Baumann: Bloß kein erneuter Fehlstart

17.07.2017 14:38
Geschäftsführer Frank Baumann hofft auf einen guten Werder-Start
Geschäftsführer Frank Baumann hofft auf einen guten Werder-Start

Bloß nicht schon wieder ein Fehlstart: Nach Jahren des Abstiegskampfs blickt Werder Bremens Sportchef Frank Baumann mit aller Vorsicht in obere Tabellenregionen.

Die ersten Bundesliga-Reisen führen nach Hoffenheim und Berlin, dazwischen kommt Rekordmeister Bayern München ins Weserstadion. Und doch will Werder Bremens Sportchef Frank Baumann die Serie der Fehlstarts in den vergangenen Jahren unbedingt beenden.

"Unser Auftaktprogramm hat es in sich, aber wir wollen diesmal besser starten und fühlen uns dafür auch gut gerüstet", sagte der Ex-Nationalspieler im "SID"-Interview. Diesmal wolle man sich den Saisonstart nicht erneut vermiesen und im Winter schon wieder im Abstiegskampf stehen.

Keine Schmerzgrenze für Junuzović

Deshalb legt sich der 41-Jährige auch personell so fest, wie man sich im heutigen Profigeschäft festlegen kann: "Ein Leistungsträger wie Zlatko Junuzović wird in der kommenden Saison bei uns bleiben, da gibt es auch keine Schmerzgrenze. Auch Max Kruse wollen wir nicht abgeben." Im Falle des kapriziösen Torjägers bleibt der Hinweis auf die Schmerzgrenze allerdings aus.

Dabei wäre Kruse angesichts des Wechsels von Nationalspieler Serge Gnabry nach Hoffenheim in der grün-weißen Offensive nur schwer zu ersetzen. Baumann hat um den Verbleib des Olympiazweiten lange gekämpft - und doch verloren. Groll hegt er nach eigenem Bekunden dennoch nicht: "Serge hat sich für einen Klub entschieden, der international spielt. Das muss man akzeptieren und respektieren.

Dass die Hanseaten selbst nach einem fulminanten Ligaendspurt als Achte der Abschlusstabelle an der Europa League schnupperten, macht dem einstigen Werder-Abwehrchef Mut für die kommende Spielzeit. "Es kommt darauf an, mit dem Teamgeist und der Leidenschaft der letzten Monate weiterzumachen. Dann werden wir wieder in diese Tabellenregionen kommen", betont der gebürtige Franke im "SID"-Gespräch.

Investoren für den Weser-Klub?

Abseits des grünen Rasens soll eine vorsichtige Öffnungen gegenüber potenziellen Geldgebern den sportlichen Aufschwung unterfüttern und flankieren. Dabei will der Traditionsverein, der 2019 120 Jahre alt wird, aber behutsam vorgehen.

Baumann gibt da in Absprache mit Klubboss Klaus Filbry eine Richtung vor: "Wir schauen genau, ob ein Investor auch zu uns passt. Er soll nicht nur renditegetrieben sein, sondern auch eine langfristige Partnerschaft anstreben. Wenn wir einen solchen Partner finden, sind wir auch bereit, gewisse Anteile zu verkaufen."

Auch ein neuer Name für das Weserstadion wäre dann kein Tabu mehr. Doch Baumann weiß nur zu gut, dass eine solche Änderung die Fans an der Weser an ihrem empfindlichsten Punkt träfe. Und so will dieses mögliche Szenario behutsam vorbereitet, entsprechend äußert sich der Ehrenspielführer der Grün-Weißen: "Wir können und wollen den Verkauf des Stadionnamens nicht kategorisch ausschließen. Es ist aber nicht das, was wir uns wünschen."


Das komplette "SID"-Interview mit Frank Baumann:

Herr Baumann, seit Jahren verpatzt Werder Bremen den Saisonstart und steckt schnell im Abstiegskampf. Wie soll dieses Szenario in der kommenden Saison verhindert werden?

Frank Baumann: Mit Spielen in Hoffenheim und Berlin und gegen den FC Bayern hat es unser Auftaktprogramm in sich. Dennoch wollen wir natürlich diesmal besser starten und fühlen uns dafür auch gut gerüstet.

Was stimmt Sie da so optimistisch?

Wir haben einige wichtige Spieler verloren, aber auch schon in der vergangenen Saison Führungsspieler verpflichtet, die dieses Vakuum auffüllen können. Und wir glauben auch, dass andere Mitglieder unseres Kaders in dieser Saison den nächsten Schritt machen können.

Der prominenteste Abgänge ist sicherlich Serge Gnabry. Ist sein Wechsel nach Hoffenheim für Sie ein schwerer Rückschlag?

Wir haben um Serge gekämpft und waren davon überzeugt, dass ihm unser Umfeld auch in dieser Saison gut zu Gesicht gestanden hätte. Ein weiteres Jahr in Bremen wäre für ihn nicht schlecht gewesen. Er hat sich nun für einen Klub entschieden, der international spielt, das war für ihn sehr wichtig. Das muss man akzeptieren und respektieren.

Aber der Ausverkauf könnte weitergehen. Zlatko Junuzović und Max Kruse sind im Fokus anderer Klubs.

Zlatko wird in der kommenden Saison bei uns bleiben, da gibt es auch keine Schmerzgrenze. Auch Max ist ein Leistungsträger, den wir nicht abgeben wollen. Wir sind aktuell in der Offensive quantitativ und qualitativ schon gut besetzt. Wir wollen auch unseren jungen Spielern den Weg nicht komplett verbauen.

Wie lautet unter diesen Vorzeichen die Saisonprognose?

Wir wollen keine feste Platzierung ausgeben. Es kommt darauf an, mit dem Teamgeist und der Leidenschaft der letzten Monate weiterzumachen. Dann werden wir auch wieder in die Tabellenregionen kommen, in denen wir in der letzten Saison mit Rang acht gelandet sind. Es gibt Fingerzeige, dass wir bereits auf einem guten Weg sind. Viele Abläufe, die zuletzt in der Rückrunde schon gepasst haben, sind bereits wieder drin. Wir hatten nicht so viele Wechsel in der Mannschaft, daher funktioniert es auch schon ganz ordentlich für den frühen Zeitpunkt.

Um sportlich aufzurüsten, müssen die Finanzen stimmen. Bislang war Werder Bremen strategischen Partnerschaften gegenüber eher zurückhaltend. Wie sieht aktuell der weitere Weg aus?

Der Trend in der Bundesliga geht schon dahin, dass immer mehr Investoren Anteile übernehmen. Wir als Werder Bremen bleiben da entspannt und schauen genau, ob ein Investor auch zu uns passt. Er soll nicht nur renditegetrieben sein, sondern auch eine langfristige Partnerschaft anstreben. Wenn wir einen solchen Partner finden, sind wir auch bereit, gewisse Anteile zu verkaufen.

Und was ist mit dem Weserstadion...?

Bisher ist es uns gelungen, den Status quo zu halten. Wir würden uns wünschen, dass es so weiter geht, aber man muss sehen, wie die finanziellen Voraussetzungen in der Zukunft sind. Deshalb können und wollen wir den Verkauf des Stadionnamens nicht kategorisch ausschließen. Es ist aber nicht das, was wir uns wünschen.

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