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Feiern und feiern lassen: Hamiltons perfekte Antwort

17.07.2017 11:28
Doch wieder Fanliebling: Lewis Hamilton lässt sich nach seinem Sieg feiern
Doch wieder Fanliebling: Lewis Hamilton lässt sich nach seinem Sieg feiern

Die Liebe der Fans verloren? Mitnichten! Schlechte Vorbereitung durch Party auf Mykonos? Ach hör doch auf! Lewis Hamilton hat am Wochenende in Silverstone bewiesen, dass er mit dem Fernbleiben des Showevents in London alles richtig gemacht hat - zumindest aus seiner Sicht.

Denn weder scheint seine Leistung unter dem Griechenland-Trip gelitten zu haben, noch schienen ihn die Fans in Großbritannien fallen gelassen zu haben.

Von Buh-Rufen wie noch in London hörte man in Silverstone nichts. Die ganze Grafschaft Northamptonshire war der Hamilton-Manie verfallen. Als der Mercedes-Pilot nach seinem Sieg das Podium betrat, jubelte ihm die Menge zu, als sei in der Woche nichts Ungewöhnliches vorgefallen. "Die Unterstützung war wahnsinnig. Die Flaggen, die Energie - das war alles bemerkenswert", stammelt Hamilton nach dem Rennen überwältigt.

"Ich komme gleich zu euch rüber", hatte Hamilton seinen Fans auf dem Podium versprochen und damit die Fannähe gezeigt, die sich seine Anhänger schon in London gewünscht hatten. Doch in Silverstone holte er das nach und gab sich als Star zum Anfassen. Fast demonstrativ begab er sich schließlich in die Menge, um Crowdsurfing zu betreiben. "Sie haben mich einfach in die Menge gezogen", berichtet der Brite. "Die Reaktionen waren einfach Wahnsinn."

51 Runden lang standen die Fans

Es sei diese Euphorie gewesen, die ihn schon während des Rennens zur Ziellinie getragen habe. Schon vor dem Einsteigen ins Auto habe er den Jubel der Menschen auf den Tribünen hören können. Nach dem Start sah er im Augenwinkel, wie die Menschen von ihren Sitzen gerissen wurden, weil er vorne war. "Und 51 Runden lang konnte ich in jeder Runde sehen, dass die Leute in jeder einzelnen Kurve aufstehen. Es ist phänomenal", strahlt er. "Es gab keine Runde, in denen sie nicht aufgestanden sind. So etwas sieht man nirgendwo auf der Welt."

Nicht nur darum gehört Silverstone für ihn zu seinen absoluten Lieblingsstrecken. Als Kind sah er britische Helden wie Nigel Mansell, wie sie in Silverstone fuhren und von den Fans angefeuert wurden. Hamilton malte sich aus, wie es sich anfühlen würde, selbst einmal in dieser Situation zu sein. Seit vier Jahren hat er nun jedes Rennen hier gewonnen. "Und in jedem Jahr wird es immer besser", lacht er. "Kein anderer Fahrer bekommt irgendwo auf der Welt so viel Energie von den Fans wie ich hier."

Da macht es auch nichts aus, wenn er ein paar Tage zuvor nicht zu einem arrangierten Formel-1-Showevent nach London kommt. Über die Hintergründe seines Fernbleibens wurde ausführlich geschrieben. Laut Mercedes brauchte er ein paar Tage Urlaub, um sich intensiv auf das anstehende Rennen vorzubereiten. Zwar mag nicht jeder verstanden haben, dass Party in Griechenland die ideale Vorbereitung ist, doch der Erfolg gibt Hamilton Recht.

Vorbereitung bald in Disneyland? Hamilton kontert ...

"Ich habe das Glück und weiß, was für mich richtig ist. Ich weiß, wie ich mich richtig vorbereite", unterstreicht er. In Silverstone zeigte der Mercedes-Pilot eines seiner besten Wochenenden. Er fuhr am Samstag souverän zur Pole-Position und zeigte im Rennen keine Anzeichen von Schwäche. 51 Runden lang fuhr er wie ein Uhrwerk Kurve um Kurve und war für die Konkurrenten unantastbar.

"Es geht nicht besser. Wir sind außer uns vor Freude nach so einer schwierigen Woche", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und spürt nach den jüngsten Schlagzeilen aus der britischen Presse so etwas wie Genugtuung. "Die englischen Medien haben richtig auf ihn draufgehauen - dann so zurückzukommen, vor all den Fans - das war unglaublich wichtig und gut", betont der Österreicher.

