Tag-X: WM-Chance oder Karriere-K.o. für Abraham

21.04.2017 11:01
Artur Abraham (r.) will seine letzte Chance nutzen
Artur Abraham (r.) will seine letzte Chance nutzen

Sieg oder Schluss: Arthur Abraham stand schon häufiger vor einem "Alles oder nichts"-Kampf, doch diesmal ist der Druck so groß wie nie zuvor. Gewinnt "König Arthur" im WBO-Ausscheidungsduell am Samstag (22:30 Uhr) gegen Robin Krasniqi, winkt ihm ein WM-Kampf und damit die Rückkehr auf den Box-Thron. Verliert er jedoch, dürfte seine Karriere endgültig in Trümmern liegen.

"Bei einer Niederlage muss er Schluss machen. Es ist seine letzte Chance", sagt ohne Umschweife Abrahams Trainer Ulli Wegner, der am Mittwoch 75 Jahre alt wird. "Tag X" - so lautet der treffende Titel der Erfurter Boxnacht.

Auch Abraham selbst weiß, dass eine sechste Niederlage im 51. Profikampf der K.o.-Schlag für seine Karriere wäre. "Was macht es dann noch für einen Sinn, weiterzumachen?", fragte der Ex-Weltmeister rhetorisch, dann fügte er kämpferisch an: "Ohne WM-Titel höre ich garantiert nicht auf!"

Seinen WM-Gürtel hatte der Deutsch-Armenier vor einem Jahr in Las Vegas an den Mexikaner Gilberto Ramirez verloren. Nicht irgendwie, sondern mit einer fast schon an Arbeitsverweigerung grenzenden Leistung. "Ich habe mich noch nie so für ihn geschämt", sagte Wegner der Berliner Morgenpost: "Das muss er gerade rücken, das schuldet er sich, seinen Fans, seinem Promoter und mir."

Chance auf die WM-Revanche

Sollte ihm das gelingen, könnte Abraham seine WM-Revanche gegen Ramirez bekommen. Dann wäre der 37-Jährige der kommende Pflichtherausforderer für den WBO-Champion, der nach langer Verletzung ebenfalls am Samstag gegen den Ukrainer Max Bursak boxt.

Die Frage aber ist: Hat Abraham, der mit dem Boxen seinen sozialen Aufstieg längst geschafft hat (Wegner: "Von der Plastiktüte zum Ferrari"), noch genug Biss? Die Antwort seines Trainer lässt tief blicken: Abraham habe sich "im Training bemüht" und "relativ gutes Sparring gemacht", aber er habe auch "finanziell ausgesorgt und sich geschäftliche Standbeine außerhalb des Boxens geschaffen", sagte Wegner: "Deshalb muss man abwarten, ob er noch den Willen hat, durchs Feuer zu gehen."

Gegner Krasniqi ist sich sicher: "Arthur brennt wie eine Fackel." Allerdings steht er selbst auch mit dem Rücken zur Wand. Krasniqi ist mit 30 Jahren längst kein Talent mehr, und zwei WM-Kämpfe hat der im Kosovo geborene Wahl-Münchner auch schon in den Sand gesetzt.

Krasniqi: "Ich werde die Karriere von Abraham beenden"

Für WM-Chance Nummer drei wechselte Krasniqi vom Halbschwer- ins um eine Klasse leichtere Supermittelgewicht. Verlieren ist am Samstag auch für ihn verboten. "Ich werde die Karriere von Abraham beenden", sagte Krasniqi.

Das wäre für Wegner vier Tage vor seinem 75. Geburtstag eine herbe Enttäuschung. Auch für seinen langjährigen Trainer will sich Abraham noch einmal bis nach ganz oben kämpfen. "Ich liebe ihn vom ganzen Herzen", sagte der Ex-Weltmeister dem "SID": "Er ist für mich ein ganz besonderer Mensch: Trainer, Ersatzvater, Berater, Diktator."