:53
Pummel-Pam war gestern - Dutkiewicz erfüllt sich den Medaillentraum
"Pummel-Pam" war gestern - Dutkiewicz erfüllt sich den Medaillentraum

Pamela Dutkiewicz wollte eigentlich gar nicht hinsehen, der Traum von einer Medaille schien geplatzt, glaubte sie.

"Ich hatte die Vier in meinem Kopf und habe gar nicht auf die Videowand geschaut", sagte Dutkiewicz hinterher über die bangen Sekunden nach ihrem Zieleinlauf: "Und dann schaue ich doch hoch, und mein Name steht neben der Drei." Bronze über 100 m Hürden, gleich bei ihrer WM-Premiere.

"Ich habe davon geträumt, kann es aber noch gar nicht glauben - einfach verrückt", sagte Dutkiewicz, nachdem die Freudentränen ein bisschen getrocknet waren: "Das ist wie in einem Film." Und tatsächlich war es ja ein Krimi, dieses Finale von London. Nach der zehnten und letzten Hürde war die 25-Jährige noch Fünfte, im Ziel dann nach 12,72 Sekunden aber Dritte. Schneller waren an diesem Abend nur die neue Weltmeisterin Sally Pearson (Australien/12,59) und Peking-Olympiasiegerin Dawn Harper-Nelson (USA/12,63).

Hinterher lief Dutkiewicz in die Arme ihres Freundes und ließ sich anschließend mit der Deutschland-Fahne um den Schultern ordentlich feiern. Mit Videos von ihren besten Läufen in dieser Saison hatte sich die Wattenscheiderin noch einmal heiß gemacht für den Showdown. "Es stehen für uns zehn Hindernisse im Weg. Natürlich hat man mal Zweifel", sagte sie: "Um mich zu bestärken, dass ich stabil 12,70er-Zeiten laufen kann, schaue ich mir diese Videos an."

Weg zum Erfolg mit Hindernissen

Um am Ende mit Bronze um den Hals jubeln zu können, musste Dutkiewicz allerdings in der Vergangenheit so einige Hindernisse aus dem Weg räumen. Vor zweieinhalb Jahren knickte sie beim Auslaufen nach der Hallen-DM so unglücklich um, dass in beiden Sprunggelenken sämtliche Bänder rissen. "Ich erinnere mich an ein Bild, wie ich auf der Bahn liege, wie viele Kilos da zu viel liegen", schrieb sie im März in einem Blog: "Das hat sich in meinen Kopf gebrannt. Aber das war mein Segen."

Dabei war Dutkiewicz schon immer superschnell, 2010 die drittbeste U20-Athletin der Welt. Aber auch eher ein Kraftpaket, keine sehnige, gertenschlanke Sprinterin. Sie selbst fühlte sich dick, unwohl, berichtete von Heißhungerattacken, dem täglichen Kampf mit sich selbst. "Ich war immer vorne dabei, hatte aber trotzdem immer Schiss, was für ein Foto in die Zeitung kommt", schrieb die Lehramtsstudentin.

Pummel-Pam war gestern

Dutkiewicz hörte auch, wie ein Betreuer sie "die Pummelige" nannte. "Das hat mich unfassbar getroffen und ist tatsächlich bis heute in meinem Kopf", schrieb sie bei "Wortathleten". Dutkiewicz litt, aber sie rackerte sich auch aus ihrem Loch. Heute ist die ehemalige "Pummel-Pam" eine absolute Modellathletin.

Nach ihrer Verletzung von Karlsruhe ließ sie sich "in einer Klinik komplett durchchecken". Kein Befund. "Ich war super enttäuscht, weil wieder ein Strohhalm, an den ich mich klammerte, zerbrochen war", meinte Dutkiewicz. Auf dem Tiefpunkt vermittelte eine Ärztin den Kontakt zu Mark Warnecke, Weltmeister im Brustschwimmen, Mediziner, Ernährungscoach. Mit ihm drehte Dutkiewicz alles auf links.

"Ich habe nie gedacht, dass man bei mir mal Bauchmuskeln sehen würde", meinte sie: "Endlich bin ich selbstbewusst, wenn ich auf der Bahn stehe." Dieses Selbstbewusstsein hat sie nun zu WM-Bronze getragen.