Endspiel im Halbfinale: Der ewige Clinch

19.05.2017 14:45
Die Russen müssen gegen Kanada eine große Hürde überwinden
Die Russen müssen gegen Kanada eine große Hürde überwinden

Die alten Rivalen Kanada und Russland treffen bei der WM schon in der Vorschlussrunde aufeinander.

Wenn Jon Cooper an Russland denkt, leuchten seine Augen. Der Trainer der kanadischen Stars sieht im Duell mit der Sbornaja im WM-Halbfinale am Samstag nicht nur das vorweggenommene Finale. Für ihn ist es mehr. "Wenn wir uns die Geschichte unseres Spiels anschauen, ist dieses Duell das große Ding", sagte der 49-Jährige vor dem Gigantentreffen am Samstag (15:15 Uhr) in Köln.

Russland gegen Kanada. Rekordweltmeister gegen Titelverteidiger. Das klingt nach einen Kampf der Systeme, auch Gedanken an den Kalten Krieg schwingen mit. "Schauen wir in die 50er, 60er und 70er Jahre zurück, gab es nur Russland gegen Kanada. Das sagt alles über dieses Spiel", erklärte Cooper.

Der ersten WM-Partie beider Eishockey-Mutterländer im Jahre 1954 - die damalige Sowjetunion triumphierte mit 7:2 - folgten 50 weitere, nur 13-mal gewann Kanada. Doch zuletzt liefen die Ahornblätter den Russen den Rang ab. Im letzten WM-Duell 2015 in Prag ging der Rekordweltmeister mit 1:6 unter, dummerweise handelte es sich um das Endspiel. Die Schmach ist bis heute nicht verdaut.

Duchene hofft auf "Leistungszenit"

Neben dem Einzug ins Finale geht es also auch um Revanche. Und die Chancen standen lange nicht so gut. Bereits in der Gruppenphase war die Auswahl von Coach Oleg Snarok in Köln hinter der deutschen Mannschaft zweites Heimteam. Die feierwütigen russischen Fans stürmten die Ticketkassen rudelweise und sorgten gar im Gruppenspiel gegen die Slowakei für ein ausverkauftes Haus.

Sportlich präsentierte sich Kanada im laufenden Turnier solide, jedoch mitnichten überragend. Die Abwesenheit ihrer Superstars Sidney Crosby und Connor McDavid fällt ins Gewicht. Nach der überraschenden 2:3-Vorrundenniederlage nach Verlängerung gegen die Schweiz mangelte es trotz Überlegenheit auch gegen die Deutschen im Abschluss. "Ich hoffe, wir erreichen unseren Leistungszenit zur rechten Zeit", sagte Weltmeister und Olympiasieger Matt Duchene.

Tampa-Block trifft auf Klubcoach

Dies gelang den Russen bislang besser. Mit 38 Turniertreffern in acht Spielen stellen sie die beste Offensive der WM. In Artemi Panarin von den Chicago Blackhawks (14 Punkte) und Nikita Kutcherov von Tampa Bay Lightning (13) hat der 27-malige Titelträger die besten Scorer in seinen Reihen. Vor allem der 25-jährige Panarin entpuppte sich als einer der Stars der Weltmeisterschaft. "Wir sind froh über seine Leistung, aber auch er braucht Hilfe", sagte Snarok.

Diese bekommt er ausreichend von Kutcherov und dessen Vereinskollegen Vladimir Namestnikov. Gemeinsam mit Torhüter Andrei Vasilevski bilden sie den Tampa-Block im russischen Team - und treffen in der WM-Vorschlussrunde auf ihren Klubcoach. Cooper betreut den Klub aus Florida seit 2013 und führte ihn vor zwei Jahren ins Stanley-Cup-Finale. "Im Laufe dieses Turniers habe ich immer mit Kutcherov und Vladi mitgefiebert", sagte Cooper: "Aber hier spielt nicht Jon Cooper gegen seine Spieler, sondern Kanada gegen Russland."