Damals: Steffi Graf - Eine Legende tritt ab

13.08.2017 12:45
Vor 18 Jahren beendete Steffi Graf ihre Karriere
Vor 18 Jahren beendete Steffi Graf ihre Karriere

Sie ist eine Ikone des Tennissports, eine der besten Spielerinnen aller Zeiten und hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Vor 18 Jahren erklärte Steffi Graf ihren Rücktritt vom aktiven Profi-Dasein. Damit ging dem deutschen Tennis nach Boris Beckers Rückzug einige Wochen zuvor die zweite Legende verloren.

"Tennis hat mein ganzes Leben bestimmt, es ist schwer, loszulassen", sagt Graf an diesem 13. August 1999. Wenige Minuten vorher erklärte sie bei der von ihr anberaumten Pressekonferenz in Heidelberg vor den versammelten Journalisten, dass sie ihre Karriere beenden und nicht mehr auf den Platz zurückkehren werde.

"Das macht ihr so schnell keiner nach"

Die Presse ist sich einig: Das Tennis hat eines ihrer Zugpferde verloren, eine Ausnahmespielerin. "Sie bringt eine goldene Ära zu Ende", titel die englische "Times".  Die spanischen Kollegen gehen sogar noch einen Schritt weiter. "Die beste Tennisspielerin der Geschichte gab ihren endgültigen Rücktritt bekannt. Die 30 Jahre alte Deutsche schließt eins der ruhmreichsten Kapitel der Tennisgeschichte", schrieb "Spanien Sport".

Auch die italienischen Medien stimmen in die Lobeshymnen mit ein. "Adios, Steffi, nach 17 Jahren als großer Super-Champion. Der letzte Smash der Königin. Sie war die Königin der Einfachheit, die magische Göttin des großen Slams", bejubelt die "Gazetta dello Sport" die einzigartige Karriere Grafs.

Doch nicht nur die Presse überschlägt sich, auch deutsche Sportgrößen melden sich zu Wort. Franz Beckenbauer etwa findet ihre Entscheidung "schade", zollt ihr dafür aber "höchsten Respekt". Ein "schwerer Schlag" sei der Rücktritt der Gräfin laut Rudi Völler.

Handball-Bundestrainer Heiner Brand hebt die Standhaftigkeit der Tennis-Ikone heraus: "Steffi wird als eine der größten Sportlerinnen aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Ihr Ehrgeiz und ihr Durchhaltevermögen waren einzigartig. Wie sie nach schweren Verletzungen wieder ganz nach oben gekommen ist – das macht ihr so schnell keiner nach."

Ein Wechselbad der Gefühle

Doch Graf hat es nicht immer einfach. Denn Blessuren sind ein bestimmendes Thema in ihrer Laufbahn. Die schlimmste ereignet sich 1997. Die Deutsche verletzt sich schwer am Knie, fällt insgesamt zwölf Monate aus und wird daraufhin nicht mehr in der Weltrangliste geführt. Der zweite Tiefschlag ihrer Karriere, nachdem die Titelseiten zu Beginn der 90er-Jahre mit negativen Schlagzeilen über Grafs Vater Peter gefüllt sind, der mit Schmiergeldzahlungen, Affären und Steuerhinterziehung in Verbindung gebracht wird.

Sportlich überwiegen allerdings die erfolgreichen Zeiten. Im Jahr 1988 sichert sich die gebürtige Mannheimerin den Golden Slam: Sie erringt Siege bei allen vier Grand Slams sowie bei den Olympischen Spielen in Seoul. Eine unglaubliche Leistung, auch wenn sie heute sagt: "Ich muss zugeben, dass ich nicht so häufig daran denke."

Ein weiterer Höhepunkt folgt im Jahr 1999: Zwei Jahre nach ihrer Knieverletzung schlägt sie in einem emotionalen Finale der French Open die favorisierte Weltranglistenerste Martina Hingis und krönt sich zum Champion von Roland Garros. Jahre Später nennt Graf diesen Erfolg "den schönsten ihrer Karriere".

Die Gräfin verabschiedet sich

Wenig später passiert dann das, was sich bereits abzeichnete: Steffi Graf tritt offiziell vom Tennis zurück. Ihr letztes Match Spiel findet am 3. August 1999 in San Diego statt, verletzungsbedingt muss sie gegen Amy Frazier aufgeben. Die grandiose Karriere von "Fräulein Vorhand", wie sie aufgrund ihrer harte Schläge genannt wurde, findet ein Ende.

107 WTA-Titel, davon 22 bei Grand Slams, 377 Wochen als Nummer 1 bleiben für immer in den Geschichtsbüchern. Fans aus aller Welt lieben die "lebende Legende", wie Tennis-Idol John McEnroe sie bezeichnet.

Sie weint bei der Verkündung ihres Abschieds, und doch sei es eine Erleichterung, sich jetzt anderen Dingen widmen zu können. Es habe schlicht die Motivation gefehlt. Vor 18 Jahren hat sich eine der besten Tennisspielerinnen aller Zeiten verabschiedet.

Jan Bugla