Weidenfeller über Klopp, Bosz und den Anschlag

17.07.2017 08:59
Roman Weidenfeller spielt bereits seit 15 Jahren beim BVB
Roman Weidenfeller spielt bereits seit 15 Jahren beim BVB

Er ist eine Dortmunder Legende. Seit 15 Jahren spielt Roman Weidenfeller für den BVB und hat in dieser Zeit einiges mitgemacht: Meisterschaften, Champions-League-Finals, einen Pokal-Erfolg, aber auch dunkle Zeiten wie den Anschlag auf den Mannschaftbus oder die nur knapp abgewendete Insolvenz der Schwarzgelben. Nun spricht der 36-Jährige ausführlich über Höhen und Tiefen seiner Karriere.

Ende April 2011 feierte Weidenfeller seinen ersten Meistertitel mit dem BVB. Es sei "außergewöhnlich gewesen": "Für den Verein, dem wohl die wenigsten zugetraut hätten, so kurz nach der Fast-Insolvenz schon wieder Meister zu werden. Aber auch für jeden einzelnen Borussen, egal ob auf der Tribüne oder auf dem Platz!", erklärte der 36-Jährige gegenüber dem "kicker". 

Einen großen Anteil am Erfolg habe Jürgen Klopp gehabt. Mit ihm "kam 2008 der richtige Mann zur richtigen Zeit zum Klub. Damit wurde die sportliche Wende eingeleitet. Er hat uns mit seinen Emotionen extrem gepusht, uns immer bestärkt und ein extrem willensstarkes Team geformt", betonte Weidenfeller und erklärte das damalige Rezept: "Wir haben offensiv gespielt, attackiert, gepresst, haben dem Gegner kaum Luft zum Atmen gelassen. Dadurch haben wir das Bild des BVB sehr prägend verändert."

"So ist der Lauf der Dinge"

Spätestens mit dem Trainer-Wechsel auf Thomas Tuchel im Jahr 2015 sei Weidenfeller klar gewesen, dass er zur Nummer zwei hinter Roman Bürki werden würde. Schon unter Klopp sei es "ein schleichender Prozess" gewesen: "Niemand geht gerne einen Schritt zurück. Auch heute noch würde ich am liebsten jede Partie spielen. Aber so ist der Lauf der Dinge. Man muss akzeptieren, dass irgendwann die Jugend vorbeizieht."

Die Spieler, die heute nachrücken, seien sehr gut ausgebildet und machen eine tollen Job. Sie würden ins kalte Wasser geworfen und schwimmen sich sofort frei. "Seit ich nicht mehr die Nummer 1 bin, fühle ich mich ein wenig wie die gute Seele des Teams. Ich versuche, die Mannschaft zusammenzuhalten, die Generationen zu verbinden, aber auch mal Grenzen zu setzen", verriet der Keeper seine neue Rolle: "Ich habe heute noch den Biss, Ehrgeiz und den Anspruch, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Das möchte ich weitergeben. Talent ist nicht alles, die Werte entscheiden über Sieg oder Niederlage."

Weidenfeller lässt seine Zukunft offen

Mit dem Wechsel auf Peter Bosz habe sich einiges verändert. "Unser neuer Trainer hat sich bei uns als 'Peter' vorgestellt. Das zeigt schon seine typisch holländische Art. Er ist direkt, offen und ruhig, hat aber auch eine klare Ansprache und konkrete Vorstellungen", sagte Weidenfeller. "Noch ist natürlich alles sehr frisch, aber der Eindruck der ersten Tage ist sehr gut."

Was seine eigene Zukunft angeht, sagte Weidenfeller: "Ob es mein letztes Jahr als Profi wird, möchte ich mir noch offenlassen. Das werden wir zu gegebener Zeit gemeinsam besprechen. Das Vertrauensverhältnis zwischen mir und der Klubführung ist so groß, dass wir uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen können. Fest steht für mich allerdings, dass ich den Klub nicht mehr wechseln werde - auch nicht bei einem Angebot aus China." Der BVB sei sein sportliches Zuhause - und er werde auch über seine aktive Karriere hinaus seine Heimat bleiben.

Anschlag? "Erschreckend"

Zuletzt warf Weidenfeller im "kicker" einen Blick zurück auf die harten Tage rund um die Bombenattacke auf den Mannschaftsbus des BVB. "Niemand von uns konnte sich bis zu diesem Tag so richtig vorstellen, einmal direkt von einem Anschlag betroffen zu sein. Es war ein einschneidendes Erlebnis und hat mich noch einmal wachgerüttelt. Ich trage die Verantwortung für meine Familie. Und in diesem Moment habe ich realisiert, wie schnell es mit dem Leben vorbei sein kann."

Alle hätten enorm viel Glück gehabt. "Es hätte auch anders enden können. Ich bin froh, dass die Hintergründe relativ schnell durch die Polizei aufgeklärt wurden und der mutmaßliche Täter gefasst werden konnte." Er habe den Anschlag inzwischen verarbeitet, aber es sei ihm bis heute unbegreiflich, wie jemand solch einen idiotischen Plan umsetzen kann, betonte Weidenfeller: "Es ist erschreckend, dass Menschen derart skrupellos ihren Vorteil suchen."

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