In der Pressekonferenz nach dem Rennen muss Hamilton noch einmal eine Stichelei abwehren. Ein Journalist der englischen Boulevard-Zeitung "The Sun" will wissen, ob seine nächste Vorbereitung vielleicht in Disneyland stattfinden wird. Doch den Versuch unterwandert der Brite: "Es gibt keinen Grund, meine Vorbereitung zu hinterfragen", stellt er klar. "Meine Performance ist einzigartig. Und wenn du nicht verstehst, dass meine Vorbereitung meist genau stimmt, dann wirst du es vermutlich niemals tun."

Negativpresse macht Hamilton stärker

Er werde in den kommenden Wochen weiter hart trainieren - und zwar an verschiedenen Orten. "So wie ich es immer mache", betont Hamilton. Doch diese Frage war noch harmlos im Vergleich zu den Gerüchten, die vor dem Rennen gestreut wurden. Es habe ein Zerwürfnis mit Wolff gegeben, der auf der Geburtstagsparty von Sebastian Vettel gewesen war, hieß es in den britischen Medien, was Mercedes auf die Palme brachte.

"Ich kann nicht verstehen, wieso man den Lokalmatadoren vor seinem Heimrennen mit Schwachsinn, der nicht einmal wahr ist, diffamiert", tobt Wolff über die Berichte rund um das Heimspiel. Vor dem Rennen musste sich Hamilton fast ausschließlich negative Fragen gefallen lassen. Über sein Fehlen in London zum Beispiel. Doch das hat ihn scheinbar wenig gestört. "Die Konsequenz ist, dass er noch stärker zurückkommt - und das ist gut", sagt Wolff.

"Ich bin glücklich, dass ich trotz aller Negativität an diesem Wochenende so performen konnte", meint auch Hamilton selbst und redet sich in eine Spirale der Emotionen: wie schwierig es sei, Worte zu finden, wie sehr er seiner Familie für ihre Opfer dankt, wie sehr Billy Monger und ein krebskranker Freund aus Südafrika vor Ort ihm Kraft gegeben haben, wie toll die Strecke von Silverstone doch sei und dass der Grund für seine starke Performance auf dem Kurs er selbst sei - natürlich nur zum Spaß.

Wie Hamilton beim Vettel-Chaos mitfieberte

Und dann wäre da noch die Verbindung zu seinem Team, das ihm all die Möglichkeiten in den vergangenen Jahren gegeben hat. "Wir sind ein Siegerteam", betont er und wischt Gerüchte um eine Krise beiseite. "Ich spüre, dass wir wirklich zusammenwachsen. Valtteri (Bottas; Anm. d. Red.) hat ebenfalls viel Positivität in das Team gebracht und alle Negativität weggespült", so Hamilton, der glücklicher als neben Nico Rosberg wirkt.

Der Brite möchte mit den Silberpfeilen noch viel erreichen: "Jeden Tag nach dem Aufwachen spreche ich zu meinem Team und sage ihnen, dass wir die Weltherrschaft an uns reißen wollen", sagt er und lacht dabei. Die Weltherrschaft soll natürlich nur sein Engagement unterstreichen, doch für ihn geht es um nicht weniger als den Weltmeistertitel. Seit gestern ist Hamilton wieder auf einen einzigen Punkt an Sebastian Vettel dran.

Wie groß der Konkurrenzkampf mit dem Deutschen ist, hat sich für ihn gestern im Rennen gezeigt. Er beschreibt, was ihm während des Grand Prix im Kopf schwirrte: "Ich habe ständig geschaut, wo Vettel war, und konnte sehen, dass er auf dem dritten Platz lag. Ich hatte gehofft, dass Valtteri aufholen würde. Dann sah ich den Kampf und dachte: 'Jawoll!' Ich war superglücklich, als er vorbeikam."

"Ich dachte, das nehmen wir so, aber ich hätte mir nicht vorstellen oder erträumen können, dass er das Problem am Ende haben würde", sagt er über Vettels Reifenschaden, der ihn bis auf Rang sieben zurückspülte. "Beim Großbritannien-Grand-Prix so nah rangekommen zu sein, ist fantastisch", strahlt er. "Ich denke, die Fans haben Spaß." Der Ärger von London scheint wirklich schnell verflogen zu sein ...

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