Keller und die Gefahr des Union-Aufstiegs

21.04.2017 11:14
Jens Keller träumt vom Aufstieg mit Berlin
Jens Keller träumt vom Aufstieg mit Berlin

Nein, Jens Keller muss natürlich nicht um seinen Job fürchten. Dabei hatte der Trainer des 1. FC Union Berlin zum Rückrundenstart die Zufriedenheit der eigenen Fans in der 2. Liga noch mit einem scherzhaften Ausspruch umrissen: 

"Ich glaube, ich bin der erste Trainer, der entlassen wird, wenn er aufsteigt", sagte Keller. Bevor die Köpenicker nun zum Spitzenduell beim VfB Stuttgart in Kellers erster fußballerischer Profi-Heimat antreten, ist die vermeintliche Gefahr des Sprungs in die Bundesliga so groß wie nie zuvor. Auch wegen Keller - und dessen importierten Anspruchsdenkens.

Vor der Partie am Montagabend (20:15 Uhr) beeindrucken nicht nur die reinen Zahlen in Unions bislang bester Saison: Nur zwei Zähler fehlen dem Top-Team der Rückrunde zum Klub-Punkterekord aus elf Jahren Zweitliga-Zugehörigkeit. 30 Gegentreffer kassierte das Team bislang, so wenige waren es zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nie. Und auch das Selbstbewusstsein ist auf Rekordkurs. "Wir können da Big Points holen", sagt Stürmer Sebastian Polter mit Blick auf das Spiel beim Tabellenführer. "Wir fahren da hin, um zu gewinnen."

Diese Sieger-Mentalität im ganzen Verein, in dem "die Leute lange mit wenig zufrieden gewesen" (Keller) waren, hatte der Coach in seiner Anfangszeit vermisst. "Es ist quasi als selbstverständlich hingenommen worden, dass man schlecht startet, dass man im Pokal rausfliegt - Sachen, wo ich gesagt habe: "Seid ihr alle wahnsinnig?"", berichtete Keller in einem "11 Freunde"-Interview.

Union auf Relegationsrang angekommen

Nun liegt Union bei fünf ausstehenden Spielen auf Relegationsrang drei, hat durch das 3:1 gegen Kaiserslautern auch die zwischenzeitliche Aufstiegsflatter mit drei sieglosen Spielen zunächst überwunden. "Es ist positiver Druck, und wenn man im Leben etwas Großes erreichen will, muss man Druck aushalten können", formuliert Keller die Erwartungen vor dem Auftritt in Stuttgart.

Dort beginnt beim VfB nicht nur seine Zeit als Aktiver, sondern vor neun Jahren auch sein Einstieg ins Trainergeschäft. Über den Weg als A-Jugend-Coach und Assistent des Profi-Teams wird Keller Chef und nach nur zwei Monaten direkt wieder degradiert. Auch beim FC Schalke 04 gelingt ihm der Aufstieg vom Nachwuchs in die Bundesliga. Als bislang letzter Trainer führt Keller die Königsblauen in die Champions League - gleich zweimal nacheinander. Und doch blieben statt der sportlichen Erfolge eher die Bilder eines durch das unruhige Umfeld dunnhäutig wirkenden Trainers im kollektiven Gedächtnis.

Lob von Trainer-Oldie Friedhelm Funkel

Knapp zwei Jahre ist er danach aus dem Tagesgeschäft raus, hospitiert während dieser Zeit bei anderen Vereinen, bildet sich in Sportmanagement an der Universität St. Gallen weiter. Der Gang in die 2. Liga erweist sich im Anschluss nicht als Rückschritt. "In Berlin hat er bewiesen, dass er ein toller Trainer ist, dem man auf Schalke Unrecht getan hat", lobt Düsseldorfs Coach Friedhelm Funkel.

Bei Union wirkt Keller deutlich lockerer als zu früheren Zeiten. Beim Club, der sich gerne als der etwas andere Verein präsentiert, wird seine Arbeit nicht durch Indiskretionen beeinflusst. Und so geht Keller auch mit den Wellenbewegungen im Aufstiegsrennen gelassen um. "Letzte Woche verlieren wir, und da heißt es: Ist es jetzt die Unsicherheit im Aufstiegskampf?", sagte er nach dem Ende der Negativserie. "Wir konzentrieren uns auf Stuttgart, da wollen wir wieder unseren Plan umsetzen."

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Tabelle

#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1VfB StuttgartVfB StuttgartVfB StuttgartStuttgartVFB29176650:321857
2Eintracht BraunschweigEintracht BraunschweigEintracht BraunschweigBraunschw.BNS30169544:281657
3Hannover 96Hannover 96Hannover 96HannoverH9630169546:311557
41. FC Union Berlin1. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion BerlinFCU29166745:301554
5Dynamo DresdenDynamo DresdenDynamo DresdenDresdenDYN301210845:36946
6SpVgg Greuther FürthSpVgg Greuther FürthSpVgg Greuther FürthGr. FürthSGF301271130:35-543
71. FC Heidenheim 18461. FC Heidenheim 18461. FC Heidenheim 1846HeidenheimHDH3010101040:33740
81. FC Nürnberg1. FC Nürnberg1. FC NürnbergNürnbergFCN301161341:45-439
9SV SandhausenSV SandhausenSV SandhausenSandhausenSVS309111038:32638
10VfL BochumVfL BochumVfL BochumBochumBOC30813934:40-637
11FC St. PauliFC St. PauliFC St. PauliSt. PauliSTP30981330:32-235
12Fortuna DüsseldorfFortuna DüsseldorfFortuna DüsseldorfDüsseldorfF95308111132:35-335
131. FC Kaiserslautern1. FC Kaiserslautern1. FC KaiserslauternK'lauternFCK308111124:29-535
14Würzburger KickersWürzburger KickersWürzburger KickersWürzburgFWK307121129:32-333
15TSV 1860 MünchenTSV 1860 MünchenTSV 1860 München1860M6030961533:41-833
16Erzgebirge AueErzgebirge AueErzgebirge AueAueAUE30891333:47-1433
17Arminia BielefeldArminia BielefeldArminia BielefeldBielefeldDSC307101341:51-1031
18Karlsruher SCKarlsruher SCKarlsruher SCKarlsruheKSC304101621:47-2622
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