Löw vor Perspektivjahr: "Sind wieder hungrig"

20.03.2017 13:17
Joachim Löw legt den Fokus schon jetzt auf die WM 2018
Joachim Löw legt den Fokus schon jetzt auf die WM 2018

Klassiker gegen England, WM-Qualifikation in Aserbaidschan: Weltmeister Deutschland startet mit zwei völlig verschiedenen Aufgaben ins Länderspiel-Jahr.

Joachim Löw gönnte seinen strapazierten Stars noch einige Stunden bei ihren Familien. Nach 125 Tagen Nationalmannschafts-Pause setzte Löw den Treffpunkt zum Auftakt des Länderspieljahres gnädig erst für 22.00 Uhr am Montagabend in der Sportschule Kaiserau in Kamen an. Manuel Neuer kam gar nicht: Der Welttorhüter sagte aufgrund von Wadenproblemen ab.

Mit der Ruhe war es für die verbliebenen 23 Spieler und Neuer-Ersatz Kevin Trapp schnell vorbei. Bereits im Perspektivjahr 2017 fordert Löw von seinen Profis die Fokussierung auf das große Ziel: Die erfolgreiche Titelverteidigung bei der WM 2018 in Russland.

"Wir sind wieder hungrig", sagte der Bundestrainer vor dem Länderspiel-Klassiker am Mittwoch in Dortmund gegen England und dem WM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Baku gegen Aserbaidschan: "Wir möchten 2018 den Titel gewinnen: So lautet das klare Ziel."

Podolski sagt "Tschüss"

Auf dieses Ziel schwört Löw seinen Kader in dieser Woche ein - mit einer Ausnahme: Lukas Podolski bestreitet gegen das Mutterland des Fußballs sein 130. und letztes Länderspiel. "Vom zweijährigen polnischen Jungen, der quasi nur mit einem Ball unter dem Arm nach Deutschland kam, zum Weltmeister - das ist mehr, als ich mir erträumen konnte", sagte der 31-Jährige.

Ein Abschied mit Tränen scheint programmiert, seine langjährigen Mitspieler verneigten sich schon einmal vor dem kölsche Jung. "Poldi ist in ganz Fußball-Deutschland als Person und Persönlichkeit hoch angesehen", sagte Mats Hummels: "Es wird mit Sicherheit ähnlich emotional wie bei Schweini in Gladbach."

Debütant Werner

Podolski geht, Timo Werner kommt. Der Leipziger steht als einziger Debütant im Aufgebot und könnte damit als 87. Spieler in der Ära Löw seinen Einstand in der Nationalmannschaft geben. Löw bescheinigt dem torgefährlichsten deutschen Stürmer der Bundesliga (14 Treffer) das "Potenzial zur Weltklasse".

Werner ist einer der Kandidaten, die Löw im Kopf hat, wenn er sagt, es gehe im Jahr des Confed Cups darum, "sukzessive weitere hoffnungsvolle Spieler an das nächste Level heranzuführen". Bereits 15 Monate vor WM-Beginn ordnet Löw dem großen Traum vom Titel 2018 alles unter. "Das Grundgerüst steht", sagte der 57-Jährige zuletzt im "kicker"-Interview. Es geht nun darum, das System zu verfeinern, weitere Optionen zu testen.

Müller: "Beide Spiele sind wichtig"

Das Prestigeduell mit England bietet dafür eine gute Möglichkeit auf hohem Level. "Spiele gegen England sind immer etwas Besonderes. Bei den Fans rufen solche Paarungen natürlich Erinnerungen hervor", sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Bei der DFB-Auswahl aber auch schlechte: Der letzte Heimsieg gegen den Weltmeister von 1966 gelang vor 30 Jahren in Düsseldorf.

Thomas Müller betonte derweil den sportlichen Wert der Begegnung. "Beide Spiele sind wichtig, auch wenn das erste nur ein Testspiel ist", sagte der Offensivspieler. Sportlich bedeutender ist aber das WM-Qualifikationsspiel in Baku. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes führt die Quali-Gruppe C souverän mit fünf Punkten Vorsprung auf Norwegen und Aserbaidschan an.

DFB-Rekord kann geknackt werden

"Unser Ziel ist es, das Ticket für die WM so früh wie möglich zu lösen. Dabei sind wir bislang auf einem sehr guten Weg - und diesen wollen wir nicht verlassen", sagte Löw, der sein Team in der Favoritenrolle sieht: "Wenn wir spielen, was wir können, werden wir die Partie gewinnen."

Es wäre der fünfte Sieg im fünften Qualispiel (16:0 Tore). Gegen England winkt zuvor zudem ein Rekord. Seit dem Aus im EM-Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich (0:2) blieb die Nationalmannschaft in sechs Spielen ohne Gegentor. Dies war zuvor nur 1966 gelungen. Sieben Spiele ohne Gegentreffer wären eine Bestmarke. Neuer wird dabei nicht mithelfen können - der 30-Jährige lässt sich nach DFB-Angaben bei seinem Klub Bayern München behandeln.